8. Mai 1945 - Nazi-Deutschland kapituliert

Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet am 8. Mai 1945 im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst die Kapitulation Deutschlands

8. Mai 1945 - Nazi-Deutschland kapituliert

Als sich am 30. April 1945 Adolf Hitler umbringt, sind die Tage des NS-Regimes endgültig gezählt. Deutschland hat den angezettelten Zweiten Weltkrieg verloren. Doch noch ist unklar, wie es weitergeht. "Leute laufen betreten durch die Straßen", notiert Erich Kästner in seinem Tagebuch. "Die Lücke zwischen dem Nichtmehr und dem Nochnicht irritiert sie."

Nach einer Woche herrscht Gewissheit: Am 7. Mai 1945 setzt Generaloberst Alfred Jodl im US-Hauptquartier in Reims seine Unterschrift unter die Kapitulationsurkunde des Deutschen Reiches. Am 8. Mai 1945 wird die Zeremonie - auf Druck von Stalin - wiederholt: Im sowjetischen Hauptquartier in Berlin unterschreibt Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel.

"Herren ausgewechselt"

Die Besatzungsmächte sind überrascht, wie kooperativ, geradezu untertänig sich die Mehrheit der Deutschen verhält. Keine jahrelangen Partisanenkämpfe, kaum Aktionen von "Werwölfen".

"Die Deutschen hatten einfach nur ihre Herren ausgewechselt", sagt Kulturwissenschaftler Harald Jähner. "Das war vorher die Nazi-Elite. Das waren nun die Alliierten."

Selbstmitleid und Opferhaltung

Sechs Millionen ermordete Juden, 60 bis 70 Millionen Kriegstote insgesamt: Doch Trauer kommt im Gefühlshaushalt der Nachkriegsdeutschen kaum vor. Stattdessen gibt es Selbstmitleid und Opferstilisierung.

"Wir sind jetzt unseren Gegnern so ausgeliefert, wie es wohl noch kein Volk dieser Erde in den letzten Jahrhunderten erlebt hat", notiert ein Schulleiter aus der Nähe von Hannover im Mai 1945 in seinem Tagebuch.

Kapitulation von Nazi-Deutschland (am 08.05.1945)

WDR 2 Stichtag 08.05.2020 04:17 Min. Verfügbar bis 06.05.2030 WDR 2

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Gewaltiges Durcheinander

Tatsächlich herrschen Hunger, Obdachlosigkeit, Krankheit, Tod - und ein gewaltiges Durcheinander: neun Millionen Ausgebombte und Evakuierte, 14 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, zehn Millionen entlassene Häftlinge und Zwangsarbeiter, Millionen heimkehrende Wehrmachtssoldaten.

Und es gibt eine Menge zu tun. Ein Viertel des gesamten deutschen Wohnbestandes ist zerstört. 500 Millionen Kubikmeter Schutt müssen beseitigt werden. Allein die Berliner Trümmer würden zu einem Wall aufgeschüttet - fünf Meter hoch und 30 Meter breit - bis nach Köln reichen.

"Moralische Katastrophe"

Dass die Verantwortung bei ihnen selbst liegen könnte, kommt den meisten Deutschen nicht in den Sinn. "Sie haben alle Proportionen verloren für Schuld- und Opferverhältnisse", sagt Publizist Jähner.

"Die wirklichen Opfer", so Jähner, "fielen aus dem Horizont, aus der Vorstellung, vollkommen hinaus." Das Verhalten der Deutschen damals sei "eine moralische Katastrophe" gewesen.

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Stand: 08.05.2020, 00:00