4. Februar 1926 - Ungarns Nationaltorhüter Gyula Grosics wird geboren

Ungarns Torhüter Gyula Grosics streckt sich im WM-Finale gegen Deutschland 1954 vergeblich nach dem Ball

Stichtag

4. Februar 1926 - Ungarns Nationaltorhüter Gyula Grosics wird geboren

Jede Sekunde ist unauslöschlich in Gyula Grosics’ Gedächtnis eingebrannt. "Von dahinten aus 12 Metern kam der Schuss und ich bin nach rechts in die Ecke gesprungen." 60 Jahre nach dem fatalsten Gegentreffer seines Lebens steht der weißhaarige Ungar wieder zwischen den Torpfosten des Berner Wankdorfstadions. Damals war er der "Schwarze Panther", einer der weltbesten Torhüter. Bis Helmut Rahn aus dem Hintergrund das Tor zum 3:2 –Sieg erzielt, das Deutschland 1954 zum Weltmeister macht. Eine Sensation, denn der haushohe Favorit im WM-Endspiel hieß Ungarn. Das Wunder von Bern - für Ungarns Nationaltorhüter Gyula Grosics wird es zur Tragödie seines Lebens.
Mehr als vier Jahre lang war Ungarns "Goldene Mannschaft" zuvor ungeschlagen geblieben. Während des WM-Turniers hatte die Elf um Puskás, Hidegkuti, Bozsik und Grosics seine Gegner bis zum Finale förmlich vom Platz gefegt, unter anderem Deutschland mit 8:3. Was sollte da noch schiefgehen, der Titel schien nur noch Formsache. Umso verheerender fällt nach der Niederlage die Reaktion in der Heimat der Magyaren aus. Tausende aufgebrachte Fans – in dem stalinistisch regierten Regime zuvor undenkbar – rotten sich in Budapest zusammen und machen in Sprechchören ihrer Wut über die Schmach von Bern Luft.

Als Spion diffamiert

Diktator Mátyas Rakosi, selbsternannter bester Schüler Stalins, lässt den Zug der heimkehrenden Verlierer vor der Hauptstadt stoppen und isoliert die Mannschaft in einer Sportschule. Der regimekritische Torhüter Grosics muss als Sündenbock herhalten. Wegen einiger Treffen mit Exilungarn bei Auslandsreisen lässt Rákosi Spionagevorwürfe gegen Grosics konstruieren. Nach monatelangen Verhören in den Folternkellern der Staatsmacht wird der einstige "Held der Nation" im Dezember 1954 mit einer fingierten Anklage des Landesverrats beschuldigt. Erst ein Jahr später lässt man die Vorwürfe aus Mangel an Beweisen fallen und versetzt Grosics zu einem Zweitliga-Verein. Verteidigungsminister Farkas lässt ihn wissen: "Seien Sie froh. Jeder normale Mensch von der Straße würde allein für den Verdacht aufgehängt."

Verbittert bis ins Grab

Einen Monat vor dem Volksaufstand der Ungarn 1956 darf Grosics in die Nationalmannschaft zurückkehren. Er nimmt noch an den beiden folgenden Weltmeisterschaften teil, doch die "Goldene Mannschaft" von einst ist da längst zerbrochen. Mit einem Länderspiel gegen Jugoslawien in Budapest beendet Grosics im Oktober 1962 seine Karriere. 1999 wird er unter die zehn besten Torhüter aller Zeiten und Länder gewählt. Doch seinen Frieden mit der Vergangenheit hat der "Schwarze Panther", der am 4. Februar 2011 seinen 85. Geburtstag feiert, auch im Alter nicht finden können: "Die Verbitterung wird mich bis ins Grab verfolgen. Ein Leben lang habe ich gefühlt, dass die Menschen mir Vorwürfe machen."

Stand: 04.02.2011

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