09. Februar 2008 - Vor 60 Jahren: Todestag des Komikers Karl Valentin

Stichtag

09. Februar 2008 - Vor 60 Jahren: Todestag des Komikers Karl Valentin

Auf der Straße wird Liesl Karlstadt im Februar 1948 immer wieder angesprochen. "Ja, Frau Karlstadt, das muss Ihnen doch furchtbar sein, dass der Karl Valentin nicht mehr lebt", stellen die Passanten fest. "Da sag ich: 'Ich bin froh für ihn, dass er das nicht mehr mitmachen muss, was man mitmachen muss'", entgegnet die einstige Partnerin von Münchens berühmtestem Komiker humorlos und zieht von dannen. Das Leben macht ihr - wie vorher bereits Valentin - längst keine Freude mehr. 

Valentin wird 1882 in München geboren. "Als ich die Hebamme sah, war ich sprachlos", wird er später sagen. "Ich hatte diese Frau in meinem ganzen Leben noch nie gesehen!" Überhaupt gibt der hagere Valentin in seinen besten Sketchen, die Dichtung und Wahrheit gekonnt vermischen, immer wieder sein eigenes Leben der Lächerlichkeit preis. Als Kind sei er so blass gewesen, dass seine Mutter eine Schneebrille habe tragen müssen, um ihn zu erkennen. Eine Schreinerlehre hängt er nach eigener Aussage an jenen Nagel, den er kurz zuvor mit dem Hammer in seiner Eigenschaft als Schreinerlehrling in die Wand geschlagen hat. Für solche Geschichten liebt ihn sein Publikum, das er auf den Münchner Wirtshausbühnen mit anarchischem Sprachwitz unterhält: zunächst alleine, ab 1911 dann zusammen mit Liesl Karlstadt, die über 27 Jahre lang auch im Leben Partnerin und Stütze ist. Der gut gebauten Pointe ordnet er alles unter. Als er 1931 ein eigenes Theater eröffnet, muss es schnell wieder geschlossen werden: Entgegen der Weisung der Feuerwehr hatte er auf einer brennenden Zigarette in einem Sketch bestanden.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wird Valentins Humor düster. Vom Leben ist der Komiker zu Tode betrübt. Das Publikum möchte aber weiter Späße und bleibt fern, Auftritte werden abgesagt. "Das dritte Reich", wird er verbittert notieren, habe ihn "in den letzten Jahren nur mehr pro Monat 100 Mark verdienen lassen." Nach dem Krieg wird das nicht besser. Im Oktober 1945 schreibt Valentin dem Oberbürgermeister von München einen Brief. "Was ist mit mir?", heißt es darin. "Bin ich vergessen?" Längst muss Valentin als Scherenschleifer sein Geld verdienen. Am 9. Februar 1948 - einem Rosenmontag - stirbt er in Planegg bei München an einer Lungenentzündung.

Stand: 09.02.08