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17. September 1921 - Todestag des Diplomaten Philipp Graf zu Eulenburg

Philipp zu Eulenburg auf einem Gemälde

17. September 1921 - Todestag des Diplomaten Philipp Graf zu Eulenburg

Philipp zu Eulenburg kennt den deutschen Kaiser schon, als der noch Prinz ist. Der Graf bleibt dem deutlich jüngeren Wilhelm II. lange Jahre verbunden - bis ein Skandal das Kaiserreich erschüttert.

Philipp Graf zu Eulenburg, dt. Diplomat (Todestag, 17.09.1921)

WDR ZeitZeichen 17.09.2021 14:56 Min. Verfügbar bis 18.09.2099 WDR 5


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Philipp Graf zu Eulenburg wird 1867 in eine kaisertreue Familie geboren. Standesgemäß macht er Karriere: Offiziersschule, Jurastudium, Promotion. Er wird ein überzeugter Staatsdiener und Diplomat. Er ist ein Freund der schönen Künste, er liebt die Musik.

Der Graf umgibt sich mit einer sogenannten Friedenspartei - frankophile Gleichgesinnte, die aber Feinde haben. Man unterstellt dieser Eulenburg-Kamarilla, verweichlicht zu sein, zu wenig kriegsfreudig und man macht sie für die Niederlage des Deutschen Reiches in der Marokko-Krise verantwortlich.

Wilhelm II.

Wilhelm II.

Philipp zu Eulenburg hat ausgezeichnete Kontakte zu Kaiser Wilhelm II. Den hatte er schon als Kronprinz kennengelernt, bei einer Jagd. Eulenburg ist für Wilhelm II. so etwas wie der Mann für alle Fälle. Gibt es Personalangelegenheiten zu regeln oder Zwistigkeiten in der kaiserlichen Hohenzollernfamilie zu schlichten, dann zieht Eulenburg dezent im Hintergrund die Strippen. Der Kaiser kann sich absolut auf ihn verlassen.

Ein Tabu im Kaiserreich

Aber anderen ist diese enge Verbindung mehr als ein Dorn im Auge. Und es beginnt, was als Harden-Eulenburg-Affäre in die Geschichte eingehen wird. Eine Hatz, ein Skandal, der auf der Andeutung fußt, der engste Freund und Berater des Kaisers sei homosexuell. Autor des Artikels in der Berliner Zeitschrift "Die Zukunft" ist der Publizist Maximilian Harden, der Eulenburg wegen vielem, aber vor allem wegen seiner kriegsuntauglichen Politik nicht ausstehen kann.

Norman Domeier, Historiker an der Universität Stuttgart: "Was wir heute schwul oder homosexuell nennen - das war im wilhelminischen Deutschland immer noch ein Tabu." In der überlieferten Sexualmoral, die in Preußen Deutschland schon vor allen Dingen protestantisch pietistisch geprägt war, sei Homosexualität "ein absolutes Unding, also eine Sünde" gewesen. Zudem werden Homosexuelle nach Paragraf 175 wegen ihrer sexuellen Orientierung bestraft.

Vernichtung der Friedenspartei

Es folgen mehrere Prozesse, unzählige Zeitungsartikel, im In- und Ausland. Es werden viele Kübel schmutziger Wäsche über mehrere Jahre bis 1909 in der Öffentlichkeit gewaschen. Und Hardens Taktik geht auf. Eulenburg wird zwar nicht verurteilt, aus gesundheitlichen Gründen erklärt man ihn für prozessuntauglich. Ab 1909 steht er unter ärztlicher Beobachtung, lebt von da an bis zu seinem Tod 1921 auf Schloss Liebenberg, geht dort zur Jagd und empfängt auch Gäste. Nie wieder aber den Kaiser.

Mit Eulenburg ist die sogenannte Friedenspartei am Wilhelminischen Hof vernichtet worden. Sie steht 1914 nicht mehr bereit, um einen großen Krieg zu verhindern. Und auch nach dem Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreichs 1918 ist es mit sexueller Denunziation und Erpressung in der Politik nicht vorbei.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Irene Geuer
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 17. September 2021 an den Todestag des Diplomaten Philipp Graf zu Eulenburg. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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Stand: 01.09.2021, 13:33