29. August 1868 - Ozon-Entdecker Christian Friedrich Schönbein stirbt

Christian Friedrich Schönbein, Porträt-Gemälde

29. August 1868 - Ozon-Entdecker Christian Friedrich Schönbein stirbt

Diesen eigenartig stechenden Geruch, der bei Zerlegung von Wasser durch elektrischen Strom entsteht, haben Chemiker vor ihm bereits bemerkt. Christian Friedrich Schönbein aber erforscht als Erster die Ursache und entdeckt so 1839 ein aus drei Sauerstoffatomen bestehendes Gas. Er nennt es Ozon – nach dem griechischen Wort für "das Riechende".

Schönbein ist überzeugt, dass Ozon "im Haushalt der belebten wie unbelebten Natur eine große und jetzt noch ungeahnte Rolle spielt". Die Eigenschaften des Supersauerstoffs zu entschlüsseln gelingt ihm jedoch nicht. Zu Lebzeiten berühmt wird er dafür als Erfinder der Schießbaumwolle, auf deren Grundlage die erste Kunstfaser, das Zelluloid und das Dynamit entstehen.

Christian F. Schönbein, Ozon-Entdecker (Todestag 29.08.1868)

WDR 2 Stichtag 29.08.2018 04:15 Min. Verfügbar bis 26.08.2028 WDR 2


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Tod durch Milzbrand

Der 1799 geborene Färbersohn fällt schon in der Volksschule als Forschertalent auf. Mit 21 Jahren leitet Schönbein bereits ein Chemiewerk in Erlangen; zehn Jahre später lehrt er an der Universität Basel. Den Doktortitel der Chemie verleiht man ihm, ohne eine Dissertation zu verlangen. 1835 wird er in Basel zum ordentlichen Professor für Physik und Chemie berufen.

In 30 Jahren Forschung versucht Schönbein, die Geheimnisse des Ozons zu entschlüsseln. Er entwickelt Messprogramme, findet geringe Mengen des Gases in unserer Atemluft und sucht nach industriellen Anwendungsmöglichkeiten.

Doch der lebensnotwendigen Bedeutung des Ozons kommt er ebenso wenig auf die Spur wie den gesundheitsschädlichen Wirkungen. 68-jährig infiziert sich Christian Friedrich Schönbein mit Milzbrand und stirbt am 29. August 1868 in Baden-Baden. Erst 45 Jahre später weist Charles Fabry nach, dass eine dünne Ozonschicht die Erde vor der starken UV-Strahlung der Sonne schützt.  

Entdeckung des Ozonlochs

Das Ozonloch über der Antarktis am 09.06.2013 auf einer Computergrafik.

Ozonloch über der Antarktis im Juni 2013 (Computergrafik)

In den 1930er-Jahren kommen dann Kühlschränke auf den Markt, die als Kühlmittel Fluorkohlenwasserstoffe enthalten. Bald gelangt dieses FCKW auch als Treibmittel in Millionen von Spraydosen in die Atmosphäre. Es gilt als unschädlich, bis der US-Chemiker Sherwood Roland 1974 nachweist: Fluorkohlenwasserstoffe zerstören die Ozonschicht.

Elf Monate später erlassen die Vereinigten Staaten als Erste ein Verbot von FCKW. Zu diesem Zeitpunkt misst der britische Wissenschaftler Joe Farmen bereits seit 20 Jahren die Dicke der Ozonschicht über der Antarktis. Die Werte bleiben konstant, bis sie sich in den 80er-Jahren plötzlich rasant vermindern. Farmens Entdeckung des Ozonlochs führt 1987 zur Verabschiedung des Montrealer Protokolls mit der globalen Ächtung ozonschädlicher Stoffe.

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Stand: 29.08.2018, 00:00