23. März 1992 - Friedrich August von Hayek stirbt in Freiburg

Friedrich August von Hayek

23. März 1992 - Friedrich August von Hayek stirbt in Freiburg

Als am 9. November 1989 die Berliner Mauer fällt, sitzt Friedrich August von Hayek gerührt vor dem Fernseher. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat der Wirtschaftswissenschaftler gegen Planwirtschaft und Kollektivismus gekämpft. Nun gibt ihm der Zusammenbruch des Sozialismus vor den Augen der Weltöffentlichkeit anscheinend recht: Die freien Märkte haben sozialistische Ideale besiegt, staatliche Eingriffe in die Wirtschaft sind offenbar Teufelszeug.

So hat es Hayek sein gesamtes Forscherleben anhand von volkswirtschaftlichen Modellen dargestellt. In einem freien Markt spiegelt demnach der Preis sämtliche Informationen und sorgt dafür, dass Produktionsfaktoren optimal eingesetzt werden. Greift der Staat in diesen Prozess ein oder will gar die Wirtschaft planen, kann das nur falsch sein – eine "Anmaßung des Wissens", wie Hayek es nennt. Zusammen mit dem US-Amerikaner Milton Friedman liefert er die ideologischen Grundlagen für den "Neoliberalismus", der seit nunmehr 40 Jahren die Weltwirtschaft prägt.

Berühmter Vertreter der Österreichischen Schule

Geboren wird Friedrich von Hayek am 8. Mai 1899 in eine großbürgerliche Wiener Akademiker-Familie hinein. Am Ende des Ersten Weltkriegs muss er als Artillerieoffizier an der italienischen Front kämpfen. Danach studiert er zunächst Jura, dann Wirtschaft und Psychologie. Der junge Hayek ist noch von linken Idealen inspiriert: "Aber ich habe die menschliche Vernunft überschätzt – wie die meisten", sagt er später.

Als Hayek die Seminare des Nationalökonomen Ludwig von Mises besucht, ändert sich seine Einstellung fundamental. Von Mises sieht in Sozialismus und Staatsplanung das Ende aller individuellen Freiheit und will den klassischen Wirtschaftsliberalismus neu begründen. Mises und sein Musterschüler Hayek werden die wichtigsten Vertreter der sogenannten "Österreichischen Schule" und der Lehre vom größten möglichen Wohlstand durch freie Märkte - ohne staatliche Regulierung und Stimulation.

Nach Keynes kommen die Wirtschaftsliberalen

Damit stellt sich Hayek gegen die seinerzeit vorherrschende Meinung, dass Märkte tendenziell instabil und deshalb staatliche Konjunkturprogramme dringend nötig sind. Das ist jedenfalls die Lehre, die der britische Ökonom John Maynard Keynes aus dem Wirtschafts-Desaster von 1929 zieht und von westeuropäischen Regierungen bis 1975 sehr erfolgreich umgesetzt wird.

Hayeks Stunde kommt, als der Keynesianismus in den 70er Jahren in die Krise gerät: Die Inflation kehrt zurück, es gibt Konsumsättigung und den "Ölschock". Staatliche Stimulierung sei nur kurzfristig erfolgreich, langfristig führe sie zu höherer Arbeitslosigkeit plus Inflation, erklären die Wirtschaftsliberalen und fordern deshalb, dass sich der Staat aus der Wirtschaft heraushalten soll.

Wirtschaftsnobelpreis für liberale Theorien

Für seine Analysen erhält Hayek 1974 den Wirtschafts-Nobelpreis zusammen mit dem eher links stehenden Gunnar Myrdal. Damit unterstreicht das Nobelpreiskomitee, dass man Hayeks wissenschaftliche Leistung unabhängig von seinen politischen Positionen würdigen will.

Wenige Jahre später setzt Margaret Thatcher in Großbritannien erstmals in einem Industrieland seine Theorien in Politik um. Der über 80-jährige Hayek wird ihr wichtigster Berater. Dann begeistert sich Ronald Reagan für die liberale Wirtschaftspolitik: Privatisierung, Liberalisierung und Deregulierung stehen fortan auf der Agenda vieler Industrieländer.

Friedrich August von Hayek stirbt am 23. März 1992 wenige Wochen vor seinem 93. Geburtstag in Freiburg. Die Folgen seiner neoliberalen Lehren - wie beispielsweise die große Finanzkrise von 2008 und die wachsende soziale Spaltung - erlebt er nicht mehr.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 23. März 2017 ebenfalls an Friedrich August von Hayek. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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