25. September 1965 – TV-Premiere des "Beat-Clubs"

Der "Beat-Club" wird erstmals in der ARD ausgestrahlt

Stichtag

25. September 1965 – TV-Premiere des "Beat-Clubs"

Die Eltern und Großeltern glaubt Wilhelm Wieben am 25. September 1965 vorwarnen zu müssen. Der neue "Beat-Club" von Radio Bremen sei "eine Livesendung mit jungen Leuten für junge Leute", erklärt der spätere Chefsprecher der "Tagesschau" dem betagteren Publikum. "Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beatmusik nicht mögen, bitten wir um Verständnis." Krach statt Heintje, und das auch noch auf Englisch. Das kann ja heiter werden.

Tatsächlich hagelt es Proteste – und das, obwohl zumindest die "Yankees" aus Bremen deutsch singen. "Es ist Sonnabend und jede Familie freut sich, dass sie jetzt einmal in Ruhe beisammen sitzen kann", empört sich etwa die "Neue Welt" im Premierenjahr. "Aber dann gibt es den 'Beat-Club'‘. Dann hopsen vor der Kamera 13- bis 14-Jährige mit Beatle-Frisuren herum. Und schon ist es vorbei mit der verdienten Wochenendruhe!" Familienfernsehen war gestern. Jetzt ist die Nation gespalten.

Busen und schöne Beine

Die Idee zum "Beat Club" hat Gerhard Augustin. Er ist Discjockey im Bremer "Twen Club", wo auch der Unterhaltungsredakteur von Radio Bremen, Michael "Mike" Leckebusch, verkehrt. Augustin erzählt ihm von seinem Plan, die internationale Avantgarde der Rock- und Popmusik im Fernsehstudio live vor tanzendem Publikum auftreten zu lassen. Gemeinsam erarbeiten sie das Konzept. Nur in einer Sache setzt Leckebusch sich alleine durch. "Ich bin ja davon ausgegangen, dass ich der alleinige Moderator sein sollte in der Sendung", wird sich Augustin später erinnern. Leckebusch aber besteht auf der 21-jährigen Architekturstudentin Uschi Nerke an seiner Seite – weil der Unterhaltungschef "auf große Busen und schöne Beine gestanden" habe.

Aus heutiger Sicht ist das Debüt des "Beat Clubs" eher bieder. Statt wild kreischender Teenager wippen Jungs mit Schlips und Kragen gemeinsam mit korrekt frisierten Mädchen brav im Takt. Zwischendurch stellt das Duo Augustin und Nerke belanglose Fragen: wie man einen Bandnamen aussprechen müsse zum Beispiel. Nur rund 3.000 D-Mark hat Regisseur Mike Leckebusch für Gage, Dekoration und Lichteffekte zur Verfügung. Deshalb stehen die Musiker auf Holzpaletten. Hin und wieder muss der Kameramann sie per Handzeichen daran erinnern, dass sie auf Sendung sind.

Selbst Jimi Hendrix schaut vorbei

Und doch kommen sie alle. Der "Beat Club" macht die TV-Gemeinde mit Größen wie "The Who", "The Doors", "The Rolling Stones" oder Tina Turner und Bob Dylan bekannt. Sogar Jimi Hendrix schaut 1967 mit seinem Klassiker "Hey Joe" vorbei - ein "sehr, sehr netter Typ", wie Nerke findet. Sie selbst ist neben einigen Go-go-Girls für die Erotik des "Beat Clubs" zuständig: "Meine Rocksäume kletterten immer weiter nach oben. Und so manches Mal war's nur ein kleiner Fetzen Stoff. Aber der war sehr wirksam.“

Die Blütezeit des "Beat Clubs" dauert rund vier Jahre. Dann ändert Regisseur Mike Leckebusch das Konzept und nimmt die Go-go-Girls und das Vor-Ort-Publikum aus dem Programm. Stattdessen gibt es politische Filmstatements und Undergroundmusik. Die Discomusik gibt der Sendung den Rest. 1972 muss der "Beat Club" dem "Musikladen" mit "Abba", "Boney M." oder "Roxy Music" Platz machen. "Ich hab den Musikladen nicht mehr so gern gemacht“, gesteht Nerke. „Der Beat Club lag mir irgendwie mehr an der Seele.“

Stand: 25.09.2015

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