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5. November 1011 - Todestag der Äbtissin Mathilde von Essen

Äbtissin Mathilde II. von Essen mit ihrem Bruder Otto auf der Stifterplatte des Otto-Mathilden-Kreuzes aus der Zeit um 1000

5. November 1011 - Todestag der Äbtissin Mathilde von Essen

Die Essener Domschatzkammer ist heute gut gefüllt. Dafür hat im Mittelalter die Äbtissin Mathilde gesorgt. Sie stammt aus dem Geschlecht der Liudolfinger.

44 Zentimeter hoch, aus Eichenholz geschnitzt, mit Goldblech bedeckt: Die Äbtissin Mathilde von Essen gibt nach dem Tod ihres Bruders Otto, dem Herzog von Schwaben und Bayern, im Jahr 982 ein Kreuz in Auftrag. Zum ersten Mal in der christlichen Kunstgeschichte werden Verzierungen mit Perlen und Edelsteinen zusammen mit der Darstellung eines Gekreuzigten kombiniert.

Mathilde II., Äbtissin von Essen (Todestag, 05.11.1011)

WDR ZeitZeichen 05.11.2021 14:53 Min. Verfügbar bis 06.11.2099 WDR 5


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Bemerkenswert ist die Emaille am unteren Rand des Otto-Mathilden-Kreuzes, auf der die beiden dargestellt sind. Ihre Augen sind durch schwarze Glaskugeln plastisch hervorgehoben. Die Äbtissin nutzt das Vermögen des Essener Frauenstifts auch für weitere Anschafffungen: eine goldene Madonna, einen siebenarmigen Kandelaber, einen Schrein und Reliquien.

Als Kind ins Frauenstift

Die ottonischen Könige des 10. Jahrhunderts wollen das antike Kaisertum wiederbeleben. Mathilde kennt dieses Ziel: Sie gehört zur Herrscherfamilie. Geboren wird sie 949 als Tochter Liudolfs, des ältesten Sohnes von Kaiser Otto dem Großen. Damit ist Mathilde die Enkelin von Otto I., die Nichte von Otto II. und die Cousine von Otto III.

Vermutlich schon mit acht Jahren wird sie dem Essener Frauenstift anvertraut. Dort wird sie in Lesen, Schreiben, Latein und Bibelkunde unterrichtet. Die ottonischen Herrscher setzen ihre Töchter in den Stiften Gandersheim, Quedlinburg und Essen als Äbtissinnen ein.

Viel auf Reisen

Mathilde übernimmt ihr Amt spätestens ab 973. Weil es möglicherweise eine Vorgängerin mit demselben Namen gegeben hat, wird sie auch als Mathilde II. bezeichnet. Ihr obliegt die Verwaltung der Wirtschaftsgüter des Stifts, dem über 2.000 Höfe abgabepflichtig sind.

Da der königlich-kaiserliche Hof der Ottonen noch keine feste Residenz hat, sondern immer unterwegs ist, muss sie ihm folgen. Belegt sind Reisen nach Aachen, Aschaffenburg, Mainz, Heiligenstadt, Dortmund, Thor und Nimwegen.

Unterstützt vom Cousin

Unterwegs knüpft Mathilde ein Netzwerk nützlicher Kontakte. Ihr Ziel ist es, die Einkünfte ihres Stifts zu mehren. Als Gegenleistung kümmert sie sich um die Erinnerung an die Verstorbenen - mit Messen, Fürbitten und Kunstwerken.

Als 1002 ihr Cousin und Unterstützer, Otto III., stirbt, folgt ihm Heinrich II. auf den Thron. Er stammt aus einem konkurrierenden Familienzweig. Das hat Folgen: Im Jahr 1003 lassen sich zwar noch die Privilegien durch den neuen König bestätigen, doch danach tauchen sie in den Urkunden nicht mehr auf. Bekannt ist nur, dass die Äbtissin Mathilde von Essen am 5. November 1011 mit 62 Jahren stirbt.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Maren Gottschalk
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 5. November 2021 an Äbtissin Mathilde von Essen. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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