3. Juni 1995 - Längste Seebrücke Deutschlands auf Usedom eröffnet

Seebrücke in Heringsdorf auf Usedom

3. Juni 1995 - Längste Seebrücke Deutschlands auf Usedom eröffnet

Mit 508 Metern Länge ist sie die längste ihrer Art in der Bundesrepublik: die Seebrücke in Heringsdorf auf der Insel Usedom. Sie wird am 3. Juni 1995 eingeweiht und steht in der Tradition ihrer Vorgängerin aus dem 19. Jahrhundert.

Heringsdorf ist der älteste Badeort auf Usedom und gilt früher als "Nizza des Ostens". "Die Anreise ins Seebad konnte ab 1876 mit der Eisenbahn von Berlin nach Swinemünde und dann mit dem Dampfschiff nach Heringsdorf erfolgen", sagt Heimathistoriker Heinrich Karstadt.

Neue Seebrücke Heringsdorf eröffnet (am 03.06.1995)

WDR 2 Stichtag 03.06.2020 04:12 Min. Verfügbar bis 01.06.2030 WDR 2

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Prominenten-Treff

Das Seebad wird zum Treffpunkt prominenter Urlaubsgäste wie Theodor Fontane, Maxim Gorki und Leo Tolstoi. Zwischen 1891 und 1893 entsteht die Kaiser-Wilhelm-Brücke, eine 408 Meter lange Holzkonstruktion mit Türmchen und Kolonnaden.

Der Zugang ist von der Promenade her mit einem Holzzaun abgegrenzt und kostet Eintritt. Da Kaiser Wilhelm II. gern nach Norwegen reist, ist das Eingangsportal mit Drachenmotiven verziert.

Feuer außer Kontrolle

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg brennen der Brückenkopf und das dort eingerichtete Restaurant ab. Angler hatten ein Feuer zum Aufwärmen gemacht, das außer Kontrolle geriet.

"Man konnte nur noch den Eingangsbereich mit der anschließenden Ladenstraße und den Abschnitten im Dünenbereich nutzen", so Usedom-Experte Karstadt.

Zweiter Brand

Elf Jahre später wird 1957 die restliche Brücke zerstört - vermutlich durch Brandstiftung. Die Feuerwehr kann nur die umliegenden Gebäude retten.

Der rasche Wiederaufbau scheitert in der DDR an fehlenden Mitteln. Ein weiterer Grund: Nach dem Bau der Mauer 1961 wird vom Regime befürchtet, dass Usedom von DDR-Bürgern als Fluchtweg genutzt werden könnte.

Länger als das Original

Knapp sechs Jahre nach dem Fall der Mauer ist es schließlich soweit: Rund 50 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt wird die neue Konstruktion aus Glas und Stahl gebaut - 50 Meter länger als das Original.

Die Brücke steht nun auf Stahlpfeilern, die sechs Meter tief in den Meeresboden gerammt und mit Sand befüllt wurden. Sie hält auch der Sturmflut im Herbst 1995 stand.

Infrastruktur angedockt

An der Landseite beginnt die Brücke mit einem Gebäudekomplex: Geschäfte, Lokale, ein Kino, ein Museum und Ferienwohnungen. Auf der Mittelplattform gibt es weitere Läden.

Am Brückenkopf befindet sich ein Restaurant mit einem pyramidenförmigen Dach. Der hölzerne Steg dorthin ist überdacht. Transparente Wände sorgen für Schutz vor Seitenwinden. Die letzten Meter der Brücke führen zum Anleger, an dem Ausflugsschiffe festmachen können.

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