4. August 1932 - Geburtstag des Cartoonisten Guillermo Mordillo

Der Künstler und Cartoonist, Guillermo Mordillo, am Dienstag 24.07.2012 in München vor zwei seiner Drucke

Stichtag

4. August 1932 - Geburtstag des Cartoonisten Guillermo Mordillo

Für die biblische Schöpfungsgeschichte hat Guillermo Mordillo seine persönliche Version: Gott schuf die Welt mit allem Drumherum, dann setzte er Mann und Frau hinein. Und um das Ganze vor dem absehbaren Untergang zu bewahren, schenkte er den Menschen außerdem den Humor. Mordillo, der stille Cartoonist aus Argentinien, hat davon offenbar eine Extraportion abbekommen.

Mit seinem speziellen Humor kreiert Guillermo Mordillo seit fünf Jahrzehnten eine ganz eigene Welt. Seine staksig-skurrilen Geschöpfe, Menschlein, Giraffen, Elefanten oder Kühe, besitzen alle ein unübersehbares Kennzeichen: eine riesige Knollennase. Weibliche Figuren bekommen etwas tiefer als Merkmal noch zwei Knöllchen dazu. Mordillos Wesen erleben ihre oft recht lustbetonten Abenteuer ohne Worte, deshalb gibt es für sie keine sprachlichen, kulturellen und politischen Grenzen. Bei Kindern sind sie so beliebt wie bei Erwachsenen.

Knollennasen: Menschen wie du und ich

"Ich bin sozusagen zum Zeichnen auf die Welt gekommen", erzählt der am 4. August 1932 in Buenos Aires geborene Cartoonist. "Es ist ein Geschenk der Natur und ich versuche, die Menschen daran teilhaben zu lassen." Mit 18 Jahren beginnt der Sohn spanischer Emigranten als Kinderbuch-Illustrator und versucht sich an Trickfilmen. Auf der Suche nach seinem Traumjob heuert er 1955 bei einer Werbeagentur in Lima an. Für Grußkarten entwirft er dort die Vorläufer seiner glubschäugigen Großnasen. Nach fünf Jahren wechselt er nach New York, wo er unter anderem an "Popeye"-Trickfilmen mitarbeitet.

Doch die festgelegte Studioarbeit füllt Mordillo nicht aus. Erneut packt er seine Koffer und reist 1963, ohne ein Wort Französisch zu sprechen, nach Paris. Dort entstehen die ersten typischen Mordillo-Cartoons. Zur meist schlichten äußeren Gestalt seiner bauchigen Helden, die alle miteinander verwandt zu sein scheinen, sagt er: "Die Knollennasen sind Figuren, die symbolisch für das menschliche Wesen sind. Ich zeichne ohne Worte, also brauche ich eine symbolische Figur, mit der ich meine Ideen ausdrücken kann."

Vorbilder Loriot und Manfred Schmidt

In unzähligen Cartoons hat Mordillo seine unverwechselbaren Geschöpfe einfache Lösungen für schwere Probleme finden lassen. Etwa wenn ein Männchen an einem sonnigen Tag nicht bei seiner Angebeteten landen kann. Kurzerhand knipst es mit einem Schalter die Sonne aus, der Mond erscheint und im romantischen Licht kommt die Sache sofort ins Laufen. Häufig müssen sich die kugeligen Gesellen in luftigen Höhen bewähren – als Selbsttherapie des Zeichners: "Für mich ist Humor Zärtlichkeit, die hilft, Angst zu überwinden. Weil ich wie jedes menschliche Wesen Angst habe, zeichne ich Humor."

Seit Mordillo Anfang der 70er Jahre mit dem Cartoon-Buch "Das Piratenschiff" der große Durchbruch gelang, werden seine Figuren mit einer üppigen Produktpalette auf allen Kontinenten vermarktet. Hierzulande werden sie vor allem durch die Spots zur ARD-Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" populär. Mit Deutschland verbinden Mordillo auch seine Vorbilder Loriot und Manfred Schmidt, den Schöpfer von Detektiv Nick Knatterton. Seine Knollennasen haben den nun 80-Jährigen reich gemacht. Dabei, gesteht Mordillo, habe er eigentlich immer nur für sich selbst gezeichnet: "Ich erzähle Träume. Dinge, die ich mir vorstelle und nicht selbst erleben kann."

Stand: 04.08.2012

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