27. September 1719 - Tod des Amerika-Auswanderers Franz Daniel Pastorius

Schild "Welcome to GERMANTOWN" in Philadelphia, USA

27. September 1719 - Tod des Amerika-Auswanderers Franz Daniel Pastorius

Drei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs sind ganze Landstriche verwüstet und entvölkert. Hunger, Seuchen und marodierende Soldaten haben die Menschen dahingerafft; der Krieg der Religionen hat das Reich tief gespalten. In dieser verrohten Zeit kommt Franz Daniel Pastorius 1651 im fränkischen Sommershausen zur Welt.

Auswanderer-Pionier Franz Daniel Pastorius (Todestag 27.091719)

WDR 2 Stichtag 27.09.2019 04:08 Min. Verfügbar bis 24.09.2029 WDR 2

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Der Sohn eines gräflichen Rats studiert an mehreren Universitäten Sprachen, Philosophie und promoviert zum Juristen. In Begleitung eines jungen Adligen geht Pastorius auf eine Bildungsreise durch Europa. "Danach", sagt der Bamberger Historiker Mark Häberlein, "hätte ihm eigentlich eine glänzende Karriere bevorgestanden."

Die Gründung von Germantown

Doch Pastorius verabscheut Luxus und Privilegien. Im Auftrag radikaler Pietisten in Frankfurt verlässt er Anfang 1683 seine Heimat und wandert als erster Deutscher nach Amerika aus. Auf einem Stück Land, das ihm der Quäker William Penn, der Gründer Pennsylvanias, überlässt, soll er die Gründung einer streng lutherischen Gemeinde vorbereiten.

In der Wildnis nahe der Stadt Philadelphia baut sich Pastorius eine schlichte Hütte und erwartet seine Auftraggeber. Doch die Frankfurter, die in der Neuen Welt ein Leben in stiller, gottgefälliger Eintracht führen wollten, kommen nicht. "Wahrscheinlich scheuten sie dann doch das Risiko und überlegten es sich anders", so der Historiker Häberlin.

Das Foto von 1983 zeigt das Rathaus in der Germantown Avenue in Philadelphia, durch die gerade eine Straßenbahn fährt.

Historisches Germantown-Rathaus in Philadelphia

Stattdessen nimmt Franz Daniel Pastorius 13 Familien aus Krefeld in Empfang, allesamt verfolgte Quäker und Mennoniten. Ende 1683 gründen sie Germantown, die erste Kolonie deutscher Auswanderer in den späteren Vereinigten Staaten. Pastorius amtiert als Bürgermeister, Notar, Friedensrichter und Lehrer in einer Person.

Protest gegen die Sklaverei

Den ersten Winter müssen die Siedler noch in Erdlöchern hausen. Doch unter Pastorius' Leitung wächst und gedeiht Germantown schnell. In einem Brief an seinen Vater berichtet er von reiner Luft, fischreichen Strömen, dem fruchtbaren Grund und den Indianern, "gutherzige, redliche Leute, die dereinst an dem großen Gerichtstag auftreten werden, um die falschen Maul-Christen zu beschämen."

1688 verfassen Pastorius und drei weitere Quäker von Germantown den ersten Protest gegen die Sklaverei in Nordamerika: "Wir erheben uns dagegen, Menschen wider ihren Willen hierherzubringen oder sie zu rauben und zu verkaufen!" Am 27. September 1719 stirbt Franz Daniel Pastorius. Denkmäler in Philadelphia und im Kapitol in Washington erinnern noch heute an den ersten "Pilgrim Father" aus Deutschland.

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Stand: 27.09.2019, 00:00