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WDR 3 Werkbetrachtung: Josef Suks "Asrael"-Sinfonie

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"Engel des Todes" von Evelyn de Morgan

WDR 3 Werkbetrachtung: Josef Suks "Asrael"-Sinfonie

Sie ist ein Denkmal persönlicher Trauer: "Asrael" von Josef Suk zählt zu den bedeutendsten tschechischen Sinfonien. Tomáš Netopil, Generalmusikdirektor der Essener Philharmoniker, entdeckt viele spannende Details in dem monumentalen Werk.

"Es ist die modernste Musik, die wir haben, und wird sich wohl der dauerhaftesten anschließen." Musikkritiker Emanuel Chvála preist die Uraufführung von "Asrael", der zweiten Sinfonie von Josef Suk. Er ist nicht der einzige, der am 3. Februar 1907 im Prager Nationaltheater begeistert ist von dieser Musik. "Asrael" behandelt ein Thema, das jeden Menschen angeht: Wie geht man mit dem Tod um? Josef Suk hat gleich zwei Schicksalsschläge zu verkraften. Zunächst stirbt im Mai 1904 sein Schwiegervater Antonín Dvořák. Er hat ihn geliebt und geschätzt, als Künstler, Lehrer und Mensch.

WDR 3 Werkbetrachtung: Josef Suks "Asrael"-Sinfonie

WDR 3 Werkbetrachtungen 15.07.2017 19:27 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Ein Jahr später stirbt auch Suks Frau Otilie. Das Ereignis stürzt den Komponisten in tiefste Verzweiflung: "Meine fürchterliche Pein treibt mich von Ort zu Ort", schreibt er, "und je länger sie dauert, desto mehr schmerzt mir das Herz." Suk, der zunächst zu Ehren seines Schwiegervaters eine dreisätzige Trauersinfonie konzipiert, erweitert das nun Werk bis auf fünf Sätze.

Der Titel, den Josef Suk seinem Werk gibt, verweist auf den islamischen Glauben. Dort ist "Asrael" der Engel des Todes, der die Seelen der Verstorbenen ins Paradies geleitet. Die Inspiration zu diesem Titel liefert wahrscheinlich eine zu jener Zeit bekannte und viel gesehene "Asrael"-Oper von Alberto Franchetti, die auch in Prag mit großem Erfolg aufgeführt wird.

Die "Asrael"-Sinfonie hat zwar kein konkretes, dafür aber durchaus ein poetisches Programm. Positive und zerstörerische Kräfte kämpfen miteinander, eine Art Totentanz fehlt ebenso wenig wie ein visionäres musikalisches Porträt von Suks Ehefrau Otilie. Im trauermarschartigen zweiten Satz setzt Suk Antonín Dvořák ein musikalisches Denkmal. Einen letzten Kampf ficht das Leben mit dem Tod im Finale aus, bevor sich unter weihevollen Klängen das Tor zum Himmel öffnet. "Überall spürt man die Nähe des Todesengels", erläutert der Musikwissenschaftler Emanuel Chvála. "Die traurige Klage ist mit dem Herzblut des Komponisten geschrieben."

Dirigent Tomáš Netopil

Der Dirigent Tomáš Netopil hat im November 2016 Suks "Asrael"-Sinfonie auf CD eingespielt, gemeinsam mit den Essener Philharmonikern, die er seit 2013 leitet. Er gilt als Spezialist für die Musik Suks und wird nicht müde, sich dafür einzusetzen.

Für Netopil ist "Asrael" vor allem ein Stück "reiner Musik". Besonders die vielen Details der Instrumentation, die trotz des monumentalen Klangapparates transparent sind, faszinieren ihn. In der Werkbetrachtung erläutert Netopil zudem das dichte Netz von Motiven, das Suk über sein Werk spannt. Nicht zuletzt diese kompositorische Feinarbeit macht "Asrael" zu einem Meisterwerk.

Eine Collage von Markus Bruderreck

Redaktion: Eva Küllmer

CD-Tipp

Cover: Josef Suk -Asrael, Essener Philharmoniker

Josef Suk: Sinfonie c-moll "Asrael"
Tomáš Netopil (Leitung)
Essener Philharmoniker
Label: Oehms Classics
Bestellnummer: OC1865