7. November 1991 - Alpenkonvention wird unterzeichnet

Baumaschinen errichten auf der Groߟbaustelle an der Walleralm am oberbayerischen Sudelfeld eine Zufahrtstraߟe

7. November 1991 - Alpenkonvention wird unterzeichnet

Für die Römer sind die Alpen schreckliche Gesteinsmassen, in denen nur Barbaren hausen und die zu überqueren viel zu gefährlich ist. Erst im 18. Jahrhundert verklären die Romantiker das Gebirge zum Idyll. "Alle Menschen werden die Wahrnehmungen machen, dass man auf hohen Bergen, wo die Luft rein und dünn ist, freier atmet", schreibt der Schweizer Philosoph Jean-Jacques Rousseau. Noch besuchen nur wenige gut betuchte Reisende die Region zwischen Frankreich im Westen und Slowenien im Osten.

Das ändert sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die wichtigsten Wirtschaftsachsen verlaufen nun nicht mehr vom Westen zum Osten, sondern vom Norden in den Süden. "Plötzlich waren die Alpen mitten in diesem neuen, kleineren Europa", erklärt der emeritierte Geografieprofessor Werner Bätzing. Immer mehr Lastkraftwagen und Autos schieben sich durch die Täler und über die Pässe.

Touristen wollen die unberührte Natur

Hinzu kommen die Touristen. Sie wollen die unberührte Natur genießen und zerstören diese zugleich: Urlauber fahren Ski im Winter, Mountainbike im Sommer, sie klettern oder wandern. Die Einheimischen verdienen gut an den Gästen. Doch der Bau von immer mehr Skiliften und Kabinenbahnen hinterlässt Spuren. Schon Anfang der 1950er Jahre schlagen Umweltschützer Alarm und fordern ein länderübergreifendes Schutzabkommen. "Sie haben mit großer Sorge gesehen, dass die Alpen hier quasi in kurzer Zeit vollständig verändert werden und ganz wichtige Qualitäten als Natur- und als Umweltraum verlieren", sagt Bätzing.

Doch da sind die Erinnerungen an die Weltkriege, in denen man sich bekämpft hat, noch zu frisch, um gemeinsam zu agieren. Stattdessen zerstören ausgedehnte Wintersportgebiete sowie der bequeme Zugang zu Wandergebieten zunehmend den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Das natürliche Gleichgewicht des Gebirges gerät ins Wanken. Hänge erodieren, Lawinen und Muren (Schlamm- und Gesteinslawinen) bedrohen immer häufiger Mensch und Natur. Mit der Grünen-Bewegung in den 1980er Jahren nimmt der Alpenschutz konkrete Formen an. Und am 7. November 1991 unterzeichnen Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Österreich, die Schweiz und die Europäische Union die "Alpenkonvention". Slowenien und Monaco folgen später.

Keine neue Autobahn mehr durch die Alpen

Es ist der erste völkerrechtlich verbindliche Vertrag, der Schutz und nachhaltige Entwicklung positiv miteinander verbindet. Ziele und Verpflichtungen für einzelne Bereiche wie Bergwald, Bodenschutz, Natur- und Landschaftspflege, Tourismus oder Verkehr werden später in sogenannten Protokollen konkretisiert. Nur: Noch haben nicht alle Unterzeichner die kompletten Protokolle ratifiziert. Länder wie die Schweiz befürchten durch die vorgesehenen Schutzmaßnahmen wirtschaftliche Einbußen. Der alte Streit zwischen Ökonomie und Ökologie ist noch nicht ausgefochten.

Dennoch gilt das Schutzabkommen als Erfolg. So ist seit 1991 keine neue Autobahn durch den Alpenraum gebaut worden. Auf Grundlage des Bodenprotokolls konnte ein umstrittener Zusammenschluss über einen labilen Hang im österreichischen Skigebiet Axamer Lizum verhindert werden. Und 25 Jahre nach der Unterzeichnung ist die Alpenkonvention anderen Bergregionen ein Vorbild: "Es gibt inzwischen eine Karpatenkonvention, es gibt Ansätze dazu im Himalaya, im Andenraum", erklärt Bätzing.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 7. November 2016 ebenfalls an die Unterzeichnung der Alpenkonvention. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 07.11.2016, 00:00