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Jetzt läuft: Georg Friedrich Händel - Sonate h-Moll, op. 1,9b, HWV 367b

Fragment einer Lukas-Passion und drei Barock Tenöre

Die erste Stunde der Vesper wirft ein Schlaglicht auf Reinhard Keiser als Komponisten einer theatralischen Passionsmusik. Der zweite Teil stellt drei Startenöre der Barockzeit vor, die der Kastraten-Mode trotzten.

Vesper I

Fragment einer Lukas-Passion

17:04 - 17:45 Uhr

Reinhard Keiser

Reinhard Keiser

In den Jahrzehnten um 1700 entwickelt sich Hamburg zu einem Zentrum der Neuen Musik. Impulse kommen vor allem vom Opernhaus am Gänsemarkt. Ausgehend von dieser bürgerlichen Institution sickern dramatische Formen wie Arien und Rezitative auch in die Kirchenmusik ein – gegen den Widerstand konservativer Kleriker. Federführend ist dabei vor allem Reinhard Keiser, einer der Stars der Hamburger Oper. Diversen Passionsmusiken, die Keiser für Hamburg schreibt, gibt er eine theatralische Note. Dabei arbeitet er mit innovativen Dichtern wie Barthold Heinrich Brockes zusammen. Wann seine Lukas-Passion entstand und wer die frei gedichteten Texte dazu beitrug, ist nicht klar – zumal das Werk als Fragment überliefert ist. Wie in einem Brennglas lenkt dieser (zufällig entstandene?) Ausschnitt der Passionsgeschichte den Blick auf die Gefangennahme, die dreifache Verleugnung des Petrus und auf die Geißelung Jeus.

Von Helga Heyder-Späth

Fragment einer Lukas-Passion

WDR 3 Vesper 23.03.2024 41:00 Min. Verfügbar bis 24.03.2025 WDR 3


Die Musikstücke zur Sendung

17:04 - 17:45 Uhr
Komponist:inTitel / LängeInterpret:in
Reinhard KeiserWir gingen alle in der Irre.
Fragment einer Lukas-Passion
(für Soli , Chor, 2 Oboen, Streicher und Basso continuo)
(31'35'')
Eeva Tenkanen, Sopran
Doerthe Maria Sandmann, Sopran
Olivia Vermeulen, Mezzosopran
Knut Schoch, Tenor
Julian Podger, Tenor
Raimonds Spogis, Bass
Matthias Jahrmärker, Bass
Capella Orlandi Bremen
Leitung: Thomas Ihlenfeldt
Georg Philipp TelemannSeht noch einmal, mit welchem Blicke.
Schlusschor
aus: Lukas-Passion, TWV 5:33
(5'28'')
Das Kleine Konzert
Rheinische Kantorei
Leitung: Hermann Max

Vesper II

Die drei Barock-Tenöre

18:04 - 19:00

Das Musikensemble Concerto Romano.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert werden Heldenpartien im Musiktheater meist von Tenören übernommen. Ganz anders in der Barockoper italienischer Prägung: Hier wurden männlichen Hauptrollen fast ausschließlich für hohe Stimmen über der Tenorlage komponiert, für Kastraten oder Sängerinnen. Tenöre standen allenfalls in zweiten oder gar dritten Rollen auf der Bühne, als Väter, Berater, Widersacher und in komischen Partien. Aber es gab Ausnahmen. Mit Vittorio Chiccheri (vor 1691 – nach 1743), Francesco Borosini (um 1690 – um 1750) und Annibale Pio Fabbri (1696-1760) inspirierten drei italienische Tenöre im frühen 18. Jahrhundert mit ihren Ausnahmestimmen, ihrer Gesangskunst und ihrem Starpotential große Komponisten zu außerordentlichen Partien. Nicht zuletzt Georg Friedrich Händel, der für Borosini und Fabbri in London auch ehemalige Kastraten-Heldenrollen transponierte und für Chiccheri in Rom Oratorien-Arien von größter Ausdruckskraft schuf. Sie sind – zusammen mit Werken von Scarlatti, Pasquini, Bencini und Chiccheri selbst – gerade auf einer neuen CD  erschienen, die der Tenor Luca Cervoni und das Ensemble Concerto Romano "Händels römischem Tenor" gewidmet haben.

Von Sabine Radermacher

Die drei Barock-Tenöre

WDR 3 Vesper 23.03.2024 55:03 Min. Verfügbar bis 24.03.2025 WDR 3


Die Musikstücke zur Sendung

18:04 - 19:00
Komponist:inWerk / LängeInterpret:in
Alessandro ScarlattiTroppo è timido
aus: La principessa fedele
(2'13'')
Luca Cervoni, Tenor
Concerto Romano
Leitung: Alessandro Quarta
Lorenzo LulierFosca notte
aus: Santa Genuinda
(2'50'')
Luca Cervoni, Tenor
Concerto Romano
Leitung: Alessandro Quarta
 Alessandro ScarlattiSerafini (Carità/San Filippo)
aus: San Filippo Neri
(1'34'')
Carlotta Colombo, Sopran
Luca Cervoni, Tenor
Concerto Romano
Leitung: Alessandro Quarta
 Alessandro ScarlattiVieni o Dio (San Filippo)
aus: San Filippo Neri
(4'22'')
Luca Cervoni, Tenor
Concerto Romano
Leitung: Alessandro Quarta
Georg Friedrich HändelCaro Figlio (San Giovanni)
aus: La Resurrezione
(4'12'')
Luca Cervoni, Tenor
Concerto Romano
Leitung: Alessandro Quarta
Georg Friedrich HändelForte e lieto (Bajazet)
aus: Tamerlano, HWV 18
(6'08'')
Mark Padmore, Tenor
The English Concert
Leitung: Andrew Manze
Georg Friedrich HändelPrigioniera ho l'alma in pena (Grimoaldo)
aus: Rodelinda, Regina de' Langobardi, HWV 19
Juan Sancho {Tenor}
Capella Cracoviensis
Leitung: Jan Tomasz Adamus
Antonio CaldaraRicordati! - Lo so! (Ernando-Erenice IV)
aus: Il Venceslao
(9'50'')
Sonja Runje {Mezzosopran}
Stefan Sbonnik {Tenor}
{OH!} Orchiestra
Leitung: Martina Pastuszka
Tommaso AlbinoniGuarda un po (Pimpinone)
aus: Vespetta e Pimpinone
(2'22'')
Viktor Massányi, Bariton
Savaria Baroque Orchestra
Leitung: Pál Németh
Antonio Vivaldi"La tirannia avversa sorte" (Tamese)
aus: Arsilda, Königin von Pontus, RV 700 
(5'06'')
Joseph Cornwell, Tenor
Modo Antiquo
Leitung: Federico Maria Sardelli
Georg Friedrich HändelNon pensi quell'altera (Berengario)
aus: Lotario, HWV 26
(4'44'')
Andreas Karasiak {Tenor}
kammerorchesterbasel barock
Leitung: Paul Goodwin
Johann Adolf HasseSinfonia
aus: Marc' Antonio e Celopatra
(4'13'')
Holland Baroque Society
Leitung: Skip Sempé