8. August 1786 - Balmat und Paccard besteigen als Erste den Mont Blanc

Zeiitgenössischer Stich Jacques Belmont bei Bergbesteigung

8. August 1786 - Balmat und Paccard besteigen als Erste den Mont Blanc

Viele Jahrhunderte gilt die weiße Kuppel des Mont Blanc als lebensfeindliches Gebiet. Erst im 18. Jahrhundert avancieren die Alpen zum beliebten Reiseziel von Naturforschern und der "weiße Berg" im französisch-italienischen Grenzgebiet rückt ins Interesse. Noch vermutet man nur, dass er der höchste Gipfel in Europa sein könnte. Zum Beweis muss man hinauf. Der Genfer Wissenschaftler Horace-Bénédict de Saussure stellt 1760 für die Besteigung sogar eine stattliche Belohnung in Aussicht.

Das spornt die Bewohner am Fuß des Mont Blancs an. Auch der Arzt Michel-Gabriel Paccard aus Chamonix beobachtet jahrelang mit einem Fernglas die Gletscherverhältnisse und erarbeitet so eine mögliche Route zum Gipfel. Als Wegbegleiter gewinnt er den 24-jährigen Abenteurer Jacques Balmat, dem er die ausgelobte Prämie verspricht. Der Mediziner hofft dagegen, dass ihm die Erstbesteigung und wissenschaftliche Experimente in der Höhe Ruhm und Anerkennung bringen.

Übernachtung in 2.300 Metern Höhe

Während alle vorherigen Expeditionen umkehren müssen, wagen Paccard und Balmat eine neue Strategie: Als erste Bergsteiger wollen sie in eisiger Höhe übernachten. Nur so können sie den langen Aufstieg in zwei Etappen meistern. Die Ausstattung ist für eine Übernachtung auf einem Gletscher mehr als dürftig: "Handschuhe aus Hasenfell, eine Jacke drüber und drunter ein paar Hemden“, weiß Jürgen Rauter, Literaturwissenschaftler aus Düsseldorf.

Am 8. August 1786 brechen Paccard und Balmat um vier Uhr morgens von ihrem kalten Lager in 2.300 Meter Höhe auf. Mehr als 14 Stunden steigen sie durch ein gefährliches Felsen- und Gletscherlabyrinth. Erst um 18.23 Uhr erreichen sie den Gipfel. Ein rotes Taschentuch, das sie an einen Stock binden und vom Tal aus gesehen wird, ist der Beweis für ihren Erfolg.

Ungleich verteilter Ruhm

Paccard bleibt nur eine gute halbe Stunde bis zum Sonnenuntergang, um seine geplanten Experimente auf dem Dach Europas vorzunehmen. Der mitgebrachte Höhenmesser zeigt unglaubliche 5.000 Meter an. Doch der folgende Abstieg in der dunklen Nacht wird ein Höllenritt. Über breitere Spalten legen sie ihre 2,5 Meter langen Wanderstöcke und kriechen auf allen Vieren hinüber – unter ihnen der Abgrund.

Völlig entkräftet und schneeblind kommen die Bergsteiger am nächsten Morgen in Chamonix an. "Paccard musste am Schluss sogar geführt werden, weil er kaum etwas sehen konnte. Balmat hat man zuerst gar nicht erkannt", erzählt Rauter. Die Erstbesteigung des Mont Blanc ist eine Sensation. Aber Ruhm und Ehre für den Erfolg werden ungleich verteilt.

Während Balmat das versprochene Preisgeld erhält, geadelt wird und sich "Balmat du Mont Blanc" nennen darf, geht der Initiator der Expedition Paccard leer aus. "So, wie man heute die Geschichte liest und wie Paccard selbst in einem Brief schreibt, ist er Opfer einer Intrige geworden", sagt Rauter. Erst zwei Jahrhunderte später, 1986, bekommt auch Gabriel-Michel Paccard ein Denkmal in Chamonix.

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