Der kleine Prinz wird 75

Der kleine Prinz wird 75

Am 6. April 1943 erscheint Antoine de Saint-Exupérys Buch "Der kleine Prinz". Eine Geschichte über den Wert der Freundschaft und die Aufrichtigkeit des Wortes. Es wird in 150 Sprachen übersetzt und zählt zu den meistverkauften Büchern aller Zeiten.

Animation: Der kleine Prinz und die Rose

Ein Pilot muss in der Wüste Sahara notlanden, sein Flugzeug hat einen Motorschaden und er nur noch Trinkwasser für wenige Tage. Ein kleiner Prinz tritt auf wundersame Weise in sein Leben. Es ist der Beginn einer anrührenden Freundschaft zwischen zwei vom Himmel Gefallenen: einem notgelandeten Flieger und einem zauberhaften Wesen vom anderen Stern. Es ist die Geschichte: Der kleine Prinz.
Autorin des WDR ZeitZeichens ist Almut Finck

Ein Pilot muss in der Wüste Sahara notlanden, sein Flugzeug hat einen Motorschaden und er nur noch Trinkwasser für wenige Tage. Ein kleiner Prinz tritt auf wundersame Weise in sein Leben. Es ist der Beginn einer anrührenden Freundschaft zwischen zwei vom Himmel Gefallenen: einem notgelandeten Flieger und einem zauberhaften Wesen vom anderen Stern. Es ist die Geschichte: Der kleine Prinz.
Autorin des WDR ZeitZeichens ist Almut Finck

Le Petit Prince – das märchenhafte Werk des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry erscheint vor 75 Jahren, am 6. April 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg in New York, auf Englisch und Französisch. Und gehört mit mehr als 140 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Büchern der Welt.

Der Schriftsteller und Pilot Antoine de Saint-Exupéry wird im Jahr 1900 geboren, fast zeitgleich mit der motorisierten Fliegerei. Er erliegt der Faszination des Fliegens, macht eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker, nimmt privat Flugstunden und erhält den Pilotenschein, übernimmt später Streckenflüge für Luftpost- und Luftfrachtgesellschaften.

Die oft lange Wartezeit zwischen zwei Flügen verkürzt er sich mit Schreiben und Zeichnen. Mehrmals wird er bei Flugzeugunglücken schwer verletzt. Er fliegt trotzdem weiter. 1935 stürzt Antoine de Saint-Exupéry über der libyschen Wüste ab. Fünf Tage irrt er umher, ehe er von Beduinen gefunden wird.

Nach seiner wunderbaren Rettung beginnt er, auf kleine Zettel oder zwischen die Zeilen in Briefen an seine Freunde eine Figur zu kritzeln: einen zierlichen, kleinen Knaben mit weiten Hosen, oft langem Schal, manchmal auf einer Wolke sitzend. Er nennt ihn: den kleinen Prinzen. Das Werk schreibt er 1942 im Exil in New York.

"Es ist ein Buch über den Wert der Freundschaft", so die Literaturwissenschaftlerin Susanne Zepp von der Freien Universität Berlin im WDR ZeitZeichen. Ihr gefällt die Ernsthaftigkeit, mit der dem einzelnen Wort begegnet wird. Das habe die Menschen sehr berührt, glaubt sie. "Gerade 1943, als der Text entstanden ist, und mit Sprache viele schlimme Dinge geschehen sind."

Worte haben Gewicht, sind aufrichtig, nicht nur leere Hülsen. Die Botschaft des kleinen Prinzen sei, dass Worte etwas bedeuten, findet Susanne Zepp, dass Worte verletzen können, dass sie einen Kontakt zu Menschen herstellen können.

Nach und nach erzählt der kleine Prinz dem einsamen Mann in der Wüste seine Geschichte. Dass er seinen winzigen Heimatplaneten mit den drei erloschenen Vulkanen und einer einzelnen Rose verlassen hat – aus Kummer über seine unerfüllte Liebe zu dieser Blume. Sie ist zwar schön, aber eitel, und hat den kleinen Prinzen gekränkt.

Von einem zum nächsten Planeten sei er geflohen, auf jedem wohnt ein einzelner, überaus verwunderlicher Mensch. Saint-Exupérys Porträts der Planetenbewohner sind subtile kleine Psychogramme, hinter denen sich ein tiefer Kulturpessimismus verbirgt. Immer wieder hat der Autor in seinen Texten und Briefen die moderne, durchrationalisierte Gesellschaft kritisiert.

Mit seinen scheinbar kindlich-naiven Fragen entlarvt der kleine Prinz, wie absurd und leer die Welt der geld- und machtgierigen großen Leute ist. Für die einsamen Planeten-Bewohner zählt nur der oberflächliche Schein. Das Wesen der Dinge bleibt ihnen verborgen.

Kritiker haben das Werk oft als platitüdenhaftes Kunstmärchen eines zivilisationsmüden Autors abgetan. Seiner weltweiten Popularität hat das keinen Abbruch getan. Das Buch wurde in rund 150 Sprachen übersetzt, darunter allein in 50 verschiedene chinesische Dialekte. Es ist nach der Bibel und dem "Kapital" von Karl Marx das meistverkaufte Buch aller Zeiten. "Der kleine Prinz" wurde vertont, als Oper, Musical, Hörspiel inszeniert, auf Theater- und Ballettbühne gebracht, mehrfach verfilmt.

Es dürfte wenige Sätze der Weltliteratur geben, die so sehr in den Zitatenschatz der unterschiedlichsten Kulturen gefunden haben – wie die Worte, die der Fuchs dem heimwehkranken kleinen Prinzen mit auf den Weg gibt, zurück zu seinem Planeten: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Dass das Buch nach 1945 zum Weltbestseller wird, hat Antoine de Saint-Exupéry nicht mehr erlebt. Er kehrt von einem Aufklärungsflug 1944 nicht zurück und bleibt verschollen.

Stand: 29.03.2018, 12:47 Uhr