7. März 1965 - "Bloody Sunday" in Alabama

Der Protestmarsch von Selma nach Montgomery überquert - zusammen mit Martin Luther King - am 21.03.1965 die Edmund-Pettus-Brücke

7. März 1965 - "Bloody Sunday" in Alabama

Rassismus und Gewalt gegen Afro-Amerikaner sind in den USA weit verbreitet. "Es ist immer das gleiche Muster", sagt Barbara Combs, Professorin für Soziologie und Strafrechtspflege an der Clark-Universität in Atlanta. Es gebe "eine lange Geschichte der Unterdrückung".

Dagegen wird schon lange gekämpft. 1964 erreicht die Bürgerrechtsbewegung, dass die Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder Herkunft in öffentlichen Einrichtungen verboten wird.

Wahlrecht verweigert

Trotzdem wird vielen Afro-Amerikanern weiterhin das Wahlrecht verweigert - zum Beispiel durch Wahlsteuern oder durch Lese- und Schreibtests. Das geschieht besonders in den Südstaaten.

Die Bürgerrechtsbewegung startet deshalb in Selma im Bundesstaat Alabama eine Kampagne, um die strenge Wählerregistrierung abzuschaffen. Am 2. Januar 1965 versammeln sich über 700 Menschen. Martin Luther King fordert sie auf: "Wir müssen bereit sein zu marschieren."

Demonstrant stirbt

Die Lage spitzt sich zu, als im benachbarten Marion bei einer Demonstration der Afro-Amerikaner Jimmie Lee Jackson von der Polizei angeschossen wird und wenig später stirbt.

Die Bürgerrechtler organisieren einen Marsch in Alabamas rund 87 Kilometer entfernte Hauptstadt Montgomery. Am 7. März 1965 ziehen etwa 600 von ihnen los. An der Edmund-Pettus-Brücke - benannt nach einem Ku-Klux-Clan-Mitglied - wartet die Polizei auf sie.

Polizei knüppelt

"Dies ist eine unerlaubte Versammlung", sagt Major John Cloud. "Dieser Marsch wird nicht fortgesetzt." Als die Demonstranten niederknien und beten wollen, geschieht das, was in die US-Geschichte eingeht als "Bloody Sunday" von Selma.

Eine Tränengasgranate explodiert, Polizeiknüppel gehen auf Demonstranten-Köpfe nieder, Weiße jubeln am Straßenrand. Der Sender ABC sendet Live-Bilder, der Marsch ist gestoppt.

Der "Bloody Sunday" in Alabama / USA (am 07.03.1965)

WDR 2 Stichtag 07.03.2020 04:15 Min. Verfügbar bis 05.03.2030 WDR 2

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"Voting Rights Act"

Wenig später stellt Präsident Lyndon B. Johnson dem Kongress den "Voting Rights Act" vor. Ein Gesetz, das die Diskriminierung von Afro-Amerikanern an der Wahlurne beenden soll.

Die Bürgerrechtler dürfen schließlich ihren Marsch fortsetzen. Er dauert fünf Tage. Am 25. März 1965 zieht Martin Luther King mit rund 25.000 Demonstranten in Montgomery ein.

Weiter schwere Zeiten

"Wir sind in Bewegung", sagt King. Man könne sie nicht einmal durch das Aufmarschieren von Armeen aufhalten. Er warnt aber auch, dass noch immer schwere Zeiten bevorstünden.

Noch am selben Tag wird Viola Gregg Liuzzo, eine weiße Hausfrau aus Detroit, ermordet - weil sie dabei geholfen hat, Demonstranten aus Montgomery zurück nach Selma zu bringen.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 7. März 2020 ebenfalls an die Bürgerrechtsdemonstration in Alabama. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 07.03.2020, 00:00