20. Februar 1946 - Grubenunglück im Schacht Grimberg in Bergkamen

Denkmal in Bergkamen erinnert an Grubenunglück im Schacht Grimberg 1946 (Aufnahme von 2016)

20. Februar 1946 - Grubenunglück im Schacht Grimberg in Bergkamen

20. Februar 1946, nördliches Ruhrgebiet, "Schacht Grimberg 3/4" in Bergkamen: "Um 12 Uhr, da gab es einen furchtbaren Knall, und wir sind alle umgefallen", erinnert sich Elektrohauer Emil Gröne. "Dann kam ich zu mir und hab überlegt: Wo bin ich?"

900 Meter tief unter der Erde herrscht Chaos. Die Überlebenden versuchen, sich zu retten. "Ich habe gesehen, wie viele röchelten. Und haben noch um Hilfe geschrien", erzählt Werner Schmidt. "Aber wir konnten die nicht mitnehmen. Man musste sich ja bewegen können."

Grubenunglück bei Bergkamen (am 20.02.1946)

WDR 2 Stichtag 20.02.2021 04:16 Min. Verfügbar bis 18.02.2031 WDR 2


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Eine Reihe von Explosionen

Von den 466 Kumpeln der Frühschicht überleben nur 64. Insgesamt sterben 405 Menschen beim schwersten Grubenunglück das es in Deutschland je gegeben hat. Darunter sind auch drei britische Offiziere der "North German Coal Control" (NGCC), dem Kontrollorgan über den Bergbau in der Britischen Besatzungszone.

Der Auslöser der Grimberg-Katastrophe kann nicht abschließend ermittelt werden. Sicher ist: Ein Funke unter Tage entzündet ein Luft-Methangas-Gemisch. Die Schlagwetter-Explosion löst eine Kette von Kohlenstaub-Explosionen aus. Deren Druck- und Feuerwelle ist so groß, dass selbst über Tage Hallen zusammenbrechen.

Bereits 1944 über 100 Tote bei Grubenunglück

Das Steinkohlebergwerk Grimberg ist für zwei Dinge bekannt. Zum einen tritt dort besonders viel leicht entzündliches Methangas aus. Zum anderen ist die Kohle weich und bildet viel Kohlenstaub.

Eine gefährliche Mischung, wie sich schon 1944 zeigt. Damals sterben im gleichen Schacht nach einer Explosion 107 Bergleute - überwiegend russische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.

Anlage geflutet

Nach der Katastrophe von 1946 und der Rettung der letzten Überlebenden wird die Anlage geflutet, um die Brände zu löschen. Erst im Sommer 1952 wird ein neuer Schacht gebaut.

Die Unglückssohle wird allerdings nicht wieder in Betrieb genommen. 1996 werden die Schächte 3 und 4 endgültig abgebrochen.

Verbesserte Schutzausrüstung

Als Konsequenz aus dem Grubenunglück wird der Schutz der Bergleute vor Kohlenmonoxid verbessert. Es gibt 1946 zwar bereits sogenannte Filter-Selbstretter, die aus einem Tragebehälter mit Filter, einem Mundstück und einer Nasenklemme bestehen. Sie gehören aber nicht zur Schutzausrüstung.

Der Grund: Damals sind solche Geräte nicht nur schwer, sondern auch kompliziert in der Handhabung. Bald werden verbesserte Filter-Selbstretter jedoch zur Pflicht. Doch schon Ende der 1950er ebbt der Boom der Steinkohle ab. Im Dezember 2018 wird ihre Förderung in Deutschland schließlich ganz eingestellt.

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Stand: 20.02.2021, 00:00