30. April 1945 - Adolf Hitler und Eva Braun bringen sich um

Adolf Hitler mit seiner Lebensgefährtin Eva Braun beim Essen (undatierte Aufnahme)

Stichtag

30. April 1945 - Adolf Hitler und Eva Braun bringen sich um

Zwei Tage nach seinem 56. Geburtstag gesteht sich Reichskanzler Adolf Hitler die aussichtslose Lage ein: Die Rote Armee steht in den Vororten Berlins. "Der Krieg ist verloren", ruft er am 22. April 1945 bei einer Lagebesprechung im "Führerbunker". Sechs Tage später schlagen die ersten russischen Granaten in der Nähe der Reichskanzlei ein. In der Nacht zum 29. April fällt Hitlers Entscheidung, sich umzubringen. Er heiratet seine langjährige Freundin Eva Braun und diktiert zwei Testamente - ein persönliches und ein politisches: Großadmiral Karl Dönitz soll ihn als Reichspräsident ersetzen, Propaganda-Minister Joseph Goebbels ist als Reichskanzler vorgesehen.

In Hitlers persönlichem Testament heißt es: "Ich selbst und meine Gattin wählen, um der Schande des Absetzens oder der Kapitulation zu entgehen, den Tod." Am 30. April bringen sich die beiden um: Sie nimmt Gift, er steckt sich ebenfalls eine Kapsel in den Mund und schießt sich zusätzlich in den Kopf.

"Braun war kein Opfer"

Ihre Leichen werden im Garten der Reichskanzlei verbrannt - auf gemeinsamen Wunsch. "Eva Braun war kein Opfer", sagt Historikerin Heike Görtemaker. "Sie war keine tragische Hörige, sie war Hitlers Komplizin." In ihrer Braun-Biographie widerspricht Görtemaker der Ansicht, Braun sei die naive Geliebte Hitlers gewesen: "Sie wollte in die Geschichte eingehen. Sie starb in dem Bewusstsein, einen Heldentod gestorben zu sein."

Kennen gelernt hat Braun den Nazi-Führer schon 1929. Sie arbeitet als 17-Jährige in München bei Heinrich Hoffmann, dem Leibfotografen Hitlers. Im Laden fällt ihr ein 22 Jahre älterer Kunde mit einem Schnauzer auf. Hitler ist offenbar sofort von ihr fasziniert. 1932, als Hitler um die Macht pokert, fühlt sich Braun von ihm allerdings vernachlässigt - und zwingt ihn mit einem Selbstmordversuch zu mehr Aufmerksamkeit. Drei Jahre später ist ihr Adolf wieder mit der großen Politik beschäftigt - erneut zwingt sie ihn durch einen Suizidversuch zu mehr Nähe. Diesmal ist die Wirkung noch größer als beim ersten Mal. "Sie hat sich ihren Platz an seiner Seite erkämpft", so Görtemaker.

"Hitler war zurechnungsfähig"

Braun mischt sich nicht in politische Fragen ein. Aber als Fotografin und Filmerin hat sie ein begehrtes Motiv vor der Linse: Hitler privat. "Sie strickte mit am privaten Führerbild, das den Volksgenossen Hitler näher bringen sollte", sagt Görtemaker. "Sie war ein Machtfaktor. Persönliche Annäherungen an Hitler liefen über Eva Braun."

Auch Hitler weiß, was er tut: "Wir haben nicht ein einziges Medikament gefunden, von dem Hitler nach unseren Auswertungen abhängig gewesen ist", sagt Mediziner Hans-Joachim Neumann, der die Aufzeichnungen von Hitlers Leibarzt anaylsiert hat. Hitler sei weder verrückt noch krank noch drogenabhängig gewesen. "Hitler war zurechnungsfähig", sagt Neumann. Für ihn gebe es keine mildernden Umstände. "Die Dämonsierung Hitlers bis heute hilft uns nicht weiter", sagt Görtemaker. "Sie verhindert, dass man die wahre Natur der nationalsozialistischen Diktatur versteht." Er sei kein Monster von einem anderen Stern gewesen, sondern ein Spiegel der damaligen deutschen Mehrheits-Gesellschaft, so Görtemaker: "Er war derjenige, der den Zeitgeist verkörperte."

Stand: 30.04.10