25. August 1984 - Todestag von Truman Capote

Truman Capote mit der Schauspielerin Geraldine Chaplin 1968 bei den Filmfestspielen in Cannes

25. August 1984 - Todestag von Truman Capote

1959 liest der Schriftsteller Truman Capote einen Bericht über den vierfachen Mord an einer Familie auf einer Farm in Kansas in der Zeitung. Mehrere Monate lang fragt er jeden auch nur annähernd Beteiligten über die Tathergänge. Stundenlang redet er mit den Killern, immer wieder. Zu dem verhafteten Perry Smith baut er ein persönliches Verhältnis auf. Und wünscht ihm doch die Todesstrafe: Immerhin soll die Hinrichtung der Mörder sein Buch beenden.

"Meinen jetzigen Versuch nenne ich Tatsachenroman, ein literarisches Genre, das aus der Synthese zwischen Journalismus und Romantechnik entstanden ist", wird er später sagen. Gemeint ist der Roman "Kaltblütig", dessen Erscheinen ihn 1966 zum berühmtesten Schriftsteller der USA werden lässt. Und der Capotes Arbeitsmotto perfekt umsetzt: "Um gut schreiben zu können, muss man etwas Kühleres in den Adern haben als Blut."

Truman Capote, US-Schriftsteller (Todestag 25.08.1984)

WDR 2 Stichtag 25.08.2019 04:16 Min. Verfügbar bis 22.08.2029 WDR 2

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Schreiben als Sucht

Geboren wird Capote 1924 in New Orleans. Als er vier Jahre alt ist, lassen seine Eltern sich scheiden. Erzogen wird er danach von seinen Tanten in Alabama. Der kleinwüchsige Junge wird oft gehänselt, mehrfach droht ihm der Schulverweis. Das Schreiben bietet ihm Trost und Kraft. "Ich schreibe, seit ich acht Jahre alt bin", wird er sich später erinnern. "Die ersten zwei Jahre nahm ich es nicht ernst. Aber danach wurde es zur Sucht."

Nach der neuerlichen Heirat seiner Mutter geht Capote mit ihr 1934 nach New York. 1940 erscheint sein literarisches Debüt in einer Schülerzeitung, als 18-Jähriger beginnt er beim Magazin "The New Yorker". Capotes viel diskutierter Romanerstling "Andere Stimmen, andere Räume" (1948) macht ihn zu einem der bekanntesten Schriftsteller der USA, auch in Europa.

Gezielte Indiskretionen

Mit "Die Grasharfe" (1951) und dem mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle verfilmten Roman "Frühstück bei Tiffany" (1958) festigt Capote seinen Ruf als brillanter Stilist, der Figuren ebenso einfühlsam und anschaulich zu beschreiben versteht wie Situationen. Der mit Nervenzusammenbrüchen und Drogenkonsum erkaufte Erfolg von "Kaltblütig" macht ihn endgültig zum Millionär und Medienstar. Der Exzentriker und bekennende Homosexuelle wird zu einem der beliebtesten Partygäste der High Society.

Der Absturz kommt 1975 mit der Vorveröffentlichung eines Kapitels aus dem mit Indiskretionen gespickten Gesellschaftsroman "Erhörte Gebete" im Magazin "Esquire". Mit dem nie vollendeten Buch begeht Capote gesellschaftlichen Selbstmord. Es hagelt vernichtende Kritiken, das umjubelte Wunderkind wird zum versoffenen Wrack. Truman Capote stirbt am 25. August 1984 an einer Überdosis Schlaftabletten in Los Angeles.

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Stand: 25.08.2019, 00:00