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6. Dezember 1771 - Sophie von La Roche veröffentlicht ihren Roman "Geschichte des Fräuleins von Sternheim"

Sophie von La Roche, Schriftstellerin

6. Dezember 1771 - Sophie von La Roche veröffentlicht ihren Roman "Geschichte des Fräuleins von Sternheim"

Ihr Debüt macht sie zu Deutschlands erster Bestsellerautorin: 1771 veröffentlicht Sophie von La Roche ihren Roman "Geschichte des Fräuleins von Sternheim". Ihr Name ist zunächst allerdings geheim.

Rührung und Tränen - neben den rationalen Ideen der Aufklärung entwickelt sich im 18. Jahrhundert auch die Epoche der Empfindsamkeit. Das Seelenleben wird nach außen gekehrt und für die Literatur entdeckt. Diesen Nerv der Zeit trifft der Roman ""Geschichte des Fräuleins von Sternheim", der 1771 erscheint. Doch wer hat ihn verfasst?

Sophie von La Roche veröffentlicht ersten Roman (im Jahr 1771)

WDR ZeitZeichen 06.12.2021 14:57 Min. Verfügbar bis 07.12.2099 WDR 5


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In der Unterzeile des Titels heißt es nur: "Von einer Freundin derselben aus Originalpapieren und anderen zuverlässigen Quellen gezogen." Als Herausgeber tritt der Dichter Christoph Martin Wieland auf. Literatur ist damals Männersache, selbst wenn sie von Frauen handelt. Deshalb ist es eine Sensation, als enthüllt wird: Sophie von La Roche ist die Autorin.

Gehobenes Bürgertum

Sie hat einen Brief-Roman über eine junge Frau geschrieben - komponiert aus verschiedenen Stimmen, gefühlvoll und zum Mitfiebern. Die Figur des "Fräuleins von Sternheim" soll von Verwandten zur Mätresse an einem Fürstenhof gemacht werden. Doch sie nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und wird dafür mit einer Heirat belohnt.

Der Anstoß dafür stammt aus Sophies eigenem Leben. Sie wird 1730 als Marie Sophie Gutermann in Kaufbeuren ins gehobene Bürgertum geboren. Gleich zwei Verlobungen platzen, weil sich die Familien einmischen. Dann lässt sich Sophie nicht mehr reinreden und heiratet Georg Michael Frank La Roche, der für den Staatsminister des Kurfürsten in Mainz arbeitet.

"Ein papierenes Mädchen"

Die beiden heiraten 1753. Sophie bekommt acht Kinder, davon überleben fünf. Die beiden Töchter werden in einem französischen Kloster erzogen. Die Mutter vermisst sie und erschafft schreibend als Ersatz "ein papierenes Mädchen": das "Fräulein von Sternheim".

1771 tritt Frank La Roche eine neue Stelle als Geheimrat des Kurfürsten und Erzbischofs von Trier an. Sophies Salon entwickelt sich zum Treffpunkt von Intellektuellen. Dazu gehören auch Johann Georg Jacobi und Goethe.


"Für Teutschlands Töchter"

Die Autorin rutscht ins Zentrum der literarischen Welt. Weil ihr Mann geadelt wird, heißt sie nun Sophie von La Roche. Doch 1780 kommt es zum Desaster: Ihr Mann wird entlassen, weil er früher einen kirchen- und adelskritischen Essay geschrieben hat.

Weil Frank in Depressionen verfällt, muss Sophie die Familie ernähren. Sie schreibt Romane, Erzählungen und Reiseliteratur. 1783 gründet sie die Frauenzeitschrift "Pomona für Teutschlands Töcher". Sophie von La Roche stirbt 1807 in Offenbach. Auch ihre Enkel Clemens Brentano und Bettina von Arnim machen sich literarisch einen Namen.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Jutta Duhm-Heitzmann
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 6. Dezember 2021 an die Veröffentlichung des Romans "Geschichte des Fräuleins von Sternheim". Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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