7. März 1916 - Bayerische Flugzeugwerke gegründet

Kampfflugzeug der Bayerischen Flugzeugwerke

7. März 1916 - Bayerische Flugzeugwerke gegründet

Am 7. März 1916 wird ins Münchner Handelsregister ein kleiner Motorenbauer eingetragen: die Bayerischen Flugzeugwerke, hervorgegangen aus der Gustav Otto Flugmaschinenfabrik. In unmittelbarer Nachbarschaft bei den Rapp Motorenwerke tüfteln ebenfalls schon seit einigen Jahren Ingenieure über Antriebsmaschinen für die Lüfte und firmieren wenig später unter Bayerische Motoren Werke. Nach und nach finden die beiden Unternehmen zueinander, aus den Bayerischen Flugzeugwerken werden schließlich die Bayerischen Motoren Werke (BMW).

Zunächst dreht sich bei den Bayern alles ums Fliegen. Auch das bis heute gültige Firmenlogo - der viergeteilte blau-weiße Kreis - geht auf einen Flugzeug-Propeller zurück. Em Ende des Ersten Weltkriegs entwickeln die Bayern einen Motor, der es Jagdfliegern erlaubt, in großen Höhen schnell zu sein. Auch die Preußen bestellen bei BMW und können bald höhere Abschusszahlen vermelden. "Es dürfte wohl einwandfrei feststehen, dass der BMW-Motor den Höhe- und Glanzpunkt der Flugzeugmotoren in diesem Kriegsstadium bildet. Sein einziger Fehler ist seine allzu späte Geburt", soll Geschäftsführer Franz-Josef Popp einst gesagt haben. Als der BMW-Motor abhebt, ist der Krieg längst verloren. Deutschland darf fortan keine Flugzeuge mehr bauen. Statt Motoren produziert BMW nun Bremsen für Eisenbahnen.

Hauptsache Motoren

Doch Firmenlenker Popp ist überzeugt: "Motoren, egal welche Motoren, Flug, Auto, Motorradmotoren, egal, Motoren sind das Geschäft der Zukunft." Das erste Motorenprodukt ist 1923 ein Motorrad – die R32. Gleichzeitig entwirft man in München auch heimlich neue Flugmotoren. Nicht für Deutschland, sondern für die Sowjetunion. Zweiräder baut man nur, wenn es keine Flugmotoren zu montieren gibt. Das Werk soll ausgelastet sein. Auch die Autoproduktion, die BMW 1929 mit dem Kleinwagen Dixi beginnt, ist nur ein Nebengeschäft.

Dann bricht die Weltwirtschaft zusammen, selbst ein kleines Auto lässt sich nun schlecht verkaufen. Zeitgleich laufen 1929 die Verträge mit der Sowjetunion aus. "Ohne die Machtübernahme durch den Nationalsozialismus und die dann beginnende Aufrüstung hätte BMW sehr große Schwierigkeiten gehabt, als Unternehmen länger zu existieren", sagt Christian Pierer von der Universität Bamberg. Dank Hitler laufen die Geschäfte nun gut. Von 1933 bis 1939 verdreifacht sich die Belegschaft, der Umsatz ist bei Kriegsbeginn neun Mal so hoch. Im Krieg liefert BMW Gespanne für die Wehrmacht, Motoren für Jagdflieger und Bomber. Montiert werden sie auch von gut 17.000 Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen. Mehr als 2.000 überleben die schwere Arbeit nicht. Niemand aus der BMW-Spitze wird nach dem Krieg zur Verantwortung gezogen.

BMW soll von Daimler übernommen werden

Gelbe Isetta im BMW-Museum München

Inzwischen museumsreif: die Isetta

Nach 1945 rettet sich das Unternehmen zunächst mit Reparaturarbeiten für die US-Armee. Dann steigt BMW wieder in die Motorrad- und Autoproduktion ein. Während die Zweiräder erfolgreich sind, gewinnen die nun designten Luxusautos Anfang der 50er Jahre zwar Schönheitspreise, schreiben aber Verluste. Auch der spritzige und beliebte Kleinwagen Isetta kann die wirtschaftliche Misere nicht abwenden. 1959 steht BMW vor dem Konkurs, soll an den Konkurrenten Daimler verkauft werden. Die Aktionäre lehnen jedoch die vom Management und der Deutschen Bank eingefädelte Übernahme ab. BMW bleibt eigenständig. Der Großindustrielle und BMW-Aktionär Herbert Quandt wird zum Retter, stockt seine Aktienanteile auf knapp 50 Prozent auf.

Mit Quandts Geld startet BMW 1961 durch. "Man hatte die Idee für das neue Bürgertum ein Auto zu gestalten, das irgendwie zwischen Käfer und Mercedes stand", erzählt der Design-Professor Paolo Tumminelli. Die Strategie geht auf. 1965 verkauft BMW seine Sparte Flugmotoren und konzentriert sich endgültig auf Autos und Motorräder. Die Zeiten, in denen die Bayern nur dank Rüstungsaufträgen überleben können, sind passé. Jüngere Krisen etwa nach der Rover-Übernahme oder die Finanzkrise 2009 übersteht der Konzern auch dank der Quandt-Familie als starker Gesellschafter ohne große Blessuren. Und 100 Jahre nach der Gründung verkaufen die Münchner mehr Autos weltweit als Dauerkonkurrent Daimler.

Stand: 07.03.2016

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.05 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 7. März 2016 ebenfalls an die Gründung der Bayerischen Flugzeugwerke. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stand: 07.03.2016, 00:00