6. August 1791 - Das Brandenburger Tor wird eröffnet

Das Brandenburger Tor nach Restaurierung 2002

6. August 1791 - Das Brandenburger Tor wird eröffnet

Anerkennung erntet Carl Gottfried Langhans nicht für sein neues Stadttor an der Straße nach Brandenburg. Der Direktor des Berliner Hofbauamtes habe ohne eigene Inspiration antike Vorbilder nachgeahmt, kritisieren seine Architektenkollegen. König Friedrich Wilhelm II., über die lange Bauzeit von drei Jahren verärgert, lehnt sogar ab, das in seinem Auftrag errichtete Tor zu eröffnen. So bezieht die Stadtwache am 6. August 1791 ganz ohne Glanz und Gloria das noch unfertige Brandenburger Tor. Die Krönung mit der von Johann Gottfried Schadow entworfenen Quadriga erfolgt erst 1793.

In den folgenden 225 Jahren wird das Brandenburger Tor dennoch zum Wahrzeichen Deutschlands und zum Schauplatz der Weltgeschichte. Lange bleibt ungeklärt, ob Friedrich Wilhelm das von ihm selbst konzipierte Bauwerk als Triumph- oder als Friedenstor errichten ließ. Erst 2014 bringt die Historikerin Zitha Pöthe die erstaunliche Wahrheit ans Licht: "Das Brandenburger Tor mit seinem Attika-Relief und der Quadriga symbolisiert die Freundschaft Preußens mit den Niederlanden." Wilhelmine, die Schwester des Königs und Gattin des Erbstatthalters Willem V. von Oranien, spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Preußen verteidigt die Einheit der Niederlande

1787 ist die Lage in den Sieben Vereinten Provinzen der Niederlande explosiv. Die bürgerlichen Patrioten in der mächtigen Provinz Holland wollen mit Frankreichs Hilfe das Erbstatthaltertum stürzen. Als sie den mit Großbritannien verbündeten Willem V. in Holland absetzen und ihm den Zugang zum Regierungssitz Den Haag verwehren, droht ein Bürgerkrieg. Wilhelmine bittet ihren Bruder in Berlin um Unterstützung, doch Friedrich Wilhelm zögert. Mit einer gezielten Provokation verschafft Wilhelmine dem Preußen-König einen Grund zur Intervention. Scheinbar spontan reist sie nach Den Haag, wo sie wie von ihr beabsichtigt von den Patriotten kurzzeitig in Arrest genommen und gedemütigt wird.

Nun setzt Friedrich Wilhelm zur Ehrenrettung seiner Schwester 20.000 Soldaten in Marsch und lässt Holland im Handstreich besetzen. Willem V. kann nach Den Haag zurückkehren, die Patrioten werden entwaffnet und die Sezession Hollands beendet. Nach mehreren Konferenzen schließen Preußen, die Niederlande und Großbritannien im April 1788 einen Bündnisvertrag. Das bankrotte vorrevolutionäre Frankreich steht als Verlierer da, während sich Friedrich Wilhelm II. als diplomatischer Sieger feiern lassen kann. Noch in derselben Woche entwirft er den Plan für das Brandenburger Tor – zu Ehren der neuen Allianz.

Friedrich Wilhelm, der preußische Perikles

Ganz im Sinne des Königs gestaltet Carl Friedrich Langhans die Propyläen der Athener Akropolis nach - jene Säulen und Torbögen, durch die einst der für seine Weisheit und Mäßigung berühmte Staatsmann Perikles geschritten sein muss. "Friedrich Wilhelm rückt sich also ganz bewusst in die Nähe des antiken Vorbilds", hat die Historikerin Pöthe herausgefunden. Unverkennbar seien auch die Anleihen bei der griechischen Mythologie in den allegorischen Relief-Szenen: "Am Anfang Herakles, kämpfend gegen Chaos und Maßlosigkeit, und in der Mitte sehen wir Eirene, die Göttin des Friedens. Diese beiden Hauptcharaktere Herakles und Eirene erinnern an die Taten der Geschwister Friedrich Wilhelm von Preußen und Wilhelmine von Oranien."

Mit dem Brandenburger Tor errichtet der im Barock geborene Architekt Langhans das erste Gebäude Berlins im klassizistischen Stil. Der König, der sich darin verewigte, stirbt 1797. Unter seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm III. zieht Preußen gegen Frankreich in den Krieg und wird vernichtend geschlagen. 1806 reitet Kaiser Napoleon I. im Triumphzug durch das Brandenburger Tor und lässt die Schadow'sche Quadriga als Trophäe mitgehen. Erst mit dieser als Schmach empfundenen Entführung und der gefeierten Rückholung der Quadriga aus Paris 1814 beginnt die Geschichte des Brandenburger Tores als überragendes deutsches Nationalsymbol.

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