16. April 1927 - Joseph Ratzinger wird geboren

Joseph Ratzinger, Papst Benedikt XVI. (Aufnahme von 2005)

16. April 1927 - Joseph Ratzinger wird geboren

Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. geht in die Kirchengeschichte ein - nicht weil sein Pontifikat so außergewöhnlich war, sondern weil er es zu seinen Lebzeiten freiwillig beendet hat. Das ist nicht üblich im Vatikan. Doch Ratzinger hat seinen eigenen Kopf: "Die Wurzeln bleiben, und ich bin natürlich ein Bayer geblieben, auch als Bischof von Rom."

Geboren wird Joseph Alois Ratzinger am 16. April 1927 in Marktl am Inn in der Diözese Passau als drittes Kind einer katholischen Familie. Sein Vater Joseph ist Kommandant der Gendarmeriestation: "Von ihm haben wir einen nüchternen und zugleich sehr tiefen und ernsthaften Glauben gelernt." Seine Mutter Maria ist die Tochter eines Südtiroler Bäckermeisters: "Sie hat das Ganze eher mit der Intuition des Herzens erfasst."

Vom Flakhelfer zum Theologieprofessor

Als Kind spielt Ratzinger mit Umhängen aus der Verkleidungskiste die Heilige Messe nach. Er werde Kardinal, prophezeit er. Von 1939 an besucht er das erzbischöfliche Studienseminar St. Michael in Traunstein. Als Musterschüler erhält er den Spitznamen "Bücherratz". Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wird er zunächst als Flakhelfer eingesetzt und am Schluss zur Wehrmacht eingezogen. Nach kurzer US-Kriegsgefangenschaft wird er im Juni 1945 entlassen und legt das Abitur ab.

Ab 1946 studiert Ratzinger Philosophie und Katholische Theologie in Freising und München. 1951 wird er zum Priester geweiht und legt bereits zwei Jahre später seine Doktorarbeit vor. Ab 1958 ist er an verschiedenen Universitäten als Professor tätig.

Reformfreudiger Redenschreiber

Der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings wird auf Ratzinger aufmerksam und macht ihn zu seinem Berater. Für diesen schreibt der damals reformfreudige Theologe aufsehenerregende Reden, in denen der alte Kardinal gegen den Allmachtsanspruch der Römischen Kurie wettert.

Ratzingers Karriere geht steil weiter: Im März 1977 beruft ihn Papst Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising und wenig später zum Kardinal. Im November 1981 ernennt ihn Johannes Paul II. zum Chef der Glaubenskongregation, der höchsten Instanz für die Interpretation der katholischen Lehre.

Konservativer Papst

Aus Ratzinger wird ein konservativer Bewahrer. Er lehnt Abtreibungsgesetze, Feminismus, Frauenpriestertum und gleichgeschlechtliche Ehen ab. Vertretern der "Theologie der Befreiung" entzieht er die Lehrerlaubnis.

Ratzingers Kurs führt ihn letztlich auf den Stuhl Petri. Nach dem Tod von Johannes Paul II. im April 2005 wird er als Benedikt XVI. zum 265. Papst gewählt. Seine erste Auslandreise führt ihn im selben Jahr nach Deutschland, wo er am Kölner Weltjugendtag teilnimmt. An seinem traditionellen katholischen Familienbild hält Benedikt XVI. weiterhin fest. Zwar billigt er angesichts der Aids-Epidemie erstmals den Gebrauch von Kondomen in Ausnahmefällen, hält aber Empfängnisverhütung nach wie vor für unzulässig.

Souveräner Rücktritt

Für weltweite Kritik sorgt 2009 die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft - nachdem kurz vorher einer von ihnen den Holocaust geleugnet hat. Der Vatikan distanziert sich von den Aussagen, diese seien ihm vorher nicht bekannt gewesen.

Im Februar 2013 legt Benedikt XVI. sein Amt aus Alters- und Gesundheitsgründen nieder. Der ungewöhnliche Schritt - zuletzt hatte 1294 Papst Coelestin V. freiwillig auf sein Amt verzichtet - wird als Akt der Souveränität gewertet. Der "emeritierte Papst" zieht sich in ein Kloster auf dem Vatikangelände zurück.

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Stand: 16.04.2017, 00:00