Alfred Heineken (re.) mit Prinz Bernhard, beide Bier trinkend

Stichtag

3. Januar 2002 - Tod des Brauerei-Unternehmers Alfred Heineken

Ein Werbespot: Stolz präsentiert eine junge Blondine Partygästen ihren begehbaren Kleiderschrank. Die Freundinnen reagieren mit schrillem Entzücken. Doch ihre Schreie werden im Hintergrund von männlichen Bewunderungsrufen übertönt. Dort führt der Hausherr seinen ebenso appartementgroßen Spezialraum vor, einen begehbaren Kühlschrank, gefüllt mit nur einem Produkt: Bier von Heineken. Die Männerriege kriegt sich kaum ein vor Begeisterung.

Originelle Reklame mit Schmunzeleffekt ist seit Jahrzehnten ein Markenzeichen der niederländischen Brauerei mit dem roten Stern und der grünen Hausfarbe. Eingeführt hat diese Werbestrategie Alfred Heineken, der Enkel des Unternehmensgründers. Unter seiner Leitung wächst die in Amsterdam beheimatete Brauerei zu Europas größtem Bierhersteller und drittgrößten Brau-Konzern der Welt heran.

Trendsetter der Lifestyle-Promotion

Der 1923 geborene Sohn einer ursprünglich aus Bremen stammenden Kaufmannsfamilie beginnt 1942 seine Ausbildung im eigenen Haus. Gleich nach Kriegsende tritt Alfred Heineken in die Dienste eines New Yorker Bier-Importeurs. Dort begreift er die besondere Bedeutung von Werbung und Marketing für den Erfolg eines Konsumprodukts. So wächst bei ihm die Überzeugung: Ich verkaufe kein Bier, sondern Geselligkeit und soziale Wärme. Nach drei Jahren kehrt der lebensfrohe, von allen Freddy genannte Brauerei-Erbe in die Amsterdamer Firmenzentrale zurück.

Daheim baut er nach US-Vorbild eine Werbeabteilung auf und entwirft Reklamestrategien, die nicht den Geschmack von Heineken-Bier, sondern ein modernes Lebensgefühl in den Vordergrund rücken. Damit wird Alfred Heineken in Europa zum Trendsetter der heute gängigen Lifestyle-Promotion. Dank seiner Marketingfeldzüge kann das Unternehmen nach den USA auch in Asien und Afrika Fuß fassen. 1969 beruft die Familie Alfred Heineken zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden; drei Jahre später übernimmt er die alleinige Leitung des Gesamtkonzerns.

Entführung und Rückzug aus der Öffentlichkeit

Während er 50 Prozent des heimischen Bier-Marktes erobert, treibt Heineken unvermindert die globale Expansion seiner Marke voran. 1999 trinken Menschen in 170 Ländern den Gerstensaft aus Holland. In 50 Ländern betreibt Heineken 110 eigene Abfüllbetriebe und verfügt damit noch vor dem amerikanischen Weltmarktführer Anheuser-Busch über das am weitesten gespannte Brauereinetz. Lediglich im durch starke regionale Marken geprägten Nachbarland Deutschland muss sich Heineken auf eine Beteiligung an einer Münchener Brauerei beschränken.

Mit einem Privatvermögen von umgerechnet rund vier Milliarden Euro gilt der Freund von Frank Sinatra und enge Vertraute der Königin Beatrix als einer der reichsten Niederländer. Alfred Heineken genießt öffentliche Auftritte – bis er im November 1983 zusammen mit seinem Chauffeur entführt wird. Erst nach drei Wochen und Zahlung von 37 Millionen Gulden (rund 31 Millionen Mark) Lösegeld kann die Polizei den Milliardär aus seinem Gefängnis im Amsterdamer Hafenviertel befreien. Danach wird er kaum noch in der Öffentlichkeit gesehen. Von einem 2001 erlittenen Hirnschlag erholt sich Alfred Heineken nicht mehr. Wenige Monate später, am 3. Januar 2002, stirbt Hollands Bierkönig 78-jährig in seiner Villa in Nordwijk.

Stand: 03.01.2012

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