9. Mai 1958 - Alfred Hitchcocks "Vertigo" uraufgeführt

James Stewart und Kim Novak in Filmszene aus "Vertigo"

9. Mai 1958 - Alfred Hitchcocks "Vertigo" uraufgeführt

Gelähmt von Schwindelattacken muss Detektiv Ferguson miterleben, wie sich die Frau in den Tod stürzt, die er vor sich selbst schützen sollte. Kaum hat er seine Schuldgefühle überwunden, begegnet er Judy, einer Doppelgängerin jener scheinbar todessehnsüchtigen Madeleine, in die er sich verliebt hatte.

Für den Polizisten beginnt eine verstörende Reise in die Abgründe der eigenen Psyche. Besessen davon, Madeleine wieder auferstehen zu lassen, zwingt er Judy, sich völlig in die Tote zu verwandeln. Bis Ferguson entdeckt, dass beide Frauen dieselbe Person sind und er selbst wegen seiner Höhenangst zum perfekten Werkzeug eines perfiden Mordplans wurde.

Filmklassiker "Vertigo uraufgeführt" (am 09.05.1958)

WDR 2 Stichtag | 09.05.2018 | 04:09 Min.

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Einblicke in Hitchcocks Psyche

Alfred Hitchcock dreht sein Psycho-Drama nach einem Krimi von Pierre Boileau und Thomas Narcejac. "Ich war fasziniert von den Anstrengungen, eine Frau zu erschaffen nach dem Bild einer Toten“, begründet der Thriller-Spezialist seine Wahl. Anders als im Buch macht Hitchcock den Zuschauer schon früh zum Mitwisser des Komplotts, das Madeleines Ehemann geschmiedet hat, um seine Frau umzubringen.

Mit "Vertigo" gewährt Hitchcock tiefe Einblicke in seine eigenen Neurosen. "Von Anfang bis Ende", schreibt sein Biograf Donald Spoto, zeige der Film "Hitchcocks zutiefst persönliche Gefühle  (…), sein idealisiertes Bild der Frau, die gefährlichen Grenzen emotionaler Fixierung, die finale Obsession jedes Romantikers."

Alfred Hitchcock

Unübertroffener Meister des "Suspense": Alfred Hitchcock

Neben den Hauptdarstellern James Stewart und Kim Novak besticht "Vertigo“ durch die Musik von Bernhard Herrmann, eine ausgefeilte Farbdramaturgie und eine raffiniert eingesetzte Bildsymbolik. Der von Stewart zunächst sympathisch gespielte Held wird dem Zuschauer in seiner nekrophilen Obsession immer unheimlicher.

Verspätete Anerkennung

Nach der Uraufführung am 9. Mai 1958 regieren Kritik und Publikum zwiespältig. Der "New Yorker" kanzelt den Film gar als "weit hergeholten Unsinn" ab. Bei der Wiederaufführung 1983 aber wandelt sich das Urteil grundlegend. Seither gilt Alfred Hitchcocks Meisterwerk als einer der zehn besten Filme aller Zeiten.

Filmemacher dagegen, allen voran die Franzosen der Nouvelle Vague und Amerikaner wie Brian de Palma oder Paul Schrader, werden schon früh von Hitchcocks expressiver Farb- und Bildsprache beeinflusst. Filmgeschichte schreibt vor allem der "Vertigo-Effekt", ein schwindelerregender Eindruck, den die Kombination von Kamerafahrt und Zoom erzeugt.

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Stand: 09.05.2018, 00:00