14. Dezember 1949 - Wohlfahrtsmarken werden eingeführt

Vier Wohlfahrtsmarken mit Loriot-Motiven von 2011

Stichtag

14. Dezember 1949 - Wohlfahrtsmarken werden eingeführt

Ursprünglich war die Marke nur 80 Cent wert. Eine unter Tausenden in einem Paket von zwölf Kilogramm, das Thomas Boche aus Solingen bei einer Online-Auktion für 55,55 Euro gekauft hat. Doch diese eine Briefmarke aus dem Jahr 2001 dürfte es offiziell gar nicht geben. Nur fünf Exemplare sind bislang aufgetaucht. Das letzte wurde 2006 in Düsseldorf für 53.000 Euro versteigert.

Boches Rarität, eine Wohlfahrtsmarke, ziert das berühmte Foto von Filmstar Audrey Hepburn als Playgirl Holly Golightly in "Frühstück bei Tiffany". Peinlich für die Post war nur, dass Audrey Hepburns Erben die Verwendung des Fotos untersagt hatten. Die gesamte Auflage der Sondermarke wurde deshalb eingestampft – bis auf einige Ausnahmen offensichtlich.

"Helfer der Menschheit" machen den Anfang

Die Erlöse aus Wohlfahrtsmarken unterstützen seit 65 Jahren die Arbeit der Caritas, der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und anderer sozialer Organisationen. Dafür zahlt der Käufer freiwillig einen Zuschlag von 30 bis 55 Cent. Die Idee zum "Porto mit Herz" stammt von Kuno Jörger, nach dem Zweiten Weltkrieg Generalsekretär der Caritas. Die erste Serie der von dem leidenschaftlichen Philatelisten initiierten Sondermarke kommt am 14. Dezember 1949 an die Postschalter. Sie erinnert an legendäre "Helfer der Menschheit" wie den Arzt Paracelsus, die katholische Heilige Elisabeth von Thüringen oder den Pädagogen Friedrich Fröbel.

Rund 500.000 DM kommen damals für die Wohlfahrtsverbände zusammen, eine Summe, die mit jeder der jährlich neu aufgelegten Serien steigt. 1964 löst Peter Frankenfeld mit seiner Fernsehshow "Vergißmeinnicht" einen wahren Boom der Sozialhilfe aus der Portokasse aus. Durch das Aufkleben von Wohlfahrtsmarken nehmen die Zuschauer an dem Gewinnspiel der Show teil. Auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit Ende der 90er Jahre spült jede Serie der Sondermarke rund 35 Millionen Euro in die Kassen der Sozialverbände. Doch dann beginnen E-Mail und SMS dem klassischen Brief den Rang abzulaufen.

Rekordpreis für Sensationsfund

Mit ausgefallenen Motiven bemüht sich die Post seither, der elektronischen Konkurrenz zu begegnen und Briefeschreiber zum "Kaufen. Kleben. Helfen" zu animieren. Mal sind es deutsche Autoklassiker, dann süße Meerschweinchen oder wie 2010 sogar Wohlfahrtsmarken mit Zitronenduft. Einen Volltreffer verbucht die Post im Jahr darauf mit einer Serie lustiger Cartoons von Loriot. Doch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände, sagt deren Sprecherin Sigrid Forster, bekommt neben den neuen Medien auch die Nachwirkungen der Euro-Einführung deutlich zu spüren.

"Für viele Sammler, die überwiegend Wohlfahrtsmarken gekauft hatten, war das Ende der D-Mark-Werte der Punkt zu sagen: Ich hör jetzt auf, mit den Euro-Marken fang ich gar nicht erst an", erklärt Forster. Umso höher steigt bei Philatelisten der Wert historischer Serien und Sonderheiten. Der 36-jährige Thomas Boche jedenfalls kann sein Glück kaum fassen, als er den Wert seiner Audrey-Hepburn-Marke erkennt. Im Mai 2009 lässt der Solinger den Zufallsfund aus dem Zwölf-Kilo-Paket in Essen versteigern. Der Hammer des Auktionators fällt bei 60.000 Euro.

Stand: 14.12.2014

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