9. Oktober 1967 - Joseph Pilates stirbt in New York

Körpertraining nach Joseph H. Pilates

Stichtag

9. Oktober 1967 - Joseph Pilates stirbt in New York

Ob Pop-Sängerin Madonna, Filmstar Julia Roberts oder Golf-Profi Tiger Woods - halb Hollywood hält sich mit Fitness-Übungen in Form, die Joseph Pilates entwickelt hat, um die Muskulatur zu kräftigen und die Beweglichkeit zu erhalten. Er ist überzeugt: "Nach zehn Stunden fühlen Sie den Unterschied. Nach 20 Stunden sehen Sie den Unterschied. Nach 30 Stunden haben Sie einen neuen Körper."

Anstoß für die Ausarbeitung einer neuen und später nach ihm benannten Trainingsmethode sind Pilates' gesundheitliche Probleme als Kind. Geboren am 9. Dezember 1883 in Mönchengladbach leidet er an Asthma und Rachitis. Zusammen mit seinen acht Geschwistern wächst er in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater ist Schlosser, Turner und Boxer - ein Vorbild für den jungen Joseph. Deshalb beschäftigt er sich mit Körperertüchtigungsmethoden wie Turnen, Yoga und Zen-Meditation. Mit 14 Jahren ist er so trainiert, dass er Modell für Anatomiekurse von Medizinern stehen kann - weil an ihm jeder einzelne Muskel erkennbar ist.

Max Schmeling ist Stammgast

Zunächst absolviert Pilates eine Lehre zum Brauer. 1912 geht er nach Großbritannien, wo er als Boxer und Zirkusartist arbeitet. Von Scotland Yard erhält er den Auftrag, die Beamten in Selbstverteidigung zu unterrichten. Als der Erste Weltkrieg beginnt, wird Pilates aufgrund seiner deutschen Herkunft in ein Internierungslager gesteckt. Dort nutzt er die Zeit, um sein Trainingskonzept zu optimieren. Aus Sprungfedern und Bettrahmen bastelt er Sportgeräte für die Mitgefangenen auf der Krankenstation. Nach Kriegsende kehrt Pilates nach Deutschland zurück und eröffnet eine Boxschule. Mitte der 1920er Jahre wandert er schließlich in die USA aus.

1926 stattet Pilates mit Clara Zeuner - einer gleichaltrigen Krankenschwester, die er auf dem Schiff bei der Überfahrt kennengelernt hat - das gemeinsame Appartement in New York mit seinen Trainingsgeräten aus. Seine Fitness-Methode nennt er "Contrology" und orientiert sich dabei an Friedrich Schiller: "Es ist der Geist, der sich den Körper baut." Zu den ersten Kunden gehören die Tänzer des "New York City Ballet", die im selben Gebäude trainieren. Ballettstars wie die Tanzpädagogin Martha Graham und der Choreograf Georg Balanchine besuchen das Studio. Auch Profi-Boxer Max Schmeling ist Stammgast.

Whisky, Zigarren und ein athletischer Körper

Pilates gilt als Gesundheitsfanatiker, der im Winter auch gerne einmal in kurzen Hosen und barfuß durch den Schnee läuft. Doch er ist auch ein Genussmensch: Er trinkt gerne Whisky und raucht Zigarre, auch während der Trainingszeiten im Studio. Trotzdem zeigen ihn alte Filmaufnahmen auch im hohen Alter mit athletischer Figur. "Er hat bis zum Schluss, obwohl er Arthritis in seinen Fingern und wohl auch in seinen Knien hatte, alle Übungen selbst vorturnen können", sagt Pilates-Trainerin Kerstin Bredehorn, die noch bei der letzten aktiven Schülerin des Fitness-Pioniers gelernt hat.

Joseph Pilates stirbt am 9. Oktober 1967 im Alter von 83 Jahren in New York, vermutlich an einem Lungenemphysem. Er hinterlässt kein Testament. Seine Lebensgefährtin Clara führt das Studio weiter bis zu ihrem Tod zehn Jahre später. Einige Schüler bewahren sein Konzept. Doch der Name Pilates ist gewerblich nicht geschützt. Heute umfasst das Ganzkörpertraining, das sich auf Joseph Pilates beruft, rund 700 Übungen.

Stand: 09.10.2012

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