23. Mai 1618 - Zweiter Prager Fenstersturz

Beim Prager Fenstersturz werden katholische Statthalter von Protestanten aus dem Fenster geworfen

23. Mai 1618 - Zweiter Prager Fenstersturz

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts steckt die Katholische Kirche in der Krise. Die Reformation hat ihr zugesetzt. Mit einer Gegenreformation will sie wieder die Oberhand gewinnen - auch in Böhmen, das damals zu Österreich gehört. Der böhmische König Ferdinand II. ist ein katholischer Heißsporn. Seine Statthalter piesacken die böhmischen Protestanten, wo sie können, zum Beispiel mit einer Sondersteuer für Nicht-Katholiken.

Am 23. Mai 1618 rebellieren die Protestanten: Als Ersten werfen sie Statthalter Jaroslav Bořita Graf von Martinitz aus dem Fenster der Prager Burg. Ein weiterer Statthalter und ein Sekretär folgen. Alle drei Katholiken überleben und können fliehen. Angeblich hat die Gottesmutter Maria die Stürzenden mit ihrem Mantel aufgefangen. Vielleicht war aber auch der Misthaufen im Burggraben lebensrettend.

Der Prager Fenstersturz (am 23.05.1618)

WDR 2 Stichtag 23.05.2018 04:08 Min. Verfügbar bis 20.05.2028 WDR 2

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Beginn des 30-jährigen Krieges

Das katholische Lager spricht von einem Wunder und zieht mit den Schlachtrufen "Sancta Maria" und "Jesus Maria" in den Kampf. Der 30-jährige Krieg beginnt. Es geht nicht nur um Religion, sondern auch um Macht: auf der einen Seite der katholische Kaiser und die katholischen Bayern, auf der anderen Seite die evangelischen Fürsten.

In der deutschen Phase des Krieges siegen die Katholiken zwölf Jahre lang unentwegt. Feldherr Johann T'Serclaes von Tilly will die protestantischen Niederlande erobern. Sein Kollege und Kriegsunternehmer Albrecht von Wallenstein breitet sich an der Ostsee aus und provoziert damit Schwedenkönig Gustav II. Adolf, einen Lutheraner. 1630 landet daraufhin der selbst ernannte "Löwe aus Mitternacht" auf Usedom und marschiert von Sieg zu Sieg bis vor München.

Komplizierte Friedensverhandlungen

Nach zwei Jahren fällt Gustav Adolf bei Lützen. Doch die internationale Phase des Krieges geht weiter. Frankreich mischt nun direkt mit - und es wird unübersichtlich: Der katholische Franzosenkönig kämpft gegen den katholischen Kaiser. Es geht nun auch um die Dominanz in Europa.

Umso komplizierter werden die Friedensverhandlungen. Drei Jahre lang verhandeln die Kriegsparteien in Münster und Osnabrück. Ergebnis ist der erste Verhandlungsfrieden überhaupt. Der sogenannte Westfälische Frieden ist detailliert, ausgewogen und deshalb von Dauer: Alle können damit leben. Es ist eine Friedensordnung, die 150 Jahre lang einigermaßen hält. Bis Napoleon sie hinwegfegt.

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Stand: 23.05.2018, 00:00