Indonesiens Präsident Suharto beim G-15-Gipfel der Entwicklungsländer in Kairo (1998)

8. Juni 1921 - Indonesiens Diktator Suharto wird geboren

Stand: 08.06.2021, 10:20 Uhr

Drei Jahrzehnte herrscht Suharto brutal über einen Vielvölkerstaat von 270 Millionen Menschen auf mehr als 10.000 Inseln. Mit einem rätselhaften Staatsstreich und einem Massaker an der Bevölkerung putscht sich der General 1965 an die Macht.

Hadji M. Suharto, Indon. Präsident (Geburtstag, 08.06.1921)

WDR ZeitZeichen 08.06.2021 15:00 Min. Verfügbar bis 09.06.2099 WDR 5


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Indonesien heißt noch Niederländisch-Indien, als Suharto 1921 auf Java zur Welt kommt. In der niederländischen Kolonialarmee beginnt er seine Militärkarriere, im Zweiten Weltkrieg dient er unter der Besatzungsmacht Japan. Nach deren Kapitulation 1945 unterstützt Suharto den Freiheitskampf des nationalistischen Politikers Sukarno.

Als Sukarno die Unabhängigkeit Indonesiens ausruft und 1949 zum ersten Präsidenten gewählt wird, steht Suharto fest an seiner Seite. 1961 wird der 40-Jährige Oberbefehlshaber der "Kostrad", einer neuen Elite-Spezialtruppe zur Bekämpfung von Aufständen in dem Vielvölker-Inselstaat.

Suhartos Griff zur Macht

Präsident Sukarno bringt das Land autokratisch auf einen antiimperialistischen Kurs. Um sein 200-Millionen-Volk zu einen, kooperiert er mit den stärksten Gruppierungen: Nationalisten, Kommunisten und Muslimen, der Religionsmehrheit Indonesiens. Unter konservativen Militärs wie Suharto wächst der Widerstand gegen Sukarnos antiwestliche linke Politik.

1965 wird Indonesien von einem Staatsstreich erschüttert, dessen Hintergründe nie geklärt werden. Nach einem angeblichen linken Putschversuch, bei dem sechs Generäle ermordet werden, nutzt Suharto die Lage zum Gegenputsch und reißt die Macht an sich. Für die Morde macht er Kommunisten und deren Sympathisanten verantwortlich, die nun mit beispiellosem Terror verfolgt, eingesperrt, gefoltert und umgebracht werden.

Der Diktator und der Westen

Niemand weiß, wie viele Menschen Suhartos Massaker bis Ende 1966 zum Opfer fallen; Schätzungen liegen zwischen 500.000 und drei Millionen. Sukarno, den "Vater der Nation", degradiert Suharto zur machtlosen Marionette. Im März 1968 schiebt er ihn endgültig ab und lässt sich selbst zum zweiten Präsidenten wählen. Damit beginnt in Indonesien die Terror-Diktatur des Militärs.

Indonesiens Diktator Suharto

Gewaltherrschaft mit einem Lächeln: Suharto

Suharto errichtet seine "Orde Baru" (Neue Ordnung) auf der Verteufelung des Kommunismus, der Verfolgung Andersdenkender und einer engen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Westen. Schnell avanciert Suharto zum Liebling der USA. "Der lächelnde Diktator" nennt ihn die Presse freundlich.

Auch zur Bundesrepublik unterhält Suharto beste Beziehungen. Der BND bildet indonesische Agenten aus, deutsche Waffenschmieden liefern, was bestellt wird, und Kanzler Helmut Kohl spricht von seiner "engen Männerfreundschaft" mit Suharto.

Von Asienkrise gestürzt

Ausländische Kredite, die Förderung von Gold, Öl und Kupfer sowie die rücksichtlose Abholzung der tropischen Regenwälder machen Indonesiens korrupte Elite reich – allen voran Suharto und seine Familie. Wie viele Milliarden in den Taschen des Präsidenten-Clans verschwinden, kann nie ermittelt werden.

Für das indonesische Volk ist der Traum von mehr Wohlstand bald ausgeträumt, Korruption, Misswirtschaft und Willkür beherrschen den Alltag. Doch Suharto kann sich behaupten, bis Indonesien im Mai 1998 hart von der Asienkrise getroffen wird. Nach wochenlangen Massenprotesten tritt der Präsident am 21. Mai 1998 zurück. Bis zu seinem Tod im Januar 2008 lebt Suharto völlig unbehelligt in seiner Residenz in der Hauptstadt Djakarta.

Autor des Hörfunkbeitrags: Andrea Kath
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 8. Juni 2021 an den Diktator Suharto. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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