29. April 2009 - Vor 5 Jahren: Google kündigt Börsengang an

Stichtag

29. April 2009 - Vor 5 Jahren: Google kündigt Börsengang an

Heute schon gegoogelt? Sie wären damit wohl nicht alleine! Pro Monat benutzen rund 30 Millionen Deutsche die Suchmaschine Google. Die Marke ist zu einem Verb geworden, das im Duden steht. Hinter dem erfolgreichen Internetprodukt steht ein riesiges US-Unternehmen, das für unkonventionelle Geschäftspraktiken bekannt ist. Gegründet wird es 1998 von den beiden Informatikstudenten Sergej Brin und Larry Page in einer Garage in Kalifornien. Mittlerweile besteht der Firmensitz aus mehreren Gebäuden: Im sogenannten Googleplex gibt es unter anderem Waschsalons, Massageräume, Sportstudios, Lavalampen und Billardtische. Brin und Page leiten ihre Unternehmen in T-Shirt und Shorts, manchmal auch barfuß. Der Erfolg von Google basiert auf einer geheimen mathematischen Formel, anhand der die relevanten Ergebnisse zusammengestellt werden. Je intelligenter eine Suchmaschine die Treffer präsentiert, desto beliebter ist sie beim Nutzer.

Viele Nutzer bringen hohe Werbeeinnahmen. Google verfügt bald über genügend Geld - und braucht deshalb nicht an die Börse zu gehen, um Kapital aufzunehmen. Zudem müssen börsennotierte Firmen regelmäßig Zahlen veröffentlichen. Aber wie profitabel Google tatsächlich ist, wollen Brin und Page der Konkurrenz nicht unter die Nase reiben. Doch dann muss das Unternehmen trotzdem den Börsengang einleiten, wie Wissenschaftsjournalist Lars Reppesgaard, Autor des Buchs "Das Google-Imperium", schildert: Weil Google seine Mitarbeiter nicht nur mit Geld entlohnt, sondern auch mit Aktienoptionen, wird die Firma von der Börsenaufsicht gezwungen, ihre Zahlen offenzulegen - als wäre es ein börsennotiertes Unternehmen. "Google hatte außerdem zwei Risikokapitalgeber, die haben in ganz frühen Jahren Geld in Google investiert", so Reppesgaard. "Die wollten irgendwann natürlich auch Geld sehen und haben Druck gemacht, damit Google an die Börse geht."

Nach den Spielregeln für einen Börsengang an der Wall Street  beauftragt das Unternehmen die New Yorker Börse, seine Aktien auf den Markt zu bringen. Die Wall Street legt einen Preis fest - am liebsten einen möglichst niedrigen. Dann schustert die Börse bevorzugten Anlegern bei der Erstausgabe die Aktien zu. Am ersten Handelstag schießt der niedrig angesetzte Preis in die Höhe, die bevorzugten Anleger streichen den Gewinn ein. Die Wall Street kassiert eine Provision vom Unternehmen. Google bricht diese Spielregeln - und diktiert den Banken seine eigenen. Am 29. April 2004 kündigen Page und Brins den Börsengang an. Dann veranstalten sie eine Auktion, bei der Internetnutzer ihre Gebote abgeben können. Eine komplizierte Software errechnet aus den Geboten einen Preis. Die Kosten dafür überlässt Google den beauftragten Banken. Die Folge: Die Investmentbank Merrill Lynch steigt aus dem Börsengang aus. Am 19. August 2004 ist der erste Handelstag. Nach wenigen Minuten steht die Aktie mit einem Ausgabepreis von 85 Dollar bei mehr als 100 Dollar. Google ist mit einem Schlag fast so viel Wert wie der Automobilkonzern General Motors. Und Page und Brin besitzen Anteile im Wert von mehreren Milliarden Dollar.

Stand: 29.04.09