29. November 1856 - Geburtstag von Theobald von Bethmann Hollweg

Reichskanzler Theobald Theodor Friedrich Alfred von Bethmann Hollweg

29. November 1856 - Geburtstag von Theobald von Bethmann Hollweg

Als Reichskanzler unter Kaiser Wilhelm II. versucht sich Theobald von Bethmann Hollweg an inneren Reformen. In der Außenpolitik gibt er nach der Katastrophe des Weltkriegs seine Schuld und sein Versagen zu.

Theobald v. Bethmann Hollweg, Reichskanzler (Geburtstag, 29.11.1856)

WDR ZeitZeichen 29.11.2021 14:42 Min. Verfügbar bis 30.11.2099 WDR 5


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Theobald von Bethmann Hollweg entstammt dem märkischen Adel. Aber er ist aufgeschlossen für die Moderne, spricht fließend Englisch und Französisch und hat mit preußischem Militarismus nichts im Sinn. Nach seinem Wehrdienst entwickelt er sich zu einem Spitzenbeamten.

Innere Reformen als Reichskanzler

Theobald Theodor Friedrich Alfred Von Bethmann Hollweg

Theobald Theodor Friedrich Alfred Von Bethmann Hollweg

1909 beruft ihn der Kaiser zum Kanzler. Wilhelm II. kennt Bethmann Hollweg aus seiner Jugendzeit. Der neue Kanzler will Reformen im Inneren: Elsass-Lothringen bekommt eine Verfassung mit gleichem Wahlrecht. Er setzt eine Reichsfinanzreform durch. Die deutsche Sozialversicherung wird zur modernsten Europas. Außenpolitisch warnt er, "nicht leichtfertig die Lunte an das Pulverfass zu legen".

Bethmann Hollweg will eine Annäherung an Großbritannien, um Deutschland aus der Isolation zu führen. Doch die Anhänger der deutschen Flottenrüstung, allen voran Großadmiral Alfred von Tirpitz, torpedieren jeden Versuch einer Annäherung. Bethmann Hollweg knüpft enge Beziehungen zum britischen Außenminister Edward Grey. Die Kooperation bewährt sich in der Balkankrise 1912:

Im Juli 1914 hätte es wieder so kommen können. Doch Bethmann Hollweg bekommt von einem deutschen Spion in London beängstigende Informationen. Angeblich verhandeln die Briten mit den Russen darüber, dass die Royal Navy im Kriegsfall russische Truppen in Pommern anlanden könnte.

Sarajewo und die Folgen

Bethmann Hollwegs Vertrauen in die britische Politik ist dahin. Nach dem Attentat von Sarajewo auf den österreichischen Thronfolger gibt er dem Verbündeten Österreich einen Blankoscheck für einen Schlag gegen Serbien. Der Weltkrieg nimmt seinen Lauf.

Feldmarschall Paul von Hindenburg.

Paul von Hindenburg

Im Krieg verfällt der Reichskanzler auf eine abstruse Idee. Er sorgt dafür, dass Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, beide Scharfmacher, eine neue Oberste Heeresleitung bilden. Bethmann gerät mit den beiden Generälen heftig aneinander in der entscheidenden Frage nach einem uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Mit dieser Wunderwaffe soll der Krieg schnell gewonnen werden. Bethmann Hollweg zeigt sich entsetzt über die U-Boot-Pläne Hindenburgs.

1916 kann er noch erfolgreich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg verhindern. Doch Hindenburg und Ludendorff intrigieren weiter gegen den Kanzler. Zudem wird die Presse immer rechtslastiger und hetzt gegen den Reichskanzler.

Selbstkritik nach dem Scheitern

Im Juli 1917 wird Bethmann Hollweg vom Kaiser entlassen. Nun liegt die faktische Macht beim Militär, bei Hindenburg und Ludendorff. Die Größe von Bethmann Hollweg zeigt sich darin, dass er seine Schuld und sein Versagen zugibt. Nach dem verlorenen Krieg hält er sich aus der Politik heraus und schreibt: "Ein abgetakelter und überflüssig gewordener Staatsmann hält am besten das Maul."

Zwei Jahre nach Kriegsende stirbt Theobald von Bethmann Hollweg im Alter von 64 Jahren auf seinem Schloss Hohenfinow bei Eberswalde an einer Lungenentzündung.

Autor des Hörfunkbeitrags: Heiner Wember
Redaktion: Gesa Rünker

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 29. November 2021 an den deutschen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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