12. September 1977 - Steve Biko stirbt in Pretoria

Steven Biko, Antiapartheid-Aktivist (Aufnahme von 1977)

Stichtag

12. September 1977 - Steve Biko stirbt in Pretoria

"Black ist beautiful" - mit diesem Slogan wird Steve Biko in den 1970er Jahren bekannt. Er ist einer der führenden Köpfe der südafrikanischen Freiheitsbewegung, die sich gegen die sogenannte Apartheid ("Getrennte Entwicklung") im Land wehrt. Die weiße Minderheit unterdrückt die schwarze Mehrheit der Bevölkerung unter anderem mit rassistischen Gesetzen. Schwarze haben kein Wahlrecht, müssen in Ghettos leben, dürfen mit Weißen nicht Bus fahren. Dagegen engagiert sich der am 18. Dezember 1946 geborene Stephen Bantu Biko: Als Medizinstudent gründet er 1969 die schwarze "Südafrikanische Studentenorganisation" (SASO). Als Präsident der Vereinigung kämpft er gegen die sogenannte Rassentrennung in Südafrika und für "Black Consciousness" - ein schwarzes Bewusstsein. "Der Grundkern dieser Philosophie ist, dass nur der Schwarze selbst seine eigene Situation verbessern kann, indem er die Systeme analysiert, die ihn zum Mitglied einer Gesellschaft machen", so Biko. Die schwarzen Afrikaner sollen sich von verinnerlichten Abhängigkeiten und Minderwertigkeitskomplexen befreien.

1973 wird Biko vom Apartheid-Regime mit einem Bann belegt. Er darf seine Geburtsstadt King Williams Town nicht mehr verlassen. Zudem darf er sich nicht mit mehr als einer Person gemeinsam in einem Raum aufhalten. Trotzdem agiert Biko weiter politisch im Untergrund. Derweil nehmen die Spannungen in Südafrika zu. Besonders in den sogenannten Townships, den Armensiedlungen für Schwarze, gärt es. 1976 kommt es in Soweto, dem größten Township von Johannesburg, zu einem Protestmarsch von Schülern: Afrikaans, die Sprache der weißen Buren, soll Unterrichtssprache werden. Die Polizei schießt in die demonstrierende Menge und tötet hunderte Schüler. Nach dem Massaker kommt es zum Aufstand, der bis ins Jahr 1977 dauert.

Nackt und halb tot

Die Polizei nimmt Biko am 18. August 1977 fest, als er auf dem Rückweg von einer politischen Versammlung ist. In Porth Elizabeth wird er im Raum 619 des Polizeigebäudes während des Verhörs gefoltert. Später transportiert man ihn nackt und halb tot geschlagen mit einem Geländewagen in das mehr als 1.000 Kilometer entfernte Hochsicherheitsgefängnis nach Pretoria. Dort stirbt Biko am 12. September 1977. Der damalige Justiz- und Polizeiminister Jimmy Krüger reagiert auf die Todesnachricht mit dem Satz: "Das lässt mich kalt."

Offiziell heißt es zunächst, Biko sei nach einem Hungerstreik gestorben. Doch diese Version lässt sich nicht lange aufrechterhalten. Dann behauptet die Polizei, Biko habe sich die Verletzungen in einem Handgemenge mit den Gefängnisbeamten selbst zugezogen. Dieser Darstellung schließt sich der Richter einer öffentlichen Untersuchung an: Niemand könne für Bikos Tod verantwortlich gemacht werden. Er sei an den Folgen von schweren Gehirnverletzungen, Nierenschäden und einer Harnvergiftung gestorben. Bikos Beerdigung in King Williams Town wird zur politischen Demonstration. Obwohl das Regime versucht, Trauergäste fernzuhalten, schaffen es rund 20.000 Menschen, Biko die letzte Ehre zu erweisen.

Internationale Isolierung

Der Tod des Bürgerrechtlers ist ein Wendepunkt: "Hier in Südafrika war es damals für niemanden ein Geheimnis, wie brutal das Regime war", sagt Obenewa Amponsah von der Steve-Biko-Stiftung in Johannesburg. "Aber ich glaube, außerhalb Südafrikas hat es den Leuten gezeigt, wie weit die Regierung gehen würde, um andere zu unterdrücken und ihnen die Freiheit zu nehmen." Das Apartheid-Regime wird international geächtet.

Der außen- und innenpolitische Druck ist allerdings erst 1994 so groß, dass die weiße Regierung unter Willem de Klerk freie Wahlen für alle Südafrikaner zulässt. Wahlsieger wird der African National Congress (ANC), der neue Präsident heißt Nelson Mandela. "Ich würde es gerne sehen, wenn sich die verschiedenen Gruppen wie der ANC und Black Consciousness zu einer Freiheitsbewegung zusammenschließen würden", hat Biko noch kurz vor seinem Tod gesagt. "Nur dann, wenn die schwarze Bevölkerung geschlossen und vereint ist, können wir etwas erreichen."

Stand: 12.09.2012

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