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Der Astronom Johannes Kepler, Portrait um 1620 und Illustration zum 5. Buch 'De Harmoniis absolutissimis motuum coelestium' (Die vollkommensten Harmonien der Himmelsbewegungen). - Aus der Erstausgabe Linz (Johannes Plank), 1619.

27. Dezember 1571 - Astronom Johannes Kepler wird geboren

Stand: 20.12.2021, 14:14 Uhr

Als Johannes Kepler am 27. Dezember 1571 geboren wird, ist man allgemein der Überzeugung, dass körperlose Wesen die Planeten und die Sonne über das Himmelszelt schieben. Mit diesem Weltbild macht Kepler Schluss - und wird so zu einem der Väter der modernen Wissenschaft.

Johannes Kepler, deutscher Astronom (Geburtstag, 27.12.1571)

WDR ZeitZeichen 27.12.2021 14:57 Min. Verfügbar bis 28.12.2099 WDR 5


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Noch in der Frühen Neuzeit gehen Astronomie und Astrologie Hand in Hand. Viele Herrscher beschäftigen Hofastronomen, die aus der Beobachtung von Sternen am Nachthimmel nicht unbedingt Naturgesetze, sondern vor allem Weissagungen ableiten sollen. So ergeht es auch Johannes Kepler: Einer der bedeutendsten Astronomen der Geschichte verbringt ab 1601 den halben Arbeitstag damit, für Kaiser Rudolf II. Horoskope zu erstellen.

Aus seiner Sicht als Astronom lohnt sich die Anstellung am kaiserlichen Hof in Prag trotzdem. Denn sein geschätzter Vorgänger Tycho Brahe hinterlässt ihm Unmengen an astronomischen Daten und Beobachtungen - vor allem vom Lauf der Planeten. Dass diese sich nicht um die Erde, sondern um die Sonne drehen, ist Kepler längst klar. Er ist einer der wenigen Anhänger des heliozentrischen Weltbildes, das Nikolaus Kopernikus bereits ein halbes Jahrhundert vor ihm beschrieben hat.

Die drei Keplerschen Gesetze

Wie Kopernikus geht aber auch Kepler lange von Kreisbahnen aus, auf denen sich die Planeten gleichmäßig bewegen. Doch seine eigenen und die Aufzeichnungen Brahes lassen diesen Schluss nicht länger zu - selbst mit der Sonne im Zentrum. Anders als viele Kollegen, die Messergebnisse zugunsten der tradierten Weisheit als Messfehler verwerfen, traut Kepler seinen Daten und ändert das Modell des Sonnensystems.

Er stellt fest, dass sich Planeten zum einen auf elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen und dass sie dies unterschiedlich schnell tun. Diese beiden Keplerschen Gesetze sind die Grundlage seines Hauptwerks "Neue Astronomie" von 1609. Später kommt noch ein drittes Gesetz hinzu, mit dessen Hilfe sich die Größe des Planetensystems bestimmen lässt.

Gottesfürchtiger Wissenschaftler

Am 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt geboren, weckt Keplers Mutter seine Leidenschaft für Astronomie schon früh. Sie zeigt dem sechsjährigen Johannes den Kometen von 1577, der am Tag mit bloßem Auge zu sehen ist, und die Mondfinsternis von 1580. Elf Jahre später verlässt er seine Heimatstadt, um in Tübingen Theologie zu studieren. Zwar bricht er das Studium zugunsten eines Lehrauftrags als Mathematiker ab, doch er bleibt zutiefst religiös.

Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen für ihn dabei nicht im Widerspruch zum Glauben. "Astronomie treiben heißt, die Gedanken Gottes nachlesen", so Kepler. Dabei ist er stets bereit, aus den Daten die notwendigen Schlüsse zu ziehen, selbst wenn sie nicht der vorherrschenden Meinung entsprechen. Schon gar nicht der Meinung der Kirche, denn für sie ist die Vorstellung von einer stillstehenden Sonne und einer Erde, die mit unvorstellbarem Tempo um sie herum wirbelt, pure Blasphemie.

Doch für Kepler ist auch das neue Weltbild die Schöpfung Gottes, die es zu erforschen gilt. So wird er zu einem der Väter der modernen Wissenschaft.

Autor des Hörfunkbeitrags: Martin Herzog
Redaktion: Christoph Tiegel und Ronald Feisel​

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