24. April 1942 - Barbra Streisand wird geboren

24. April 1942 - Barbra Streisand wird geboren

Was für ein schrilles Huhn stolpert da auf die Bühne, mögen viele Zuschauer gedacht haben, als Barbra Streisand 1969 ihren ersten Oscar entgegennimmt. "Hello Gorgeous – Hallo Prachtkerl" umarmt sie im transparenten Glitterlamé- Anzug die goldene Statue. Es sind die gleichen Worte, die sie auch zu Beginn des Musicals "Funny Girl“ sagt, ihrem Filmdebüt, für das sie als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wird.

Keine Spur schüchtern, sondern kokett und selbstironisch präsentiert sich die 26-jährige Newcomerin vor der Elite Hollywoods. Es ist ein Auftritt, mit dem die künftige Diva von der ersten Sekunde klar stellt: Ich bin da, wo ich hingehöre! Sich selbst zu inszenieren und dabei alles zu kontrollieren, gehört bereits damals zu den größten unter den vielen Begabungen der Ausnahme-Entertainerin.

Ikone der Schwulenbewegung

Barbara Joan Streisand, am 26. April 1942 in Brooklyn geboren, entstammt einer Familie mit jüdischen Vorfahren aus Russland und Österreich. Sie ist 16 Monate alt, als ihr Vater stirbt. Mit fünf entdeckt sie einen großen Schatz: ihre Stimme. Vom neuen Stiefvater wegen ihres Silberblicks und der großen Nase verspottet, flüchtet sich das dürre Mädchen vor dem Fernseher in eine Glamourwelt – wild entschlossen, einmal als umjubelter Star den Eltern, der ganzen Welt und sich selbst zu beweisen, was in ihr steckt.

Aus Barbara wird Barbra, die mit 16 Jahren ein dunkles Loch in Manhattan bezieht und zum Sprung ins Showgeschäft ansetzt. Charakterschauspielerin will sie werden. Doch den ersten Erfolg und ihre ersten treuen Fans verdankt die Streisand ihrem glockenhellen Mezzosopran. Bei einem Talentwettbewerb in einem Schwulenclub singt sie 1960 mit der Verwundbarkeit einer einsamen Seele und dem Stolz einer Kämpferin. Nach wenigen Sekunden verstummen die Gespräche, dann brechen Begeisterungsstürme los. In kürzester Zeit wird Barbra Streisand zur Sensation in New York und zur Ikone der Homosexuellen.

Funny Girl und zickige Diva

Gerade 22 Jahre alt, triumphiert die Streisand am Broadway mit dem Musical "Funny Girl“. Sie verschmilzt förmlich mit der Figur der Fanny Brice, einer unattraktiven jüdischen Frau, die sich allen Demütigungen widersetzt und zur gefeierten Komödiantin aufsteigt. Dazu besingt sie in den folgenden drei Jahren zwölf Musikalben, die sich millionenfach verkaufen. Die Verfilmung von "Funny Girl“ macht sie weltweit zum Superstar. Radio- und Fernseh-Specials feiern sie als unverwechselbaren neuen Stern am Show-Firmament.

Barbra Streisand, Elliot Gould

Barbra Streisand mit Ehemann Elliot Gould

Versagensängste kaschiert die Streisand mit resolutem, forderndem Auftreten. Akribisch kontrolliert sie bei Dreharbeiten jedes Detail und stößt damit Regisseure und Kollegen vor den Kopf. Walther Matthau, ihr Partner im Filmmusical "Hello Dolly", beschimpft sie als untalentierte Giftschlange. Interviews zieht Barbra Streisand meist geschickt ins Alberne, um von Fragen nach ihrem Privatleben, ihrem kleinen Sohn Jason und der gescheiterten Ehe mit Schauspieler Elliot Gould abzulenken. Der Mythos von der perfektionistischen, herrschsüchtigen und zickigen Diva gehört zu Streisands Karriere wie ihre Triumphe und ihre innere Zerrissenheit.

Mächtigste Entertainerin ihrer Generation

Zu Beginn der 70er Jahre droht die Gallionsfigur des Mainstream-Showbiz ins Abseits zu geraten. Mit 30 verpasst sich die Streisand einen Imagewandel, setzt nun auf Sex und Pep und erobert mit "Is' was, Doc?" und "The Way We Were" an der Seite von New-Hollywood-Star Robert Redford eine junge Fangemeinde. 1977 erhält Barbra Streisand für ihr Filmdrama "A Star is born" als erste Frau einen Oscar für den besten Filmsong; drei Jahre später landet sie mit "Woman in Love" ihren größten Plattenerfolg.

Um das Drama "Yentl" drehen zu können, legt sich die Streisand mit dem gesamten männerdominierten Film-Establishment an. Da niemand die Geschichte einer jungen Jüdin, die als Junge verkleidet eine Religionsschule besucht, finanzieren will, produziert die Diva "Yentl" selbst. Sie schreibt am Drehbuch mit, spielt die Titelrolle und führt Regie. Das hat es in der langen Geschichte Hollywoods noch nie gegeben. Als lebende Legende versteht es Barbra Streisand bis heute meisterhaft, ihre stimmlichen und schauspielerischen Talente zu vergolden. Auch mit nun 75 Jahren gilt die engagierte Demokratin noch immer als eine der mächtigsten Entertainerinnen ihrer Generation.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 24. April 2017 ebenfalls an Barbra Streisand. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 24.04.2017, 00:00