17. Juli 1946 - Entstehung des Landes Nordrhein-Westfalen

Die Fahne des Landes NRW mit dem Landeswappen

17. Juli 1946 - Entstehung des Landes Nordrhein-Westfalen

Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Das Land ist besetzt und zerstört. Der Kampf ums Überleben bestimmt den Alltag der Bevölkerung. Bis vor Kurzem haben die Deutschen noch auf Kosten der besetzten Gebiete "leidlich gut gelebt", schreibt Geschichtsprofessor Christoph Nonn von der Universität Düsseldorf in seinem Buch "Geschichte Nordrhein-Westfalens": "Nun erfuhren sie am eigenen Leib die existenzielle Not, in die der von Deutschland entfesselte Krieg und die deutsche Ausbeutungspolitik den Großteil des Kontinents schon früher gestürzt hatten." Auch im Rheinland und in Westfalen fehlen Nahrung und Wohnraum.

Die Versorgungslage in Deutschland beeinflusst eine Konferenz der Alliierten in Paris, die zwischen April und Juli 1946 stattfindet. Dort beraten die Außenminister von Frankreich, Großbritannien, der USA und der Sowjetunion über ihre zukünftige Politik als Besatzungsmächte. Ein Streitpunkt ist das Ruhrgebiet, das in der britischen Besatzungszone liegt. Die Franzosen wollen es von Deutschland abtrennen, um ihren "alten" Erzfeind zu schwächen. Die Sowjets wiederum fordern eine Beteiligung an der Kontrolle des Ruhrgebiets. Gleichzeitig weigert sich Stalin, Nahrungsmittel aus dem Osten in die Westzonen zu liefern. Deshalb sind die Briten froh, als die Amerikaner ihnen wirtschaftliche Unterstützung zusagen.

Ohne Zustimmung deutscher Stellen

London kann nun unabhängig von Wünschen Frankreichs und der Sowjetunion entscheiden. Das Ergebnis: Am 17. Juli 1946 lässt der britische Oberbefehlshaber Sholto Douglas bei einer Pressekonferenz in Berlin bekannt geben, dass die ehemaligen preußischen Provinzen Nordrhein und Westfalen zu einem neuen Land zusammengelegt werden. "Die Entstehung des neuen Landes geschah also durch eine Anordnung der Militärregierung - ohne Betreiben und ohne Zustimmung deutscher Stellen", sagt später Rudolf Amelunxen, der am 24. Juli 1946 von den Briten zum ersten Ministerpräsidenten ernannt wird. Er ist zu diesem Zeitpunkt parteiloser westfälischer Oberpräsident und für die deutsche Zivilverwaltung in der Region zuständig. In der Weimarer Republik war er Regierungspräsident in Münster und anschließend von den Nazis in den Ruhestand versetzt worden.

Erst nachdem die Entscheidung intern gefallen ist, haben die Briten die Deutschen über die "Operation Marriage" informiert. Zwei Tage vor der Pressekonferenz werden Konrad Adenauer (CDU) und Kurt Schumacher (SPD) in Kenntnis gesetzt. "Die CDU war damit zufrieden, die SPD war strikt dagegen, das Ruhrgebiet um diese ländlichen Teile von Westfalen und des Rheinlandes zu erweitern, weil sie damit keine Mehrheit in dem neuen Land hatte", sagt der Düsseldorfer Historiker Jan Niko Kirschbaum. Doch die Briten lassen sich nicht beirren: Mit der Verordnung Nummer 46 vom 23. August 1946 wird die Auflösung der preußischen Provinzen und die Gründung von Nordrhein-Westfalen rechtskräftig.

Lippe als dritter Landesteil

Die Briten wählen auch aus, wer in Amelunxens Kabinett vertreten ist und wer ab dem 2. Oktober 1946 im ersten Landtag sitzt. "Die Briten bestimmen die Abgeordneten, jeweils 100 für Rheinland und 100 für Westfalen, nach einem Parteiproporz, den sie selber bestimmen", sagt Kirschbaum. Es gehen 71 Sitze an die SPD, 66 an die CDU, 34 an die KPD, 18 an das Zentrum, neun an die FDP und zwei an unabhängige Vertreter. "Erst nach den Kommunalwahlen findet auch im Landtag eine Umbildung statt, die die wahren Machtverhältnisse wiedergibt."

Ungefähr ein halbes Jahr nach der Gründung des neuen Landes wird es im Januar 1947 noch ein wenig größer: Die Briten beschließen, dass als dritter Landesteil auch Lippe zu Nordrhein-Westfalen gehören soll. Im April 1947 dürfen die Bürger zum ersten Mal selbst entscheiden, wer sie im Landtag vertreten soll. Damit bestimmen sie auch über die Regierung: Der neue Ministerpräsident heißt Karl Arnold (CDU).

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