16. März 2010 - Vor 40 Jahren: DSB startet Trimm-Dich-Aktion

Stichtag

16. März 2010 - Vor 40 Jahren: DSB startet Trimm-Dich-Aktion

Wenn Jürgen Dieckert Anfang der siebziger Jahre im Wald die Spaziergänger überholt, erntet er nur Hohn und Spott. Ob er für die Olympischen Spiele in München trainieren würde, rufen die Wandernden dem jungen Professor der Sportwissenschaften an der Universität Oldenburg zu – ironische Aufmunterungsrufe sind an der Tagesordnung. Dabei tragen die Spaziergänger, an denen Dieckert vorbeijoggt, oft deutliche Zeichen des Wirtschaftswunders auf den Rippen. Anfang der siebziger Jahre ist jeder dritte Deutsche zu dick und wiegt im Schnitt dreieinhalb Kilo zu viel: eine Folge von zu gutem Essen und zu wenig Bewegung.

Jürgen Dieckert will der falschen Gewichtung im Leben der Deutschen Abhilfe schaffen. Gemeinsam mit Jürgen Palm entwickelt er ehrenamtlich für den Deutschen Sportbund (DSB) ein Konzept, das der Wohlstandsgesellschaft Beine machen soll. "Man trimmt sich wieder. Im Wald und auf der Heide" lautet dabei das Motto. Am 16. März 1970 startet der DSB eine groß angelegte "Trimm-Dich"-Werbekampagne: "Niemand ist zu jung – oder zu alt – für ein sportliches Wochenende", tönt es aus den Fernsehern und Radioapparaten. "Sechs Minuten Dauerlauf, sechs Minuten Seilspringen, sechs Minuten schnelles Radfahren oder sechs Minuten flottes Tanzen"- durch regelmäßige Fitness soll das Herz zehn bis 20 Jahre jünger bleiben.
Maskottchen der Werbekampagne ist Trimmy, ein akkurat gescheiteltes, stets fröhliches Männchen mit Quadratschädel, hochgestrecktem Daumen und schwarzer Sporthose. Nach zwei Jahren hat es sich mit ins Bewusstsein der meisten Bundesbürger gejoggt. Viele von ihnen lockt es auch auf die eigens eingerichteten Trimm-Dich-Pfade im Wald, die mit einem Übungsparcours zu Klimmzügen, Balancieren oder Rumpfbeugen einladen.

Die Trimm-Dich-Aktion ist ein voller Erfolg. 1980 haben die Vereine des DSB rund 6,5 Millionen mehr Mitglieder als zehn Jahre zuvor. Damit ist rund ein Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung im Verein aktiv. Vor allem aber ändert sich das Verhältnis zum selbst organisierten Sport in Wald und Flur: Heute müssen sich eher die dickbäuchigen Spaziergänger von den Joggern verspotten lassen.

Stand: 16.03.10