23. April 1896 - Spanischer Clown Charlie Rivel wird geboren

Clown Charlie Rivel 1968 im Circus Krone, München

23. April 1896 - Spanischer Clown Charlie Rivel wird geboren

Neben dem Schweizer Grock und dem Russen Oleg Popov ist Charlie Rivel der berühmteste Clown des 20. Jahrhunderts. Der kleine Spanier beginnt seine Karriere als "Akrobat schö-ö-ö-n" am Trapez und wird als kindlicher Spaßmacher im roten Wurstpellenkostüm zur Clownslegende.

Charlie Rivel, span. Clown (Geb. 23.04.1896)

WDR ZeitZeichen 23.04.2021 14:34 Min. Verfügbar bis 24.04.2099 WDR 5


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Seit drei Generationen schon zieht die Familie Andreu Rivel in einem klapprigen Zirkuswagen durch Spanien. Der Akrobatenclan tritt gerade in einem Dorf bei Barcelona auf, als am 23. April 1896 der kleine Pepito zur Welt kommt. Mit drei Jahren steht er bereits selbst in der Manege und parodiert mit Pappmaché-Hanteln einen Gewichtheber.

Wie seine Brüder wird Pepito von den Eltern zum Trapezkünstler ausgebildet. Die Rivels arbeiten hart an ihrer Nummer, die Gagen steigen und schon 1907 gehört Pepito zu den Stars des Pariser Zirkus Lambert. 1910 erlebt er den jungen Charlie Chaplin auf der Bühne und ist so begeistert von ihm, dass er sich von nun an Charlie Rivel nennt.

"Akrobat schö-ö-ö-n"

Neben dem Vornamen übernimmt Rivel auch Chaplins Komik, baut sie in seine Trapeznummer ein und entdeckt so sein wahres Talent als Clown. Auf den Plakaten der bekanntesten Zirkusse und Varietés Europas steht sein Name als Zugnummer bald ganz oben. Karl Valentin, der Münchener Komiker, lobt, Rivel sei der Einzige, der ihn zum Lachen bringe. Zum Dank schenkt er ihm eine riesige Basstuba.

In jenen Jahren entstehen auch die berühmten Ausrufe "Akrobat schö-ö-ö-n" und "Huuuuuh". Sie werden zu Rivels Markenzeichen wie sein Clownskostüm: eine kantige rote Pappnase, eine Glatze mit feuerrotem Haarkranz und das wadenlange, wurstpellenartige Trikot, aus dem nur riesige Latschen ragen.

Spaßmacher der Nazis

1934 trennt sich Charlie Rivel vom autoritären Vater und startet seine Solokarriere. Am liebsten und häufigsten tritt er in Deutschland auf; daran ändert auch die Nazi-Herrschaft nichts. Rivel dient sich Propagandaminister Goebbels an, gratuliert Hitler zum Geburtstag und spielt 1942 die Hauptrolle in dem Ufa-Film "Akrobat schö-ö-ö-n".

Erst als Charlie Rivel 1943 in Nürnberg einen Bombenangriff miterlebt, zieht er sich aus dem Rampenlicht nach Paris zurück. Zehn Jahre züchtet er dort Hühner und Blumen, bis er es vor Langeweile nicht mehr aushält. 1952 überredet ihn sein berühmter Schweizer Kollege Grock zu einer erneuten großen Tournee.

Die Kunst, einen Stuhl zu besteigen

Clown Charlie Rivel privat ohne Maske im Anzug an einem Flughafen (1971)

Charlie Rivel privat ohne Maske (1971)

Mit einem grandiosen Comeback gelingt dem 56-Jährigen der Start in seine zweite Karriere, die ihn bis heute unvergesslich macht. Fortan verzichtet Rivel auf seine Trapezkünste und begeistert das Publikum allein mit stiller, kindlicher Gewitztheit, mit der er gegen die kleinen Tücken des Alltags ankämpft.

Charlie Rivels Komik verstehen alle Menschen, vor allem die Kinder. Seine verrückte Kletternummer, in der der kleine Clown versucht, mit einer Gitarre in der Hand einen Stuhl zu besteigen, löst Lachsalven auf der ganzen Welt aus. 1981 geht Charlie Rivel auf eine triumphale Abschiedstournee, die er mit einem Gastspiel im Zirkus Krone beendet. Am 26. Juli 1983 stirbt der neben Grock und dem Russen Oleg Popov berühmteste Clown des vergangenen Jahrhunderts in seiner Heimat Spanien.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Andrea Klasen
Redaktion: Gesa Rünker

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 23. April 2021 an Charlie Rivel. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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