26. Juni 1918 – Konrad Adenauer erhält Patent auf Sojawurst

Adenauer sitzt an einem Schreibtisch

26. Juni 1918 – Konrad Adenauer erhält Patent auf Sojawurst

Bekanntlich wollen Vegetarier keine Tiere essen. Aber der Wunsch nach Fleisch scheint trotzdem auch in ihrem Innern tief verwurzelt zu sein. Deshalb bieten Supermärkte allerorten inzwischen Fleischersatzprodukte aus Tofu, Tempeh, Seitan, Grünkern oder Lupineneiweiß in Wurstform an.

Konrad Adenauer ist in Sachen Ersatzwurst ein Pionier. Der Mann, der seine politische Karriere als Oberbürgermeister von Köln beginnt und mit dem Slogan "Keine Experimente" Kanzler wird, testet vor seiner Laufbahn als CDU-Politiker diverse Ersatzstoffe für Fleisch in Wurstwaren. Am 26. Juni 1918 erhält Adenauer ein britisches Patent auf eine Sojawurst. Für Vegetarier ist sie aber eher weniger geeignet.

Patent für die Sojawurst von Konrad Adenauer (am 26.06.1918)

WDR 2 Stichtag 26.06.2018 03:53 Min. Verfügbar bis 23.06.2028 WDR 2


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Die Friedenswurst

1918 ist Adenauer 42 Jahre alt und stellvertretender Bürgermeister von Köln. An die ganz große politische Karriere ist da noch nicht zu denken. Vier Jahre lang herrschte Krieg, auch in Deutschland sind Lebensmittel knapp. In dieser Notsituation macht sich Adenauer Gedanken, wie er die Bevölkerung seiner Geburtsstadt angemessen ernähren kann. Bereits 1915 hat er ein mit geschälten und gerösteten Maiskörnern gestrecktes Roggenschwarzbrot patentieren lassen. Jetzt hat er eine neue Idee.

Mit Hilfe eines Metzgers entwickelt Adenauer ein "Verfahren zur Geschmacksverbesserung von eiweißreicher und fetthaltiger Pflanzenmehle und zur Herstellung von Wurst", wie es im Patentantrag heißt. Die so genannte Friedenswurst beruht vor allem auf Sojabasis: "Es ist wahr, dass Sojabohnen recht schnell sauer werden, wenn man sie in feuchtem Zustand lagert", schreibt Adenauer. "Aber wenn sie in Kontakt mit Fleisch gebracht werden, halten sie so weit wie möglich den Verwesungsvorgang auf."

"Verhinderung des Überfahrenwerdens"

Adenauers Friedenswurst ist also länger haltbar. Leider schmeckt sie nicht besonders gut. Und sie enthält auch immer noch rund 85 Prozent Fleisch. Das kaiserliche Patentamt ist sowieso nicht überzeugt. Deshalb versucht es Adenauer im Ausland. Und hat nicht nur in Großbritannien Erfolg, sondern auch in Österreich, Belgien, Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden.

Die Sojawurst ist nur eine unter vielen, teils ebenfalls patentierten Tüfteleien Adenauers. Eine Elektrobürste gegen schädliche Insekten gehört ebenso dazu wie ein beleuchtetes Stopf-Ei oder eine "Vorrichtung zur Verhinderung des Überfahrenwerdens von Personen durch Straßenbahnen", die aber ihrerseits lebensgefährlich ist. Sie sind deshalb ebenso erfolglos wie die Wurst, die heute ohnehin keine Chance mehr hätte auf dem Markt: Ihre Herstellung ist mit heutigen Lebensmittelgesetzen nicht vereinbar.

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