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16. Juni 1956 - Tod des Zeichners Fritz Koch-Gotha

Der Illustrator Fritz Koch-Gotha auf einem Pferd

16. Juni 1956 - Tod des Zeichners Fritz Koch-Gotha

"Wenn Koch-Gotha lachte, lachte ein ganzes Volk", beschreibt ein Kunstkritiker den Zeichner mit der frechen Feder. Am 16. Juni 1956 stirbt Fritz Koch-Gotha - durch "Die Häschenschule" bleibt er jedoch unvergessen.

Fritz Koch-Gotha, Illustrator (Todestag 16.06.1956)

WDR ZeitZeichen 16.06.2021 14:40 Min. Verfügbar bis 17.06.2099 WDR 5


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"Kinder", spricht die Mutter Hase, "putzt euch noch einmal die Nase mit dem Kohlblatt-Taschentuch! Nehmt nun Tafel, Stift und Buch! Tunkt auch eure Schwämmchen ein! Sind denn eure Pfötchen rein?" "Ja!" - "Nun marsch, zur Schule gehn!" "Mütterchen, auf Wiedersehn!" So beginnt Fritz Koch-Gothas berühmtestes Werk "Die Häschenschule". Der Illustrator steuert 1924 die Bilder für das Kinderbuch bei, das noch immer in neuen Auflagen erscheint.

Dabei kommt er erst spät zur Kunst. Ursprünglich soll der 1877 in der Nähe von Gotha geborene Fritz Koch Offizier werden. Ein Unfall macht ihn jedoch auf einem Ohr taub und den Militärdienst unmöglich. Der alternative Plan seiner Eltern: Geschäftsmann. Doch mehr als eine kaufmännische Ausbildung kommt dabei nicht heraus. Koch - schon früh zeichnerisch begabt - zieht es zur Malerei. Er besucht die Kunstakademien in Leipzig und Karlsruhe.

Es gibt nur einen Koch-Gotha

Es hält ihn aber nicht lange in den Ateliers der Hochschulen. Stattdessen verschlägt es ihn nach Berlin, wo um die Jahrhundertwende das Leben pulsiert. Dort erweitert er seinen Nachnamen um den Zusatz "Gotha", um an die Stadt seiner Jugend zu erinnern - und sich von Künstlern gleichen Namens abzuheben, wie er selbstbewusst erklärt: "Es gibt viele Köche, aber nur einen Koch-Gotha."

In der Hauptstadt gehört er bald zu den meistbeschäftigten Illustratoren und Pressezeichnern. Vor allem für die Berliner Illustrierte Zeitung ist er tätig, eine der populärsten Zeitungen im Kaiserreich. Seine Beobachtungsgabe und sein Zeichentalent kombiniert er geschickt. Sein Gespür für die kleinen Dinge machen die Bilder unverkennbar echt und aus dem Leben gegriffen. Er zeichnet die wilhelminische Gesellschaft: die Offiziere wie die Schrebergärtner, die Kaisertreuen wie die Sozialdemokraten.

Nein zu NS-Propaganda

Da Fotos zunehmend die Zeichnungen in der Presse verdrängen, widmet sich Koch-Gotha während der Weimarer Republik stärker der Illustration von Büchern. In dieser Zeit entstehen auch die Bilder für "Die Häschenschule", eine Geschichte des Kinderbuchautors Albert Sixtus. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zieht er sich weiter aus dem tagesaktuellen, politischen Geschäft zurück. Einen Auftrag von Joseph Goebbels soll er mit der Frage abgelehnt haben: "Können Sie sich einen von Koch-Gotha gezeichneten SA-Mann vorstellen?"

1944 wird seine Wohnung zerstört, fast sein gesamtes Zeichnungsarchiv geht verloren - ein Verlust, der ihn lange beschäftigt. Das Sommerhaus der Familie an der Ostseeküste wird zur neuen Bleibe. Dort widmet er sich vor allem dem Naturstudium, blickt aber immer wieder sehnsüchtig auf seine Zeit in Berlin zurück. Fritz Koch-Gotha stirbt am 16. Juni 1956 in Rostock, mit seinen Bildern aber zeichnet er den Menschen bis heute ein Lächeln ins Gesicht.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Martina Meißner
Redaktion: Gesa Rünker​

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