Werbung für die The "Vacuum Cleaner Company" aus dem Jahre 1906

30. August 1901 - Erster Staubsauger zum Patent angemeldet

Stand: 09.08.2021, 18:19 Uhr

Jeden Krümel schnell mal wegsaugen? Das ist Anfang des 20. Jahrhunderts noch undenkbar. Zwar meldet Hubert Cecil Booth am 30. August 1901 den ersten Staubsauger zum Patent an, mit den Geräten von heute hat dieser aber kaum etwas gemein.

Staubsauger wird patentiert (am 30.08.1901)

WDR ZeitZeichen 30.08.2021 14:15 Min. Verfügbar bis 31.08.2099 WDR 5


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Der Staubsauger - welch segensreiche Erfindung. Egal ob Schmutz oder Staub, alles wird verschluckt, bis der Boden blitzt. Heute gehört er in fast jedem Haushalt zum Inventar.

Als Vater des Staubsaugers gilt der Engländer Hubert Cecil Booth. Der junge Brückenbauingenieur beobachtet Anfang des 20. Jahrhunderts in London die Vorführung eines Geräts zum Reinigen von Eisenbahnwaggons. Mittels Druckluft soll es den Staub in einen Behälter blasen - der Erfolg ist mäßig.

Saugen statt blasen

Da kommt Booth eine Idee. Warum das Verfahren nicht einfach umkehren? Also saugen statt blasen. In seinem Büro testet er das Prinzip, indem er durch den Mund über die Oberfläche seines Sessels saugt - und erstickt dabei fast. Bei einem zweiten Versuch auf dem Teppich benutzt er ein Taschentuch als Filter. Bereits am nächsten Tag beginnt er mit der Konstruktion einer mit Staubfilter versehenen und mittels Benzinmotor betriebenen Vakuumpumpe.

Am 30. August 1901 reicht Booth das Patent für den ersten Staubsauger der Welt in London ein. "Puffing Billy" - so der Name des Reinigungsgeräts - ist ein mechanisches Monstrum. Die Aggregate sind tonnenschwer, mannshoch und ohrenbetäubend laut. Sie werden auf Pferdewagen zum Einsatzort transportiert, wo eine fünfköpfige Mannschaft die bis zu 100 Meter langen Schläuche durch die Fenster hievt.

Booth’ erster Auftrag ist es, in Westminster Abbey den Teppich für die Krönungsfeier Edwards VII. zu reinigen; begeistert von der sauberen Aktion ordert das Königshaus im Anschluss gleich zwei Palast-Sauger. Die fälligen 700 Pfund steckt Booth in die Gründung seiner "British Vacuum Cleaner Company".

Feine englische Art des Staubsaugens

Die Booth-Maschine funktioniert zwar zuverlässig, ist aber für Otto Normalverbraucher gänzlich ungeeignet. Stattdessen avanciert sie zum Partyvergnügen der englischen Oberschicht. Teilweise werden extra Glasröhren verbaut, damit die feine Gesellschaft dem Absaugen ihrer Verstaubungen bei einer gepflegten Tasse Tee zuschauen kann.

Bereits 1905 leisten sich in London 7.000 private Haushalte das teure Reinigungsvergnügen, das längst eine ganze Sauger-Fuhrwerk-Flotte erledigt. 63 Tonnen Staub holt die in einem Jahr aus den Salons der Reichen. Abgerechnet wird nach abgesaugten Gegenständen: Ein Teppich etwa kostet vier Pence, ein Vorhang 3,5 Pence pro Quadratmeter. Ein paar Entstaubungspumpen lassen sich auch verkaufen - an Hotels, Restaurants, Clubs und staatliche Einrichtungen.

Zusätzlich baut Booth den ersten tragbaren Staubsauger für den Hausgebrauch, dessen Bedienung aber noch immer vier Hände erfordert. 1907 fegt ihn die Firma Hoover mit ihren handlicheren Produkten vom Markt. Als Booth 1955 stirbt, hat sich sein Unternehmen wieder auf große Saugpumpen spezialisiert - diesmal für die britischen Kohleminen.

Autor des Hörfunkbeitrags: Christoph Tiegel
Redaktion: Hildegard Schulte​

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