3. Juli 993 - Erste urkundliche Erwähnung von Potsdam

Historische Ansicht Potsdams, 18.Jhdt. (Stich)

Stichtag

3. Juli 993 - Erste urkundliche Erwähnung von Potsdam

Preußens Vorgeschichte beginnt vor 1.020 Jahren, als ein minderjähriger römisch-deutscher König zwei Dörfer verschenkt, die er gar nicht besitzt. Am 3. Juli 993 überschreibt der erst 13-jährige Otto III. seiner "lieben Tante Mathilde", Äbtissin des Klosters zu Quedlingburg, die slawischen Orte Poztupimi und Geliti. Das Schenkungsdokument enthält damit die erste urkundliche Erwähnung der späteren preußischen Residenzstadt Potsdam und ihres Vororts Geltow.

Vermächtnis ohne Folgen

Otto I., der Große, wollte Mitte des 10. Jahrhunderts neu eroberte Gebiete im Osten seines Reichs erschließen. Dazu gründete er an Havel und Spree das Bistum Brandenburg. Die dort ansässigen slawischen Stämme widersetzten sich aber erfolgreich der christlichen Okkupation. Im Jahr 983 jagen sie alle Abgesandten von Kaiser und Kirche bis an die Elbe zurück. Als kurz darauf auch noch Polens Herrschergeschlecht der Piasten nach Brandenburg vordringt, muss Otto III. seinen vom Großvater ererbten Besitzanspruch auf das ferne Grenzland bekräftigen.

Mit den verschenkten Dörfern, die ihm längst nicht mehr gehören, buhlt der junge König also nicht etwa um die Gunst der geschätzten Tante. Vielmehr markiert Otto auf diese Weise sozusagen notariell die neue Ostgrenze des Heiligen Römischen Reichs. An den wahren Besitzverhältnissen ändert sich dadurch allerdings nichts. Ohne Brandenburg je gesehen zu haben, stirbt Otto III. bereits mit 21 Jahren und wird 1002 in Aachen zu Grabe getragen. Die Slawen verteidigen ihre Unabhängigkeit bis ins 12. Jahrhundert. Erst unter dem Askanier Albrecht dem Bären gelingt es deutschen Adelsgeschlechtern, ihre Macht im wilden, von Sümpfen und Wäldern durchzogenen Havelland zu etablieren. 

"Feldlager und Garten Epicurs"

Allmählich wächst das unbedeutende Fischerdorf Poztupimi zum befestigten Städtchen "Bostam" heran. Unter Markgraf Friedrich I. fällt Brandenburg 1411 erstmals an einen Spross der Hohenzollern. 500 Jahre lang wird die Dynastie aus Süddeutschland nun die Geschicke Brandenburgs und Potsdams bestimmen. 1415 erhebt der deutsche König Sigismund die Mark zum Kurfürstentum. Doch erst Mitte des 17. Jahrhunderts tritt Brandenburg endgültig in die Geschichte Europas ein. Friedrich Wilhelm I., genannt "der Große Kurfürst", erobert das Herzogtum Preußen, holt wasserbaukundige Holländer sowie die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten ins Land und kultiviert mit ihrer Hilfe die verwilderte, sumpfige Mark.

Um 1660 wählt der Große Kurfürst die Stadt Potsdam zur zweiten Residenz neben Berlin. Seine Nachkommen, Preußens erster König Friedrich I., dann der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. und vor allem Friedrich der Große bauen Potsdam mit Lustschlössern, Kirchen und Kasernen zum Machtzentrum der Hohenzollern aus, zum Versailles Preußens. "Potsdam, das ist wie Athen und Sparta. Feldlager und Garten Epicurs, Trompeten und Violinen, Krieg und Philosophie", urteilt der Philosoph Voltaire Mitte des 18. Jahrhunderts als Gast Friedrichs des Großen.

Stand: 03.07.2013

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