29. April 1930 - Weltgrößte Schleuse in IJmuiden eröffnet

Luftaufnahme der Noordersluis in IJmuiden

Stichtag

29. April 1930 - Weltgrößte Schleuse in IJmuiden eröffnet

Fünf Hochseeschlepper leisten an einem Februartag 1927 Schwerstarbeit vor der holländischen Nordseeküste. Sie ziehen eine rund 1.500 Tonnen schwere und über 50 Meter lange Last durch die Gischt. Der Stahlkoloss ist eines der Tore für die neue Schleuse, die westlich von Amsterdam an der Einfahrt in den Nordsee-Kanal gebaut wird.

Mit einer Länge von 400 Metern, 50 Metern Breite und 15 Meter tief übertrifft die Noordersluis (Nordschleuse) sogar den bisherigen Weltrekordhalter am Panamakanal. Ein monströser Wassertrog, der seit der Eröffnung vor 85 Jahren Ozeanriesen die Einfahrt in den Hafen der niederländischen Hauptstadt ermöglicht.

Graben, wo Holland am schmalsten ist

Jahrhundertelang plagen sich Amsterdams stolze Handelsherren mit der ungünstigen Binnenlage ihrer Weltmetropole. Nach 1815 wird ein 70 Kilometer langer Kanal von Hollands Nordspitze bis zur Haupstadt gebaut, der sich bald als zu klein erweist. Die günstigste Stelle für eine Anbindung Amsterdams an die Nordsee liegt im Westen, am sechs Kilometer breiten Dünenstreifen vor der Mündung des Flusses IJ, doch die Niederländer scheuen lange die Gefahr. Bräche die Nordsee dort durch, würde das halbe Land überflutet. 1865 schließlich muss das riskante und teure Projekt umgesetzt werden, um Amsterdams Stellung im Welthandel zu sichern. Mit einem Federstrich auf der Landkarte befiehlt König Willem I., den Kanal an Hollands schmalster Stelle zu bauen.

Angeleitet durch englische Ingenieure heben tausende von Tagelöhnern in elf Jahren einen 23 Kilometer langen Kanal aus. Der Fluss IJ erhält so über Schleusen eine künstliche Mündung zur Nordsee und der neu entstehende Ort entsprechend den Namen IJmuiden. In den folgen Jahren muss die Wasserstraße mehrfach vergrößert werden, um den boomenden Schiffsverkehr bewältigen zu können. Pläne für eine völlig neue Riesenschleuse in IJmuiden gibt es schon vor dem Ersten Weltkrieg, doch erst in den 20er Jahren können es sich die Niederlande leisten, das gewaltige Projekt "Noordersluis" umzusetzen.

Wettlauf im Schleusenbau

Der 29. April 1930 glänzt mit Königinnen-Wetter. Rings um die fahnengeschmückte Schleuse drängen Polizeiketten die Schaulustigen zurück, als Hollands Staatsdampfer "Johan van Oudenbarnveld" als erster das neue Tor zur Nordsee passiert. "Königin Wilhelmina und die 21-jährige Prinzessin Juliana trotzen mutig der frischen Brise", berichtet der Radioreporter. Zehn Jahre später versenken die Holländer selbst zwei Schiffe im Kanal, um den Vormarsch der deutschen Besatzer zu blockieren. Alliierte Bombenangriffe auf die in der IJ-Mündung eingerichtete U-Boot-Basis der Nazis treffen auch IJmuiden schwer. Die Noordersluis aber übersteht die Bombardements ebenso wie die späteren Sprengversuche durch die Wehrmacht.

Rund eine Million Schiffe hat in den vergangenen 85 Jahren die Schleuse von IJmuiden befahren. 80 Prozent des gesamten Frachtaufkommens im Amsterdamer Hafen kommen über sie herein. An Größe haben andere Hebeanlagen die Noorderluis längst übertroffen. Im belgischen Antwerpen wird 2016 ein Schleusenmonstrum eröffnet, das Schiffe mit 12.000 Containern Ladung aufnehmen kann. Das entspricht dem dreifachen Fassungsvermögen der Noordersluis. Um den Anschluss an den Welthandel nicht zu verlieren, plant auch der Nachbar Holland schon die nächste Generation. Bis 2019 soll die Schleusenanlage in IJmuiden enorm vergrößert werden. Mit 500 Meter Länge und 70 Meter Breite ist sie dann wieder die größte der Welt – zeitweise zumindest.

Stand: 29.04.2015

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.05 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 29. April 2015 ebenfalls an die Eröffnung der Schleuse in IJmuiden. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Weitere Themen