09. Januar 2009 - Vor 50 Jahren: Hans Bredow stirbt in Wiesbaden

Stichtag

09. Januar 2009 - Vor 50 Jahren: Hans Bredow stirbt in Wiesbaden

Seine Karriere ist steil aber kurz: Hans Bredow gilt als "Vater des Rundfunks" in Deutschland. In der Weimarer Republik wechselt der Radio-Pionier mit 40 Jahren von der Industrie in den Staatsdienst und wird 1919 höchster technischer Beamter der Reichspost. In dieser Position organisiert er zunächst als Ministerialdirektor, dann als Staatssekretär im Reichspostministerium die Einführung des staatlich kontrollierten Rundfunks. 1926 übernimmt er das auf seine Person zugeschnittene Amt eines Rundfunkkommissars. In dieser Funktion steuert er maßgeblich Organisation, Technik und Finanzen des Rundfunks.

Geboren wird Hans Karl August Friedrich Bredow am 26. November 1879 in Schlawe (Pommern). Mit 17 Jahren verlässt er die Schule und wird in Hamburg Elektrotechniker. Nach ersten praktischen Erfahrungen holt er Abitur und Studium nach. Als Ingenieur arbeitet er 1903 bei der AEG in Berlin. Im Jahr darauf tritt Bredow in das von Kaiser Wilhelm II. angeregte Berliner Unternehmen Telefunken ein. Dort arbeitet auch der weltbekannte Funk-Pionier Georg Graf Arco, dem 1906 die erste drahtlose Wort-Übertragung gelingt. Bredow und Arco sind erfolgreich - doch noch gehört der Funk ganz dem Militär. Als Bredow im Ersten Weltkrieg Musik in die Dienstempfänger der Soldaten an der Westfront speist, bekommt er dafür Ärger. Erst am 29. Oktober 1923 schallt die erste "Funkstunde" aus dem Vox-Haus in Berlin - das Radio für alle ist da. Politik ist im Programm Nebensache. Zu hören sind vor allem Musik, Sprachkurse und Vorträge über Gartenkunst oder Schach.

1933 hören von den rund 68 Millionen Deutschen etwa vier Millionen regelmäßig Radio. Am Tag als Adolf Hitler Kanzler wird, tritt Reichsrundfunkkommissar Bredow aus Protest zurück. Propagandaminister Joseph Goebbels lässt keinen Zweifel: "Der Rundfunk gehört uns. Niemandem sonst. Und den Rundfunk werden wir in den Dienst unserer Idee stellen." Enge Mitarbeiter von Bredow verschwinden im Konzentrationslager. Als Bredow sich in einem Telegramm an die Nazis mit den Inhaftierten solidarisiert, höhnt der neue "Reichssendeleiter" Eugen Hadamowski: "Wenn Sie das wollen, dann melden Sie sich morgen früh um sechs Uhr beim Lagerkommandanten in Oranienburg!" Bredow muss für mehrere Monate in Untersuchungshaft und zieht sich anschließend verbittert nach Wiesbaden zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er kurz Vorsitzender des Verwaltungsrates des Hessischen Rundfunks. 1951 gibt er das Amt ab, nachdem er mit seinem Plan gescheitert ist, eine zentralistisch geführte Arbeitsgemeinschaft "Deutscher Rundfunk" mit ihm selbst an der Spitze zu gründen. Statt dessen hatten sich die Rundfunkanstalten auf die Gründung der "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland" (ARD) nach dem föderalen Prinzip geeinigt. Bredow widmet sich nun ganz dem Aufbau seines Rundfunk-Archivs. Im Alter von 79 Jahren stirbt er am 9. Januar 1959 in Wiesbaden. Seine Sammlung geht im Deutschen Rundfunkarchiv auf.

Stand: 09.01.09