6. April 1896 - Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit werden eröffnet

Start 100-m-Lauf 1896 in Athen (Thomas Burke 2. v.l., Fritz Hofmann 3. V.l.)

6. April 1896 - Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit werden eröffnet

Citius, altius, fortius (schneller, höher, weiter) lautet das Motto bei der Wiedergeburt der Olympischen Spiele. 1.503 Jahre nachdem Kaiser Theodosius I. die antiken Wettkämpfe wegen der Verehrung heidnischer Götter verboten hatte, treten 1896 in Athen wieder Athleten aus aller Herren Länder gegeneinander an. Im friedlichen Wettstreit sollen sie die Verständigung der Völker fördern, so die Vision des Barons Pierre de Coubertin.

Zwei Jahre zuvor hat der französische Pädagoge und Historiker in Paris einen Sport-Kongress veranstaltet. Inspiriert durch die archäologischen Ausgrabungen im antiken Olympia, gewinnt Coubertin die Delegierten für seinen Plan, die Olympischen Spiele wieder aufleben zu lassen. Der Kongress gründet das Internationale Olympische Komitee (IOC) und wählt Athen als ersten Austragungsort. "Die zweiten Spiele", so der Beschluss, "werden 1900 in  Paris gefeiert, danach alle vier Jahre in anderen Städten der Welt."

Neues Olympiastadion an antiker Stätte

Griechenlands Presse und Öffentlichkeit reagieren euphorisch auf die Nachricht. Die Politik zeigt sich wenig begeistert, denn der noch junge Staat ist pleite. Gemeinsam mit dem ersten IOC-Präsidenten Dimitrios Vikelas setzt Coubertin alle Hebel in Bewegung, um die Finanzierung zu sichern. Sie kürzen das Budget und sammeln bei reichen Griechen in aller Welt großzügige Spenden ein, mit denen unter anderem das Panathinaiko-Stadion an der antiken Stätte gebaut wird. Auch die Politiker erkennen bald, welche Chance das Großereignis bietet, der Nation nach jahrzehntelangem Freiheitskampf gegen die Türken eine neue Identität zu geben und internationales Ansehen zu verschaffen.

Am Tag der Eröffnungsfeier, dem 6. April 1896, herrscht erwartungsvolle Hochstimmung auf den voll besetzten Rängen des Panathinaiko-Stadions. Nach der eigens komponierten Olympischen Hymne spricht König Georg I. umjubelt die historischen Worte: "Ich erkläre den Beginn der ersten internationalen Olympischen Spiele in Athen! Es lebe die Nation! Es lebe das griechische Volk!“ Verfolgt von etwa 100 Berichterstattern aus allen Erdteilen beginnen die Spiele mit dem ersten olympischen Sprint, dem Wegbereiter des 100-Meter-Laufs: "Das Zeichen wird durch einen Pistolenschuss gegeben, und gleichzeitig setzen sich alle in Bewegung.“ Der Amerikaner Burke geht im modernen Hockstart ins Rennen, der Deutsche Hofmann neben ihm stößt sich kurioserweise mit Stöckchen vom Boden ab.

König der Athleten: Carl Schuhmann aus Münster

An den Wettkämpfen nehmen – so die meisten Quellen - 241 junge Athleten aus 14 Nationen teil. 19 Sportler sind aus dem Deutschen Reich angereist, auf eigene Kosten, wie es die Amateurstatuten verlangen. Die Sieger erhalten noch keine Goldmedaille, sondern Lorbeer und eine Silbermedaille. Der Zweite bekommt Bronze, der Dritte geht leer aus. Am Ende belegen die Deutschen Rang drei im Medaillenspiegel, hinter den USA und Gastgeber Griechenland. Mit vier Siegen im Gewichtheben, Ringen und Turnen wird der Münsteraner Carl Schuhmann der erfolgreichste Athlet. Das grandiose Finale aber erleben die ersten Olympischen Spiele mit dem offiziell noch nicht olympischen Marathonlauf . Ein Sieg ist für die Griechen eine Sache der nationalen Ehre.

Im Stadion erwarten 60.000 aufs äußerste gespannte Zuschauer den führenden Läufer. Sie müssen bangen, als es heißt, ein Australier, Sieger über 800 und 1.500 Meter, werde das Rennen machen. "Endlich wird ein Mann in weißem Obergewand sichtbar, sonnenverbrannt und schweißüberströmt, der ins Stadion einläuft: Es ist Louis, der Sieger im Marathon-Lauf! Das ganze Volk ist außer sich und feiert seinen Sieg!" Auf der Schlussrunde flankiert von zwei Königssöhnen läuft Spyridon Louis, ein Wasserverkäufer aus Athen, durchs Ziel und geht als Held in die Geschichte des modernen Griechenland ein. Begeistert von ihren euphorischen Gastgebern fordern die Sportler, von nun an alle Spiele dort auszutragen. Das aber ist nicht im Sinne von Pierre de Coubertins globaler olympischer Idee. "…danach alle vier Jahre in anderen Städten der Welt", heißt es im IOC-Beschluss von 1894. Und dabei bleibt es auch.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.05 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 6. April 2016 ebenfalls an die Olympischen Spele in Athen. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stand: 06.04.2016, 00:00