6. Juni 1946 - Todestag von Gerhart Hauptmann

Gerhard Hauptmann

6. Juni 1946 - Todestag von Gerhart Hauptmann

Der Mensch wird nicht nur von seinen Trieben bestimmt, sondern vor allem auch vom Milieu. Man muss die sozialen Umstände ändern für eine bessere Welt. Davon ist Gerhard Hauptmann überzeugt. Mit diesem Grundsatz wird er als Dramatiker mit Stücken wie "Die Weber" (1892) zu einem Wegbereiter des deutschen Naturalismus.

Aber Hauptmann hat auch ein ausgeprägt "nationales deutsches Bewusstsein". Das macht ihn für Adolf Hitler empfänglich. "Mein Kampf" ist für ihn die Bibel des Deutschtums – auch wenn die Nationalsozialisten zumindest die Aufführung der als aufrührerisch geltenden "Weber" verbieten. Seine anderen Stücke werden regelmäßig inszeniert.  

Gerhart Hauptmann, dt. Dramatiker (Todestag, 06.06.1946)

WDR ZeitZeichen 06.06.2021 13:38 Min. Verfügbar bis 07.06.2099 WDR 5


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Kein sozialistischer Utopist

Geboren wird Hauptmann 1862 als Sohn eines Hotelbesitzers im schlesischen Obersalzbrunn. Lange weiß er nicht, was er werden soll. 1880 beginnt er eine zweijährige Bildhauerausbildung in Breslau, wird wegen "schlechten Betragens" zwischenzeitlich suspendiert. Die Ehe mit Marie Thienemann 1885 schafft ihm finanzielle Unabhängigkeit, die er fürs Schreiben nutzt.

1889 gelingt Hauptmann der Durchbruch mit dem Sozialdrama "Vor Sonnenaufgang", in dem er einen betrunkenen Bauern seine Töchter begrapschen lässt: ein Skandal, der die Zensur nur deshalb umgehen kann, weil die Uraufführung im Berliner Lessing-Theater als Privatveranstaltung eines eigens gegründeten Vereins deklariert wird.

"Die Weber" über den Aufstand der schlesischen Leinenweber wird zu Hauptmanns zweitem großen Erfolg. Mit dem Stück bringt er "die Masse auf die Bühne", wie Bertolt Brecht Jahre später begeistert konstatieren wird. Selbst in Russland und Nordamerika wird das Stück gespielt. Das Werben der Sozialdemokraten aber lehnt der Dichter ab: Er hat Mitleid mit den Armen und Rechtlosen, will aber kein Revolutionär sein.

Der große Traum

In kurzer Zeit schreibt Hauptmann rund ein Dutzend naturalistische Theaterstücke, darunter die Klassiker "Der Biberpelz" (1893), "Rose Bernd" (1903) und "Die Ratten" (1911). Es ist seine produktivste Zeit. 1912 erhält er für "Die Weber" den Literatur-Nobelpreis. Der Kaiser gratuliert nicht: Für ihn ist Hauptmanns Werk "Rinnsteinkunst". Zu dieser Zeit hat Hauptmann schon begonnen, sich vom Naturalismus loszulösen.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs – für ihn eine "eiserne Notwendigkeit" – schreibt er Propaganda-Gedichte. Seinem Ruhm ist das nicht abträglich: In der Weimarer Republik wird er sogar gefragt, ob er Reichspräsident werden wolle. Er versteht sich lieber als "kulturelles Oberhaupt" in der Nachfolge Goethes.

Hitler ist für Hauptmann der "Sternenschicksalsträger des Deutschtums". Die Kapitulation Deutschlands 1945 erlebt er in seiner schlesischen Heimat. Hauptmann stirbt am 6. Juni 1946 im einstigen Agnetendorf. Ein Sonderzug überführt den in eine Mönchskutte gekleideten Leichnam zur Beerdigung nach Hiddensee. Mit im Sarg: Hauptmanns Versepos "Der große Traum".

Autor des Hörfunkbeitrags: Christoph Vormweg
Redaktion: Gesa Rünker

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 6. Juni 2021 an Gerhart Hauptmann. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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