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Komponierende Frauen und "Aus dem Off"

Auch wenn ihr Vorname beim Notendruck weggelassen oder ihnen jegliche Kreativität abgesprochen wurde – Komponistinnen gibt es, seit es seit es Musik gibt. Der zweite Teil der Vesper besucht den barocken Musikpavillon am Darmstädter Schloss.

Vesper I

Ausnahmen in der Musikgeschichte – Frauen als Musikerinnen und Komponistinnen

17:04 - 17:45 Uhr

Élisabeth Jacquet de La Guerre

Élisabeth Jacquet de La Guerre

"Wir Frauen komponieren nicht…Es muss da irgendetwas sein, das uns fehlt", legte man noch Mitte des letzten Jahrhunderts Frauen in den Mund. Im ersten Teil der Vesper präsentieren wir Frauen, die sich trotzdem durchgesetzt haben. Rebecca Clarke gilt als die wichtigste englische Komponistin zwischen den beiden Weltkriegen. Das Frauenbild des spätviktorianischen Zeitalters prägte ihre eigene Vorstellung einer "angemessenen" Geschlechterrolle. Oft entmutigt, schuf sie trotzdem eine ganze Reihe kammermusikalischer Werke, Lieder und Chorwerke wie ein Ave Maria, das an die Polyphonie der Renaissance erinnert. Aber wir schauen noch weiter zurück: Welche Möglichkeit hatte eine Komponistin im Zeitalter des Barock? Zu den Positionen eines Hofkomponisten, Kapellmeisters oder Organisten hatte sie keinen Zugang. Aber es gab Ausnahmen. Komponieren konnten Frauen vereinzelt, als adlige Dilettantin, als Tochter eines berühmten Künstlers oder hinter Klostermauern. Zum Beispiel Élisabeth Jacquet de La Guerre. Sie war die Tochter einer Musikerfamilie, genoss eine aristokratische Erziehung am Königshof Ludwig XIV.,  wurde eine berühmte Cembalovirtuosin, Pädagogin und Komponistin. Ihre Kollegin Antonia Bembo, erhielt für ihre Verdienste als Sängerin am Königshof eine lebenslange Pension in einem Frauenkonvent. Hier hatte sie Zeit, zu einer der produktivsten Komponistinnen ihrer Zeit zu werden.

Von Dorothee Prasser

Ausnahmen in der Musikgeschichte

WDR 3 Vesper 09.03.2024 40:57 Min. Verfügbar bis 10.03.2025 WDR 3


Die Musikstücke zur Sendung

17:04 - 17:45 Uhr
Komponist:inTitel / LängeInterpret:in
Rebecca ClarkeAve Maria für Frauenchor a cappella
(2'36'')
The Marian Consort
Cecilia McDowallStanding as I do before God
für Sopran und fünfstimmigen Chor a cappella
(6'05'')
NFM Choir
Elisabeth-Claude Jacquet de La GuerreAria
Presto
aus: Sonate d-Moll
für Violine und Basso continuo
(4'06'')
Spirit of Musicke
Antonia BemboMostro d'orgoglio.
Kantate für Sopran und Basso continuo
(16'48'')
Miho Kamiya, Sopran
Armonia Delle Sfere
Wilhelmine Markgräfin von BayreuthSonate a-Moll
für Flöte und Bc.
(5'20'')
Elisabeth Weinzierl, Traversflöte
Eva Schieferstein, Cembalo
Philipp von Morgen, Violoncello

Vesper II

Aus dem Off. Delikate Klänge für einen Darmstädter Musikpavillon

18:04 - 19:00

Ernst Ludwig (1667 - 1739) Landgraf von Hessen-Darmstadt 1678 - 1739 Gemälde von Johann Christian Fiedler

Ernst Ludwig (1667 - 1739) Landgraf von Hessen-Darmstadt

Musik, die scheinbar aus dem Nichts ertönt, ist heute eine Selbstverständlichkeit, galt bis zur Erfindung von Grammophon und Radio aber als große Sensation. Das vor allem außerhalb der Kirchen, von deren Musizieremporen die geistlichen Harmonien für den Großteil der Zuhörenden wie aus dem Himmel herabzusinken schienen. Um die Musik rein hörend zu genießen ‒ oder auch nur als dezenten Hintergrund bei anderen Beschäftigungen ‒, ließ der kunstsinnige hessische Landgraf Ernst Ludwig 1701 auf der nördlichen Wallbastion seines Darmstädter Residenzschlosses einen geräumigen Pavillon mit barockem Kuppeldach errichten. Während er es sich mit seinen Gästen in dessen Parterre bequem machte, gelangte sein Musikensemble über einen unterirdischen Gang in das Kellergewölbe des Gebäudes. Ein Röhrensystem übertrug ihr Spiel nach oben ‒ sicher zur Überraschung aller, die dort zum ersten Mal zu Gast waren. Welche Musik mögen die Darmstädter Landgrafen in diesem Pavillon bevorzugt gehört haben? Beim Blick auf das bis heute erhaltene Repertoire des langjährigen Hofkapellmeisters Christoph Graupner fallen kammermusikalische Werke mit besonderen Instrumentenkombinationen ins Auge, von denen die zweite Vesperstunde einige vorstellt.

Von Bernd Heyder

Aus dem Off. Delikate Klänge für einen Darmstädter Musikpavillon

WDR 3 Vesper 09.03.2024 54:50 Min. Verfügbar bis 10.03.2025 WDR 3


Die Musikstücke zur Sendung

18:04 - 19:00
Komponist:inWerk / LängeInterpret:in
Christoph GraupnerOuverture
aus: Ouvertürensuite C-Dur für 3 Chalumeaux, GWV 401
(3'06'')
Andrássy Trio
Christoph GraupnerTriosonate F-Dur, GWV 210
für Viola d’amore, Bass-Chalumeau und Basso continuo
(9'25'')
Hélène Plouffe, Viola d'amore
Mark Simons, Chalumeau
David Jacques, Theorbe
Amanda Keesmaat, Violoncello
Erin Helyard, Cembalo
Georg Philipp TelemannConcerto F-Dur, TWV 42:F14
für Blockflöte, Horn und Basso continuo
(7'09'')
Michael Schneider, Blockflöte
Ulrich Hübner, Horn
Camerata Köln
Christoph GraupnerPräludium, Allemande und Gique
aus: Suite g-Moll "Martius", GWV 111
(6'11'')
Geneviève Soly, Cembalo
Johann Friedrich FaschQuadro F-Dur
für Oboe, Violine, Fagott und Basso continuo
(6'53'')
Alessandro Piqué, Oboe
Veronika Skuplik, Violine
Sergio Azzolini, Fagott
Epoca Barocca
Christoph GraupnerTriosonate B-Dur, GWV 217
für Traversflöte, Viola d'amore und Basso continuo
Petra Aminoff, Traversflöte
Sirkka-Liisa Kaakinen-Pilch, Viola d'amore
Continuogruppe des Finnish Baroque Orchestra