Sommer 1937 - "The Hobbit" von J. R. R. Tolkien veröffentlicht

Montage: Buchcover The Hobbit

Stichtag

Sommer 1937 - "The Hobbit" von J. R. R. Tolkien veröffentlicht

Eigentlich kann man das nicht machen: ein Buch, das bereits erschienen ist, noch einmal verändern. Doch genau das hat der englische Professor und Autor J. R. R. Tolkien, Begründer der modernen Fantasy-Literatur, getan. Er schreibt den "Kleinen Hobbit" im Nachhinein um, damit die Fortsetzung "Der Herr der Ringe" besser funktioniert. "The Hobbit or There and Back Again" erscheint am 21. September 1937 beim Londoner Verlag George Allen & Unwin. In Deutschland kommt das Buch unter dem Titel "Kleiner Hobbit und der große Zauberer" 20 Jahre später auf den Markt. Die Erstausgabe des "Hobbit" vom Sommer 1937 ist aber nicht mehr die, die wir heute lesen.

Rätsel in der Dunkelheit

Die Hauptfigur des Bilbo Beutlin von Beutelsend allerdings ist geblieben: klein, rund, mit haarigen Füßen. Für den es nichts Schöneres gibt, als vor seiner Höhle zu sitzen, eine Pfeife zu schmauchen und das Sonnenlicht einzuatmen. Denn ein Hobbit ist gemütlich und weiß, was sich gehört.

Als allerdings der Zauberer Gandalf mit einer Gruppe von Zwergen bei Bilbo Beutlin auftaucht, ist es im "Hobbit" vorbei mit dem geruhsamen Leben im Auenland auf dem fiktiven Kontinent Mittelerde. Von der Abenteuerlust gepackt bricht Beutlin mit ihnen auf, um sich vom Drachen Smaug einen Schatz zurück zu holen. Bilbo wird dabei zum Meisterdieb, besonders in der Schlüsselszene des Buches, dem Kapitel "Rätsel in der Dunkelheit". Verloren in einer dunklen Höhle im Nebelgebirge findet Beutlin einen Ring. Kurz darauf begegnet er dem eigentlichen Besitzer des Rings, dem mysteriösen und rätselhaften Wesen Gollum, das auf der Insel eines unterirdischen Sees lebt, den Verlust seines Rings jedoch noch nicht bemerkt hat. Gollum und Beutlin veranstalten ein Ratespiel - um Bilbos Entkommen aus der Höhle. "Zweiunddreißig Schimmel auf einem roten Hang. Erst malmen sie, dann stampfen sie und warten wieder lang", lautet eine Frage.

Der Ring bekommt eine viel stärkere Bedeutung

Zuvor hatte die Szene einen anderen Klang, Tolkien überarbeitet sie, nachdem 1954 "Der Herr der Ringe" erscheint. Während Gollum in der ersten Fassung Bilbo den Ring fast überlässt, hat er in der späteren Version ein viel größeres Interesse daran. Denn mit der Fortsetzung des "Herrn der Ringe" ist aus dem einfachen Zaubermittel des Rings ein Gegenstand der Macht geworden. "Während Gollum in unserer aktuellen Hobbit-Ausgabe viel furchterregender ist und diesen Beutlin hasst, ist das in der ersten Fassung noch nicht so", sagt auch Lisa Kuppler, Übersetzerin und Lektorin des großen Hobbit-Buchs, das den kompletten Text mit Kommentaren und Bildern enthält. Dem deutschen Leser dürften diese Änderungen unbekannt sein, denn die erste Übersetzung beruht bereits auf der neuen Fassung. Im "Hobbit" entkommt Bilbo samt Ring dem Nebelgebirge - und schafft damit die Grundlage für das große Werk Tolkiens, den "Herrn der Ringe". Gollum wird darin eine entscheidende Rolle spielen und Bilbo und den Ring bis zum Ende verfolgen.

Bücher für Kinder, aber keine Kinderbücher

Schon im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts schreiben Englands Autoren viele fantastische Geschichten, zum Beispiel Lewis Carroll seine "Alice im Wunderland". John Ronald Reuel Tolkien arbeitet als Sprachwissenschaftler und Professor in Leeds, dann Oxford. Reich waren Tolkien, seine Frau und die vier Kinder nicht. Er verdient sich etwas dazu, indem er Texte korrigiert – eine für ihn öde und schreckliche Beschäftigung. Der Anekdote nach muss einmal ein Student ein leeres Blatt bei ihm abgegeben haben. J. R. R. Tolkien soll intuitiv darauf geschrieben haben: "In a hole in the ground there lived a hobbit - In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit." Während Tolkien also den "Hobbit" verfasst, arbeitet ein anderer Autor, C. S. Lewis an den "Chroniken von Narnia". Beide lesen sich regelmäßig aus ihren Werken vor. "Diese Autoren haben sich gar nicht als explizite Kinderbuchautoren verstanden. Sie haben zwar Bücher für ihre Kinder geschrieben, aber mehr in dem Sinne: Ich schreibe ein Märchen, das nicht nur für Kinder interessant ist, sondern für alle Menschen", erklärt die Hobbit-Übersetzerin Lisa Kuppler.

Stand: 21.08.2012

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