3. Juli 1971 - Jim Morrison stirbt in Paris

Jim Morrison während eines Auftritts

Stichtag

3. Juli 1971 - Jim Morrison stirbt in Paris

Jim Morrison habe wie ein schwarz gelockter griechischer Gott gewirkt, mit einem Gesicht, "das direkt aus schweißtreibenden Träumen zu stammen schien. Er sang mit intensivem Baritonstöhnen, durchsetzt mit unzüchtiger Begierde. Ich fiel in Ohnmacht", erinnert sich ein Groupie im "summer of love" 1967 an eine Begegnung mit Morrison. Zwei Jahre später endet die unbeschwerte Ära von Sex, Drugs and Rock 'n' Roll abrupt. Im Juli 1969 stirbt Rolling Stone Brian Jones, dann Jimi Hendrix und Janis Joplin. Am 3. Juli 1971 wird auch Jim Morrison, der charismatische Sänger und Song-Autor von The Doors, in einem Pariser Hotel tot aufgefunden. Sie alle werden nur 27 Jahre alt.

Vor der stramm konservativen Erziehung seines Vaters, der als Admiral der US-Marine einen Flugzeugträger im Vietnamkrieg kommandiert, flüchtet Jim Morrison schon früh in die Literatur. Der hoch begabte Junge verehrt Nietzsche, Joyce, Baudelaire und vor allem Rimbaud. 1965 begegnet er als Filmstudent in Los Angeles dem Keyboarder Ray Manzarek. Der ist tief beeindruckt von Jims selbst verfassten existenzialistischen Texten. Zusammen mit dem Flamenco-Gitarristen Robby Krieger und dem Jazz-Schlagzeuger John Densmore gründen sie eine Band. Nach einem Aldous-Huxley-Essay über die "Pforten der Wahrnehmung" nennen sie sich The Doors.

Rebellion und Selbstzerstörung

Mit dem Song "Light My Fire" steigt die Band fast über Nacht zu Superstars der psychedelischen Rockmusik auf. Morrisons düstere, von Schuld und Tod geprägten Visionen haben mit den Flower-Power-Träumen der Hippies nichts gemein. Meist halbnackt, in der berühmten schwarzen Lederhose, schreit, flüstert, bellt Morrison seine Songs zu Manzareks magischem Orgelsound ins Publikum. Seine obszön-exzessiven Auftritte machen ihn zum Skandalgaranten, von einer schnell wachsenden Fangemeinde kultisch verehrt und vom FBI bespitzelt.

Einige Zeit genießt Jim Morrison das Rockstar-Leben in vollen Zügen, fühlt sich aber bald als Gefangener seines selbst geschaffenen Images. Als Poet will er respektiert werden, nicht als von kreischenden Fans kritiklos verehrte Ikone der Jugendrevolte. Die Bandkollegen leiden zunehmend unter Morrisons Launen, dessen ungebremster Drogen- und Alkoholkonsum immer häufiger Auftritte und Plattenaufnahmen torpediert. Im März 1969 lässt Morrison in Miami die Situation vor einem brodelnden Publikum bewusst eskalieren. Wegen angeblicher Zurschaustellung der Genitalien bricht die Polizei das Konzert ab. Der Sänger wird verhaftet und zu acht Monaten schwerer Zwangsarbeit verurteilt.

Das Ende auf Rimbauds Spuren

Morrison bleibt bis zur Berufungsverhandlung frei. Vollbärtig, aufgeschwemmt, innerlich leer und ausgebrannt, ist das einstige Sexsymbol nur noch ein Schatten seiner selbst. Im Oktober 1970 schaffen es die Doors noch einmal, ihren Sänger für das Album "L.A. Woman" ins Studio zu lotsen. "Riders on the Storm" ist der letzte Song, den die Gruppe gemeinsam einspielt. Im März 1971 reist Jim Morrison zu seiner Freundin Pamela Courson nach Paris, um in der Stadt seines Vorbildes Arthur Rimbaud Ruhe zu finden. Doch trotz schwer angeschlagener Gesundheit schafft er es nicht, von Drogen und Alkohol loszukommen. Am 3. Juli findet Courson ihn leblos in der Badewanne. Ohne Obduktion wird Jim Morrisons Leichnam vier Tage später auf dem Prominenten-Friedhof Père Lachaise beerdigt. Die genauen Umstände seines Todes bleiben bis heute ungeklärt.

Stand: 03.07.2011

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