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Applaus, Applaus: Barbara Behr und der Villa Merländer e.V.

Claudia Flümann, Barbara Behr und Ingrid Schupetta

Applaus, Applaus: Barbara Behr und der Villa Merländer e.V.

Von Simone Schlosser

Erinnerungskultur ist ein unbequemes Thema, das gerade allerdings so aktuell ist, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Barbara Behr ist Vorsitzende des Villa Merländer e.V., des Fördervereins der Krefelder NS-Dokumentationsstelle. Wir haben sie in unserer WDR 3 Aktion "Applaus, Applaus" besucht.

Die Villa Merländer in Krefeld ist ein imposantes Gebäude. Außen zieren Säulen den Eingangsbereich. Innen birgt sie Wandgemälde des Malers Heinrich Campendonk. Errichtet wurde das Eckhaus von dem jüdischen Kaufmann Richard Merländer als Wohnsitz für seine Familie. Heute hat das Museum der NS-Dokumentationsstelle hier seinen Sitz. Stolpersteine vor dem Gebäude weisen noch auf ihre ursprünglichen Bewohner hin. Barbara Behr begleitet die Gedenkstätte seit ihren Anfängen vor mehr als zwanzig Jahren. Erinnerungskultur ist ihr ein persönliches Anliegen.

Beifall - Symbolfoto

Nicht nur Schauspieler im Theater oder Dirigentinnen haben Applaus verdient. WDR 3 würdigt mit der Weihnachts-Aktion "Applaus, Applaus" Heldinnen und Helden des Alltags.

Anfangs umstritten: die NS-Dokumentationsstelle

Die 62-jährige Grundschullehrerin ist noch in einer Zeit aufgewachsen, in der der Nationalsozialismus in Familien und Schulen verschwiegen wurde. Das hat sie geprägt. Mit ihrem Engagement setzt sie sich dafür ein, die Erinnerung daran lebendig zu halten. Als die NS-Dokumentationsstelle Anfang der neunziger Jahre eröffnet wurde, war sie in Krefeld umstritten, mittlerweile ist sie ein anerkannter Teil der Kulturlandschaft.

Ein Sinnbild dafür sind die Stolpersteine, nicht nur vor der Villa Merländer, sondern überall im Krefelder Stadtbild. Die Initiative dazu kam von einigen Krefelder Schulen. Umgesetzt hat die Stolpersteine der Förderverein. "Das ist etwas, was den Rahmen dessen, was hier in der Dokumentationsstelle gemacht werden kann, völlig sprengen würde. Aber was sehr sichtbar die Erinnerungskultur in den öffentlichen Raum legt."

Liederabende, Filmvorführungen, Vorträge

Die Arbeit des Fördervereins ist mehr als ein finanzielles Engagement. Dazu gehört auch die Gestaltung verschiedener Veranstaltungen: Liederabende. Filmvorführungen. Vortragsreihen. Ingrid Schupetta ist die ehemalige Leiterin der NS-Dokumentationsstelle. In ihrer langjährigen Arbeit für die Gedenkstätte hat sie den Verein zu schätzen gelernt. Als die schnelle Eingreiftruppe, wie sie lächelnd erklärt. "In meiner Arbeit hier in der Dokumentationsstelle habe ich immer wieder auf den Förderverein zurückgreifen können, wenn es irgendwo zwackte oder klemmte und die Stadt nicht zuständig war oder nicht schnell irgendwas machen konnte."

Immer mehr jüngere Mitglieder

Ein zentrales Projekt der letzten Jahre war die Entwicklung eines Katalogs, in dem alles dokumentiert ist, was in der Ausstellung zu sehen ist, so dass Interessierte auch von außerhalb Einblick nehmen können. Ohne Barbara Behr hätte es den Katalog nicht gegeben, meint Ingrid Schupetta. Aktuell hat der Förderverein der Villa Merländer etwa 200 Mitglieder. Die meisten davon sind im Alter von Barbara Behr. Doch zunehmend stoßen auch jüngere Menschen zu dem Verein hinzu, die sich auf diese Weise gegen Rassismus und Ausgrenzung engagieren möchten. Erinnerungskultur ist ein unbequemes Thema, das allerdings so aktuell ist, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Deshalb bedarf der Villa Merländer e.V. besonderer Anerkennung. Ein Verein, der stellvertretend steht für Nordrhein-Westfalen, wo es nicht einen zentralen Ort der Erinnerung gibt, sondern mehrere dezentrale Gedenkstätten. Ohne ehrenamtliches Engagement würden sie nicht existieren.

Applaus, Applaus: Barbara Behr vom NS-Dokumentationszentrum

WDR 3 Kultur am Mittag 18.12.2018 05:23 Min. Verfügbar bis 18.12.2019 WDR 3

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Stand: 18.12.2018, 12:01